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Netscape und Co. - was aus einstigen Größen des Internets geworden ist

Geocities, Napster, ICQ oder Altavista waren einst extrem populäre Online­dienste, ohne die kaum einer auskam. Doch was ist aus den Größen der digitalen Früh­zeit geworden?
Von dpa /
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Sie waren die Über­flieger im Netz oder als Standard­programm auf jedem Rechner installiert. Mittler­weile sind sie bedeutungs­los oder sogar komplett verschwunden: Viele Online-Dienste, aber auch Programme aus den Früh­jahren des Internets sind mittler­weile Geschichte. Eine Erinnerungs­runde:

Netscape Navigator

Collage verschiedner Fimenlogos: Netscape, ICQ, Altavista.Netscape, ICQ, Altavista - nur einige der ehemaligen Internet-Größen Lange vor Firefox, Chrome & Co. war Netscape der Standard­browser schlechthin. "Mitte der 1990er Jahre hatte Netscape einen Markt­anteil von 80 Prozent", erklärt der Bremer Historiker Daniel Crueger, der die digitale Geschichte und ihr kulturelles Erbe erforscht. Doch: "1995 begann mit der Markt­ein­führung des Microsoft Internet Explorers der sogenannte erste Browser­krieg, für den Microsoft erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen sowie die Markt­macht seines Betriebs­systems Windows mobilisierte", so der Experte.

Netscape konnte diesen ungleichen Kampf nicht gewinnen: "2003 war der Markt­anteil von Netscape auf weniger als 4 Prozent gesunken, der Internet Explorer hatte über 95 Prozent erreicht." Von AOL zwischen­zeitlich übernommen wurde der Browser 2007 eingestellt.

Realplayer

Der Realplayer und das gleichnamige Format war für alle Systeme verfügbar und brachte Mitte der 1990er Jahre zwei Vorteile: "Es erlaubte eine hohe Komprimierung der Daten, die in den Anfangs­zeiten des Internets mit seinen geringen Band­breiten wichtig war, und es war für Video- und Audio-Live-Streams geeigneter als konkurrierende Formate wie Quicktime und MPEG", erklärt Stephan Dörner vom Digital­magazin t3n. Letztlich verdrängte das Flash-Format den Player. "Das Flash-Format setzte sich als Quasi-Standard für alle Multimedia-Formate im Web durch - inklusive Video." Der Realplayer existiert heute immer noch in einer aktuellen Variante.

Altavista

Die Such­maschine ging 1995 online und war jahre­lang Markt­führer. "Altavista hat seine Such­ergebnisse vor allem aus den sogenannten Meta-Daten einer Website erstellt, das heißt etwa auf Grundlage von Seiten­titeln oder vom Autor vergebener Stich­wörter", erklärt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. Dann kam 1998 Google und machte es "besser", indem der Gesamt­text einer Seite analysiert wurde. Für Altavista ging es stetig bergab, bis der letzte Besitzer Yahoo die Such­maschine nach mehreren Verkäufen 2013 abstellte.

StudiVZ

Ursprünglich als Studenten-Netzwerk konzipiert und dann ausgeweitet, war StudiVZ zur richtigen Zeit am richtigen Ort: "Als der Dienst 2005 ans Netz ging, war die Epoche von Social Media soeben angebrochen, deutschs­prachige Angebote fehlten aber noch weit­gehend", sagt Crueger. StudiVZ war für eine ganze Generation der Social-Media-Erstkontakt, und zu ihrer Hoch­zeit hatte die VZ-Gruppe rund 16 Millionen aktive Nutzer. "Dass nach dem Hype dann der tiefe Fall kam, hat seine Gründe wohl nicht zuletzt in der inhaltlich starken und finanz­kräftigen Konkurrenz durch Facebook", so Crueger.

"Während Facebook optisch und technisch davonzog, herrschte bei StudiVZ auf Software-Seite in einer kritischen Phase Stagnation", sagt Dörner. Die wachsende Nutzer­zahl und Internationalität von Facebook führte dann zur Verwaisung zahlloser StudiVZ-Accounts - die Platt­form ist aber noch online.

ICQ

Der Messenger ging 1996 an den Start und blieb in seiner Hoch­zeit mehr als 470 Millionen Nutzern welt­weit mit seinem einprägsamen "Uh-oh" beim Eingang neuer Chat-Nachrichten in den Ohren hängen. ICQ verpasste aber die aufkeimende Smartphone-Revolution und ist erst seit 2010 mobil nutzbar. Zusätzliche Konkurrenz kam mit diversen Social-Media-Angeboten.

Aber der Dienst ist nicht ganz in der Versenkung verschwunden: "ICQ illustriert sehr gut, dass im World Wide Web parallel verschiedene Nutzungs­kulturen bestehen, die sich geografisch oder sprachlich voneinander abgrenzen lassen", erklärt Crueger. Zwar sei ICQ aus unserer Wahr­nehmung verschwunden, in Russland aber stark geblieben und "sogar enorm prägend für die dortige Webkultur".

Napster

Die Startseite der Musiktauschbörse NapsterNapster existiert auch heute noch Machte ab 1999 das Musik-Filesharing völlig ungeachtet der Rechts­lage zu einem welt­umspannenden Phänomen und etablierte das Audio-Format MP3. "Kostenlose Musik­dateien nach Wunsch, mit diesem Angebot wurde Napster zwischen­zeitlich zur am schnellsten wachsenden Web-Community", erzählt Crueger. Kurz vor seinem Ende im Februar 2001 hatte der Dienst weltweit 80 Millionen Nutzer. "Doch Napster kostete der Musik­industrie immensen Umsatz, weshalb diese sich juristisch nach Kräften gegen den Dienst wehrte" - am Ende erfolg­reich. Nach der Insolvenz wurde der Marken­name mehrfach weiter­verkauft und wird heute von einem kosten­pflichtigen Musik-Streaming­dienst geführt.

Second Life

"Second Life war eine revolutionäre Idee, ein soziales Netzwerk in eine virtuelle Welt zu verlagern", sagt Lutter. Als 3D-Avatare bewegen sich die Nutzer durch virtuelle Welten. Das Angebot des US-Unternehmens Linden Lab ging 2003 online. Doch nach einem anfänglichen Hype war es schnell still um Second Life geworden. "Wahrscheinlich kam die Idee aber zu früh, die verbreitete Technologie wie Internet­band­breite und Grafik war noch nicht weit genug fort­geschritten, damit das Second Life dauerhaft für viele Menschen attraktiv gewesen wäre", so der Experte. Zwar ist das Netzwerk noch online, Nutzer­zahlen liegen aber nicht vor.

Geocities

"Geocities hat Privat­nutzern kostenlos Speicher­platz für eigene Homepages zur Verfügung gestellt, als es nur sehr wenige andere kostenlose oder für Privat­leute nutz- und bezahlbare Angebote dieser Art gab", sagt Lutter. Eine eigene Seite im Netz wurde mit dem Start des Angebotes 1994 auf einmal erschwinglich. Zwischen­zeitlich von Yahoo übernommen, wurde der Dienst 2009 eingestellt. Grund war vor allem die wachsende Konkurrenz. Denn plötzlich gab es unzählige Möglich­keiten, im Netz präsent zu sein, so der Experte. "Letztlich fehlten bei Geocities Innovationen, um die Nutzer zu halten, und eine Strategie, wie sich mit dem Dienst ausreichend Geld verdienen lässt."

Winamp

Der kostenlose, schlanke Musik- und Video-Player etablierte sich nach Erscheinen im Jahr 1997 rasch als Quasi-Standard. AOL wollte von dem Erfolg profitieren und kaufte das Unternehmen 1999. Neuere, immer überfrachtetere Winamp-Versionen brachten aber immer mehr Beschwerden - bis hin zur massenhaften Abwanderung der Nutzer. "Winamp wurde im Wesentlichen von zwei Software-Lösungen abgelöst: iTunes und VLC-Player", sagt Stephan Dörner. Ursprünglich sollte Winamp 2013 eingestellt werden, wurde jedoch nochmals verkauft. Auf neue Versionen wartet man aber bisher vergeblich.

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