Streaming-Geschäft

Negativtrend gestoppt: Netflix gewinnt wieder Nutzer dazu

Nach zwei Quar­talen mit Kunden­schwund galt Netflix bereits als Krisen­fall. Nun meldet der Video­dienst sich mit Wachstum zurück - und Seri­enhits wie "The Crown" sollen zum Jahres­ende für weiteren Zulauf von Nutzern sorgen. Die Aktio­näre sind erleich­tert.

Der Strea­ming-Gigant Netflix hat im dritten Quartal dank erfolg­rei­cher Serien wie "Stranger Things" und "Dahmer: Monster" zum Nutzer­wachstum zurück­gefunden. Im Vier­tel­jahr bis Ende September verbuchte das Unter­nehmen unterm Strich 2,4 Millionen neue Bezahl­abos, wie es am Dienstag nach US-Börsen­schluss mitteilte.

Damit erreichte Netflix im Jahres­ver­gleich einen Kunden­zuwachs von 4,5 Prozent und über­traf sowohl die eigene Prognose von rund einer Million neuen Nutzern als auch die des Finanz­markts deut­lich. Die Aktie machte nach­börs­lich einen Kurs­sprung von über 14 Prozent. Netflix meldet sich mit Wachstum zurück Netflix meldet sich mit Wachstum zurück
Bild: picture alliance/dpa/AP | Jenny Kane
"Gott sei Dank haben wir die Quar­tale mit Rück­gängen hinter uns", sagte Netflix-Chef Reed Hastings mit Blick auf den Kunden­schwund in der ersten Jahres­hälfte. "Wir glauben, dass wir auf dem Weg sind, das Wachstum wieder zu beschleu­nigen", hieß es im Brief an die Aktio­näre.

Netflix mit 223 Millionen Nutzer­konten

Zum Quar­tals­ende brachte Netflix es welt­weit auf insge­samt gut 223 Millionen Nutzer­konten. Das Unter­nehmen geht bis zum Jahres­wechsel von weiteren 4,5 Millionen neuen Kunden aus. Der Nega­tiv­trend ist also zunächst beendet. An das Wachstum vergan­gener Zeiten kommt der unter Konkur­renz­druck von Rivalen wie Disney+, Hulu und HBO stehende Strea­ming-Anbieter aber noch nicht wieder heran. Zum Vergleich: Im Schluss­quartal 2021 gewann Netflix 8,3 Millionen neue Nutzer hinzu.

Große Hoff­nung setzt das Unter­nehmen zum Jahres­ende auf die fünfte Staffel seiner Hitserie "The Crown" über die briti­sche Royal Family. Um sich im scharfen Wett­bewerb zu behaupten, nimmt Netflix viel Geld für Produk­tionen und Marke­ting in die Hand. So fiel der Netto­gewinn im jüngsten Quartal gegen­über dem Vorjah­res­zeit­raum um rund 3,5 Prozent auf 1,40 Milli­arden Dollar (1,42 Mrd Euro). Im laufenden Vier­tel­jahr wird nur ein Ergebnis von 163 Millionen Dollar erwartet.

Inves­titionen scheinen sich auszu­zahlen

Nicht nur die Nutzer­zahlen und der Geschäfts­aus­blick über­raschten positiv, auch beim Umsatz über­traf Netflix mit einem Zuwachs um 6 Prozent auf 7,9 Milli­arden Dollar die Markt­erwar­tungen. Für das laufende Quartal aller­dings geht das Unter­nehmen von einem leichten Rück­gang der Erlöse aus. Grund sei jedoch allein der starke US-Dollar, der Auslands­ein­nahmen nach Umrech­nung in US-Währung schmä­lert.

Netflix leis­tete sich im Geschäfts­bericht diesmal auch einen unge­wohnten Seiten­hieb an seine Rivalen, die bei der Jagd nach Markt­anteilen im Strea­ming-Geschäft mitunter tief­rote Zahlen in Kauf nehmen: "Wir schätzen, dass sie alle Geld verlieren." Insge­samt dürften der versam­melten Konkur­renz 2022 opera­tive Verluste von deut­lich mehr als 10 Milli­arden Dollar entstehen, während Netflix für sich selbst einen Betriebs­gewinn von 5 bis 6 Milli­arden erwarte.

"Unsere Wett­bewerber inves­tieren kräftig, um ihr Abon­nenten-Wachstum und -Enga­gement anzu­treiben, doch ein großes und erfolg­rei­ches Strea­ming-Geschäft aufzu­bauen, ist hart", erklärte der lang­jäh­rige Markt­führer. Doch Netflix hat genug eigene Baustellen. Um das Wachstum wieder richtig anzu­schieben, startet das Unter­nehmen im November ein güns­tigeres Abo mit Werbung. Zudem soll im kommenden Jahr entschieden gegen die uner­laubte Mehr­fach­nut­zung von Kunden­konten durch das Teilen von Pass­wör­tern vorge­gangen werden.

In einer weiteren Meldung geht es um die Über­tra­gung eines Netflix-Profils zu einem anderen Konto.

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