Fernsehkonsum

Studie: Netflix hat lineare Fernsehsender überholt

Laut einer neuen Studie hat Netflix inzwi­schen alle linearen TV-Sender über­holt, was den Fern­sehkonsum angeht. Nur noch etwa die Hälfte der Sehzeit verbringen Zuschauer heute mit linearem Fern­sehen. Die ARD zwei­felt die Unter­suchungs­ergeb­nisse an.
Von / dpa
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Den TV-Sendern steht laut einer Studie angeb­lich ein wach­sender Schwund bei ihren Zuschau­erzahlen bevor. Nur noch etwa die Hälfte der Sehzeit (54 Prozent) verbringen Zuschauer demnach heute mit linearem Fern­sehen, ergab eine Studie der Bera­tungs­gesell­schaft Roland Berger und der West­fälischen Wilhelms-Univer­sität Münster (WWU).

Die Entwick­lung vom linearen TV zum Strea­ming werde sich in den kommenden Jahren deut­lich fort­setzen, prognos­tizieren die Autoren der Studie. Netflix habe in Sachen Sehzeit bereits die führende Posi­tion einge­nommen - und zwar nicht nur im Strea­ming-Markt. Dabei seien die klas­sischen TV-Sender schlecht gerüstet.

ARD meldet Zweifel an Studie an

Laut einer Studie nutzen mehr Zuschauer inzwischen Netflix als lineare TV-SenderLaut einer Studie nutzen mehr Zuschauer inzwischen Netflix als lineare TV-Sender In einer ersten Reak­tion meldete die ARD Zweifel an der Studie an: "Wesent­liche Aspekte der zugrun­delie­genden Unter­suchung werden nicht trans­parent gemacht", hieß es dort auf Anfrage. Dies gelte etwa für die metho­dischen Stan­dards zur Erhe­bung von Reich­weiten und Zeit­budgets. Auch die "sehr kurze Feld­zeit von nur zwei Wochen für 1571 Fälle" lasse «an der Aussa­gekraft der Ergeb­nisse zwei­feln", heißt es aus dem öffent­lich-recht­lichen Sender­verbund.

Weiterer Kritik­punkt: "Die Studie bean­sprucht nur für die Gruppe der 16- bis 69-Jährigen Gültig­keit. Ob sie zumin­dest für diese Gruppe reprä­sentativ ist, kann aufgrund der fehlenden Angaben gar nicht beur­teilt werden."

Eigene ARD/ZDF-Studie kommt zu anderen Ergeb­nissen

Gleich­zeitig verwies die ARD auf die erst kürz­lich veröf­fent­lichte Reprä­senta­tivstudie "ARD/ZDF-Massen­kommu­nika­tion Trends 2019" mit den Ergeb­nissen des renom­mierten Institut Kantar. Eine Kern­aussage lautet hier: In der Gesamt­bevöl­kerung macht lineares Fern­sehen den noch weit über­wiegenden Teil der Vide­onut­zungs­dauer aus. Der Anteil liegt hier bei 76 Prozent, wie die Unter­suchung besagt.

Der ZDF-Inten­dant und Vorsit­zende der ARD/ZDF-Medi­enkom­mission, Thomas Bellut, hatte Anfang September zum Thema gesagt: "Die aktu­ellen Ergeb­nisse bestä­tigen einmal mehr, dass wir den Nutze­rinnen und Nutzern auch im digi­talen Raum einen indi­vidu­ellen Zugang und auf sie zuge­schnit­tene Inhalte anbieten müssen. Wir sind dabei auf dem rich­tigen Weg, aber der Wett­bewerb mit den Strea­ming­diensten nimmt weiter zu. Wir arbeiten deshalb etwa auch daran, den Zugang zu unserer Media­thek auf den Fern­sehge­räten zu erleich­tern."

Netflix vor RTL, ZDF und ARD

Der neuen Studie von Roland Berger und WWU zufolge widmet das Gesamt­publikum 10,3 Prozent seines Zeit­budgets Netflix. Auf den Plätzen danach folgen mit ihren linearen und nicht­linearen Ange­boten RTL (10,0 Prozent), ZDF (9,8 Prozent) und ARD (8,8 Prozent), vor Amazon mit 8,7 Prozent.

Mit ihren eigenen Strea­ming-Ange­boten hätten die TV-Sender in Sachen Attrak­tivität bereits jetzt "den Anschluss verloren", sagte Niko Herborg, Medi­enex­perte bei Roland Berger. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass den Sendern in den kommenden zehn Jahren rund ein Drittel der Zuschau­erzeit und damit zwischen 4,5 und 8,8 Milli­arden Euro entgehen werden. In den vergan­genen zehn Jahren hätten die beiden großen privaten TV-Häuser Werbe­umsätze in Höhe von gut 50 Milli­arden Euro erwirt­schaftet.

Wie die Studie ergab, entfällt unter allen Zuschauern aktuell 54 Prozent des Zeit­budgets auf lineares Fern­sehen, 12 Prozent auf Pay-TV-Ange­bote, 24 Prozent auf kosten­pflich­tiges Strea­ming und 11 Prozent auf kosten­freies Strea­ming. Unter den jungen Zuschauern liegt der Anteil am Strea­ming bereits bei fast 60 Prozent.

Welche Neuheiten Netflix im Oktober im Gepäck hat, erfahren Sie in einer weiteren News.

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