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National Roaming: Pläne aus Großbritannien ein Modell für Deutschland?

Großbritannien könnte bald National Roaming verpflichtend vorschreiben. Das Ziel: Bessere Netzversorgung auf dem Land. Die Mobilfunkanbieter kritisieren diesen Vorschlag. Premierminister David Cameron hat ganz persönliche Erfahrungen mit den britischen Netzen.
Von Hans-Georg Kluge
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David Cameron kann sich mit der Netzabdeckung auf dem britischen Land nicht anfreunden.David Cameron kann sich mit der Netzabdeckung auf dem britischen Land nicht anfreunden. In Großbritannien könnte bald Realität werden, was in Deutschland einst war: National Roaming. Wie Heise Online unter Berufung auf BBC Online berichtet, fordern britische Politiker, die Anbieter zu verpflichten, in ländlichen Gebieten National Roaming anzubieten. Insidern zufolge könnten bestehende gesetzliche Regelungen ausreichen, um die Netzbetreiber zu zwingen, auf dem Land die Infrastruktur zu teilen.

Britische Netzbetreiber laufen Sturm gegen diese Pläne. Wenn die Konkurrenz mit dem kostspieligen Ausbau gleichzeitig Zugriff auf die Sendemasten erhielte, würge eine solche Regelung Bemühungen ab, die Mobilfunknetze auf dem Land auszubauen. Auch könnten die Verbraucher am Ende die Verlierer sein, denn anfallende Kosten könnten auf die Kunden umgelegt werden.

Der zuständige Minister, Sajid Javid sagte, die Regierung suche nach Wegen, die Netzabdeckung in ländlichen Regionen zu verbessern. Dem BBC-Bericht zufolge seien in manchen Regionen nur ein oder zwei Mobilfunknetze ausreichend ausgebaut.

Heise Online zufolge habe sich auch Premierminister David Cameron kritisch zur Netzabdeckung auf dem Land gezeigt. In einem Interview beklagte er sich, er habe sogar seinen Urlaub abbrechen müssen, weil er vor Ort nicht genügend Netz hatte, um wichtige Telefonate zu führen.

o2 beendete Inlands-Roaming erst Anfang 2010

Zur Erinnerung: Beim Start des damaligen Viag-Interkom-Netzes in Deutschland konnte der Anbieter noch keine flächendeckende Netzabdeckung gewährleisten. Stattdessen konnten sich Kunden zunächst über eine Roaming-Vereinbarung mit der Swisscom ins Netz der Telekom einbuchen. Später handelten Viag Interkom und die Deutsche Telekom ein direktes Abkommen aus. In Gegenden, die Viag Interkom - später o2 - gut versorgt sah, wurde das National Roaming sukzessive abgeschaltet. Bis Anfang 2010 gab es noch kleine Roaming-Inseln, in denen Inlands-Roaming möglich war.

In Deutschland wird der Netzausbau häufig durch Versorgungsauflagen der BNetzA während Frequenzversteigerungen forciert. Könnte National Roaming auch in Deutschland ein Modell sein, um die Netzversorgung auf dem Land zu verbessern? Diskutieren Sie darüber mit unseren Lesern im Forum unter dieser Meldung.

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