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Vorwurf: Netflix kauft den Markt leer

Die deutsche TV-Industrie profitiert vom Boom im Bereich Video on Demand (VoD), so dass auf den Medientagen München sogar von einem neuen goldenen Zeitalter des Fernsehens die Rede war. Aber Sender und Produktionsfirmen werfen insbesondere Netflix vor, talentierte Autoren und Regisseure exklusiv zu binden und so den Markt leerzukaufen.
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Noch bevor die Diskussion anfing, platzte UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann der Kragen, denn zuvor durfte Kelly Luegenbiehl, Vice President Creative, International Originals bei Netflix, im Einzelgespräch darlegen, dass der VoD-Anbieter auch in Zu­kunft in den deutschen Markt investieren wolle und fünf weitere deutsche Originals plane, wie das historische Drama „Die Barbaren“ oder „Skyline“ über einen Hip-Hop-Produzenten in Frankfurt. Hofmann passte das Setup nicht. Es werde seiner Meinung nach der Eindruck erweckt, als habe erst Netflix den Markt für TV-Serien belebt. „Die Produktionslandschaft war auch vor Netflix schon lebendig“, wetterte der UFA-Chef auf den Medientagen und ergänzte, dass der Umsatzanteil, den UFA mit Netflix verdiene, lediglich bei fünf bis sechs Prozent läge.

Medientage Luegenbiehl Netflix
Netflix-Managerin Kelly Luegenbiehl kündigte auf den Medientagen München
fünf neue deutsche Originals an
Heike Hempel, stellvertretende Programmdirektorin und Leiterin der ZDF-Hauptredak­tion Fernsehfilm/Serie II, sprang Hofmann zur Seite: „Wir senden bereits seit 1963 Originals“, wehrte sich auch Hempel gegen den Eindruck, Netflix hätte den Markt für hochwertige TV-Inhalte quasi erfunden. Pro Jahr beauftrage das ZDF laut Hempel 150 TV-Filme und 300 Serienepisoden. „Und wir machen nicht nur Fernsehen für ein gebildetes, eher männliches Großstadtpublikum“, sagte Hempel. „Wir sind wieder in der Phase eines goldenen TV-Zeitalters.“ Dass diese Phase insbesondere durch US-amerikanische Serien, die Anbieter wie HBO, Netflix oder auch Amazon Prime Video nach Europa bringen, neuen Schwung erhielt, steht allerdings außer Frage.

Faire Bedingungen gefordert

Medientage TV-Gipfel Hofmann UFAUFA-Geschäftsführer Nico Hofmann wirft Netflix vor, Talente exklusiv an sich zu binden und so den Markt leerzukaufen Hofmann und Hempel sowie die anderen Teilnehmer der Diskussionsrunde zeigten sich hingegen offen für Kooperationen mit den VoD-Anbietern aus Übersee. Aller­dings wurde auch deutlich, wie sehr ihnen das Vorgehen Netflix‘ ein Dorn im Auge ist. Mit finanziell lukrativen Overall Deals locke der VoD-Anbieter junge Talente wie Autoren oder Regisseure in die Exklusivi­tät, lautet der Vorwurf. Netflix kaufe den Markt leer. „Wer sich in Deutschland nachhaltig engagieren will, muss in Talente investieren und sie nicht vom Markt wegkaufen“, wetterte UFA-Chef Hofmann. Hempel wies darauf hin, dass dem ZDF Projekte, die am Mainzer Lerchenberg entwickelt wurden, mit Mil­lionenangeboten weggeschnappt werden.

Insbesondere die ZDF-Managerin wies auf die Auf­bauarbeit junger Talente hin, die ihr Sender leiste. „Das ist unser höchstes Gut und das muss fair ausgehandelt werden“, sagte sie in München. Hofmann stieß ins gleiche Horn und forderte faire Bedingungen am Markt. „Es geht um den Erhalt der Vielfalt“, sagte der UFA-Chef. Ob sich Netflix von derlei Forderungen beeindrucken lässt, wird sich zeigen. Laut Kelly Luegenbiehl will sich der VoD-Anbieter jedenfalls langfristig im deutschen Markt enga­gieren. „Es gibt kein Limit für deutsche Originals“, sagte sie im Einzelgespräch auf den Medientagen. „Die deutschen Nutzer sollen sich sicher sein, dass sie auch in Zukunft auf Netflix deutsche Inhalte finden.“

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