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Navigation: Muss es ein extra Gerät sein?

In vielen Autos ist ein Navi längst Stan­dard. Doch geht es etwa um Sonder­wün­sche wie Camping­routen oder Offroad-Pisten, geraten viele Basis-Navis an ihre Grenzen. Dann müssen Spezia­listen her.

Wer selten in Groß­städten und Ballungs­gebieten unter­wegs ist, erlebt manche unlieb­same Über­raschung, wenn er diese Regionen doch einmal ansteuert. Stau ist nur eine Unbill. Wer etwa mit einem Wohn­mobil unter­wegs ist, muss auch Brücken, Tunnel oder einge­schränkte Innen­stadt­bereiche fürchten.

Umfahren lassen sich Staus und andere Hinder­nisse mit guten Navi­gati­ons­geräten. "Voraus­set­zung ist, dass die Navis mit Echt­zeit-Verkehrs­daten arbeiten, denn nur dann kann das System einem auch recht­zeitig eine sinn­volle Ersatz­route vorschlagen", sagt Holger Ippen von der "Auto Zeitung". Das jedoch leisten vor allem ältere Navi­gati­ons­geräte nicht, unab­hängig davon, ob sie fest einge­baut sind oder nicht.

Smart­phone als Navi mitt­ler­weile über­legen

Bestenfalls sollten Navigationsgeräte Zugriff auf Live-Daten haben Bestenfalls sollten Navigationsgeräte Zugriff auf Live-Daten haben
Bild: Image licensed by Ingram Image
Klas­sische Zusatz­navis für die Wind­schutz­scheibe haben Ippen zufolge für Pkws daher kaum noch eine Bedeu­tung. "Der Daten­bestand ist oft veraltet und wenn sie ein Update benö­tigen, müssen sie meist umständ­lich an einen PC ange­schlossen werden", sagt Ippen. Ein Smart­phone beispiels­weise ist den Saug­napf-Geräten hier deut­lich über­legen. Wer sein Mobil­telefon dann noch mit dem Enter­tain­ment­system des Autos koppeln kann, bekommt Karte und Anwei­sungen auch bequem auf dem großen Bild­schirm ange­zeigt.

Smart­phones können viel, aber ...

Einschrän­kungen aber gibt es auch bei dieser Lösung. "Bei Apple Carplay oder Android Auto ist die Navi­gati­ons­funk­tion deut­lich aktu­eller und schneller als bei karten­basierten, fest einge­bauten Geräten. Dafür jedoch funk­tio­niert beispiels­weise die Sprach­steue­rung über Apple Siri nicht ohne Weiteres über die Bedien­tasten im Fahr­zeug", meint Gerrit Reichel vom Auto­mobil-Club Verkehr (ACV).

Zudem könne es passieren, dass eine aktu­elle Routen­füh­rung genau in dem Moment durch ein Tele­fon­gespräch unter­bro­chen wird, wo man sich gerade einer großen Kreu­zung nähert. Wer das Smart­phone nutzt, muss zudem früher oder später zum Kabel greifen, denn die Routen­füh­rung via Handy frisst reich­lich Strom.

Geht es jedoch um ganz spezi­elle Anwen­dungen, kommen zusätz­liche Navis für die Wind­schutz­scheibe immer noch zum Einsatz, etwa bei Camping­fahr­zeugen. "Bei Navi­gati­ons­geräten für Wohn­mobile oder Wohn­wagen kann man beispiels­weise vorab die Fahr­zeug­daten wie Höhe, Breite und Länge eingeben. Das System leitet einen dann nur über Straßen, die diese Anfor­derungen erfüllen", sagt Marc Dreck­meier vom Cara­vaning Indus­trie Verband (CIVD). So ließen sich unlieb­same Über­raschungen in fremden Städten verhin­dern.

Spezial-Navis wissen mehr

Ein weiterer Vorteil der spezi­ellen Navis seien Zusatz­infor­mationen. "Die Systeme kennen auch Points of Inte­rest, wie etwa große Park­plätze am Stadt­rand oder auch Camping­plätze", sagt Dreck­meier. In den meisten Fällen fehlten aber noch Echt­zeit­daten, etwa für die Bele­gung eines Stell­platzes. "Hier arbeitet die Branche aber bereits an Lösungen, denn die Erwar­tungs­hal­tung seitens der Nutzer ist hoch, nicht zuletzt durch die Möglich­keiten, die Smart­phones inzwi­schen bieten", meint Dreck­meier.

Während bei neueren Wohn­mobilen Navis mit entspre­chenden Funk­tionen bereits ab Werk gelie­fert werden können, sind Zusatz­geräte für ältere Fahr­zeuge ein echter Mehr­wert, vor allem wenn sie weitere Features bieten. "Es gibt Geräte, an die auch eine Rück­fahr­kamera ange­schlossen werden kann", sagt Dreck­meier. "Der Navi-Bild­schirm lässt sich so auch dafür nutzen." Bei Bild­schirm­größen zwischen fünf und sieben Zoll könnten einige Modelle durch inte­grierte DVB-T-Receiver zudem als Fern­seher verwendet werden.

Für Camping oder Offroad

Beson­dere Navi-Funk­tionen gibt es aber nicht nur für Camping-Freunde. Auch Offroad-Enthu­siasten können davon profi­tieren. "Einige Anbieter haben neben dem normalen Stra­ßen­netz auch unbe­fes­tigte Wege im Verzeichnis. Entspre­chend der Größe und des Gewichts des Autos kann man sich dann bestimmte Parcours aussu­chen und abfahren", sagt Holger Ippen. Diese Navis würden zusätz­lich mit Satel­liten­bil­dern und Höhen­pro­filen arbeiten.

Aber auch ganz normale Pkws lassen sich per Extra-Navi mit Spezi­alfunk­tion aufrüsten: "Einige nach­rüst­bare Navi­gati­ons­geräte sind mit einer Front­kamera ausge­stattet, darüber sind dann Funk­tionen wie eine Dashcam, ein Abstands­warner oder auch ein Spur­hal­teas­sis­tent möglich", erklärt Ippen.

Mit den werk­seitig verbauten Assis­tenz­sys­temen könnten Navi-Lösungen zwar nicht mithalten, Fahr­zeugen ohne solche Systeme brächten sie aber einen guten Mehr­wert. Ein Navi ohne Spezi­alfunk­tionen eigne sich vor allem für ältere Autos. Aber auch hier gelte: Nur ein Gerät mit Live-Daten kaufen.

Kosten im Blick behalten

Bei der Frage, ob bei notwen­digen Zusatz­funk­tionen das inte­grierte Navi, das Smart­phone oder ein Extra­gerät die beste Lösung ist, sollte man immer auch die Kosten betrachten. Lässt sich das inte­grierte Navi aufrüsten, werden für das Karten-Update nicht selten 100 bis 200 Euro fällig. Aber: "Arbeitet das Gerät dann nicht einmal mit Echt­zeit­daten, fehlen wich­tige Funk­tionen", warnt Ippen.

Smart­phone-Lösungen hingegen seien meis­tens kostenlos und bieten Live-Daten. Und wer solche Lösungen mit einem Tablet nutzt, elimi­niere auch den etwa­igen Nach­teil eines klei­neren Bild­schirms. Sowohl fürs Smart­phone als auch fürs Tablet muss man aber noch den Kauf einer Halte­rung einkal­kulieren.

In einer weiteren Meldung geht es um das Thema: Android Auto: Messa­ging-Feature-Update verfügbar.

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