GPS-Alternativen

Die GPS-Alternativen Galileo, GLONASS und Beidou

Bis vor einiger Zeit war satellitengestützte Navigation gleichbedeutend mit dem ameri­kanischen System GPS. Doch die EU, Russland und China sind dabei, eigene Satelliten­systeme zu etablieren.
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Globale Navigationssatelliten­systeme (GNSS) waren bis vor einiger Zeit synonym mit dem Namen GPS, dem US-amerika­nischen System für eine weltweite Positions­bestimmung. Doch verschiedene Konkurrenten - aus der EU, Russland und China - bauen vergleichbare Satelliten-Netzwerke auf. Nach einigen Rückschlägen geht es nun in großen Schritten voran, wobei die EU hierbei das Schlusslicht bildet. Wir zeigen Ihnen, wie es um die alternativen Satelliten­systeme bestellt ist.

Galileo: EU-Projekt kommt langsam voran

Umlaufbahnen der Galileo-SatellitenUmlaufbahnen der Galileo-Satelliten Das Satelliten­system Galileo war von Anfang an umstritten. Auf der einen Seite verteidigen die Befürworter das europäische Großprojekt als ein für die Wirtschaft und Forschung der EU notwendiges Vorhaben, welches das amerikanische GPS ergänzen und verbessern könne. Andererseits kritisieren die Gegner, Galileo sei ein reines "Prestige­projekt" der Politik, das Milliarden­summen verschlinge und zudem überflüssig sei, da mit GPS ein funktionierendes und kostenloses System existiere.

Das Jahr 2007 markierte die schwerste Krise für Galileo. Nach langjährigen Kompetenz-Streitigkeiten waren Verhandlungen zwischen der EU und der Industrie gescheitert und das Aus des ambitionierten Projektes stand kurz bevor. Die EU beschloss daraufhin, Galileo mit Steuer-Milliarden zu retten und den Aufbau des Systems unter öffentlicher Regie voranzutreiben. Schwerwiegende, technische Komplikationen bei den Satellitenstarts allen voran im Jahr 2014 führten zusätzlich zu erheblichen Verzögerungen. Seit Mai 2016 befinden sich nunmehr 14 Galileo-Satelliten im All.

Trennung der Galileo-Satelliten 5 und 6 von der Endstufe einer Sojus-RaketeTrennung der Galileo-Satelliten 5 und 6 von der Endstufe einer Sojus-Rakete Dennoch hinkt der geplante Start des Regelbetriebs deutlich dem ursprünglichen Zeitplan hinterher und ist nicht vor 2020 angesetzt - dann sollen 27 Satelliten den Betrieb gewährleisten, ergänzt durch drei Reservesatelliten im Orbit. Im Gegensatz zu allen anderen Alternativsystemen ist Galileo das einzige GNSS unter ziviler Kontrolle, auch wenn eine militärische Nutzung im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) seit 2008 vorgesehen ist. Verschiedenen Medienberichten zufolge wird das Satelliten-Navigations­system in Zukunft eine präzisere Positions­bestim­mung als GPS für die zivile Nutzung ermöglichen und weniger störungsanfällig sein. Zudem ist Galileo künftig mit GPS und Glonass kompatibel, was eine hohe Präzision und weltweite Verfügbarkeit entsprechender Dienste gewährleisten soll - es werden daher keine neuen Empfangsgeräte benötigt, eventuell ist allerdings ein Firmware-Update erforderlich. Mittlerweile sind bereits einige wenige Galileo-kompatible Smartphones auf dem Markt, zum Beispiel das Archos 50 Diamond, das BQ Aquaris X5 Plus und das TP-LINK Neffos X1.

GLONASS seit 2011 für zivile Nutzung geöffnet

Glonass-K Satellit Glonass-K Satellit Zurzeit bildet GLONASS die einzige, funktionierende Alternative zu GPS. Zunächst ausschließlich für den militärischen Einsatz vorgesehen, ist das russische Satelliten-Netzwerk seit Dezember 2011 ebenso für die zivile Nutzung geöffnet. Geleitet vom russischen Verteidigungs­ministerium und durchgeführt von der Weltraum­organisation Roskosmos kam es jedoch zwischenzeitlich auch bei GLONASS zu folgenreichen technischen Zwischenfällen, wodurch die Funktionsfähigkeit des Ortungssystems beeinträchtigt wurde. So sind sowohl 2010 als auch 2013 mehrere Satelliten unmittelbar nach dem Start in Rauch aufgegangen.

Gegenüber GPS bietet das russische Pendant durch die Ausrichtung der Satelliten vor allem in nördlichen Breitengraden eine bessere Positionsbestimmung, da das Satelliten-Netzwerk in erster Linie für die russischen Landgebiete konzipiert wurde. Mit einer angestrebten Gesamtzahl von 30 Satelliten ist das System jedoch weltweit einsetzbar und bietet vor allem in Kombination mit GPS eine Aufwertung für Smartphones und Navigations-Geräte.

Montage eines Glonass-Satelliten auf eine Proton-M-Trägerrakete (2010)Montage eines Glonass-Satelliten auf eine Proton-M-Trägerrakete (2010) Seit dem iPhone 4S und dem Motorola Droid RAZR gehört ein GLONASS-fähiger Chip zur Ausstattung hochklassiger Smartphones. Doch auch aktuelle Mittelklasse-Handys sind oft in der Lage auf beide Navigationssysteme zurückzugreifen. Sofern das Empfangsgerät sowohl die GLONASS- als auch die GPS-Signale auswerten kann, ergänzen sich beide Systeme in der Ortung, wodurch eine höhere Präzision erreicht wird. Aktuelle Smartphones mit GLONASS-Empfang finden Sie auch mit unserer Handy-Datenbank-Suche.

Smartphones mit GLONASS-Unterstützung

Beidou: Auch China baut eigenes Satellitensystem aus

China arbeitet seit 2007 an einem eigenen globalen Satelliten­system für Navigation, Ortung und Zeitmessung namens Beidou. Das in der Projektentwicklungsphase bis 2012 auch Compass genannte System soll China vom US-amerikanischen GPS unabhängig machen. Im Gegensatz zu GPS, GLONASS und Galileo werden für Beidou auch geostationäre Satelliten eingesetzt. Beidou ist zunächst für die zivile Nutzung nur im asiatisch-pazifischen Raum freigeschaltet und soll ab 2020 weltweit verfügbar sein. Mitte 2015 hatten die Asiaten bereits 19 und damit mehr als die Hälfte der insgesamt 35 geplanten Satelliten in den Orbit gebracht.

Schon 2013 setzte Qualcomm mit seiner Software-Entwicklung Qualcomm IZat Location Solutions auch auf das Satellitensystem Beidou und kooperierte dabei mit dem Smartphone-Hersteller Samsung. Inzwischen gibt es viele weitere Smartphones mit Beidou-fähigem Chip, bei der Auswahl hilft Ihnen unsere Handy-Datenbank-Suche.

Smartphones mit BEIDOU-Unterstützung

Hatte sich China ursprünglich noch mit 280 Millionen Euro an dem europäischen Satellitensystem Galileo beteiligt, kam 2007 der Ausstieg. Mit dem Aufbau eines eigenen Satellitensystems begann der Streit mit der EU um die Nutzung von Frequenzen. Die EU hatte aufgrund von Verzögerungen das offizielle Erstnutzerrecht verstreichen lassen. So werden Beidou-Satelliten voraussichtlich zum Teil auf denselben Frequenzbändern funken wie Galileo. Nach Expertenmeinung könnte dies ein Versuch Chinas sein, das eigene Satellitensystem vor Angriffen zu schützen. Zudem werden Funkstörungen und Funktionseinschränkungen im Galileo-Satellitensystem befürchtet. Verbindliche Ergebnisse und Lösungen sind auch nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen den Parteien noch nicht in Sicht.

Laut Presseberichten will Indien - ebenfalls im Wettlauf mit China - sein bisher nur regional operierendes Satellitensystem IRNSS (Indian Regional Navigation Satellite System) zunächst den Nachbarstaaten öffnen, in Zukunft aber unter dem Namen GINS (Global Indian Navigation Satellite) ein eigenes unabhängiges globales Navigationssystem aufbauen.

Starke Konkurrenz für GPS in den kommenden Jahren

Die GPS-Alternativen Galileo, GLONASS und BeidouGPS-Alternativen: Galileo, GLONASS und Beidou Mit Galileo, GLONASS und Beidou sind in den nächsten Jahren somit höchst­wahr­scheinlich bis zu drei Konkurrenz­systeme für das amerikanische GPS verfügbar. Bei Galileo und Beidou werden voraussicht­lich noch einige Jahre vergehen, bis sie vollständig einsatz­bereit sind. GLONASS ist bereits funktions­fähig und es kommen immer mehr Geräte auf den Markt, welche die russische Alternative unter­stützen. Es bleibt also spannend, wie lange das amerikanische GPS seine Stellung als das weltweit vorherrschende Satelliten­system für Positions­bestimmung und Navigation halten kann.

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