Test

Motorola One Zoom im Test: Gut, aber nicht herausragend

Moto­rola will mit dem One Zoom Ober­klasse-Technik zum Mittel­klasse-Preis bieten. Unser Test zeigt: Das gelingt leider nicht auf allen Gebieten.
AAA
Teilen (3)

Immer weniger Menschen sind bereit, einen Tausender oder mehr für ein Smart­phone auf den Tisch zu legen. Statt­dessen entscheiden sie sich zuneh­mend häufiger für im wahrsten Sinn des Wortes preis­werte Handys: Smart­phones, die viel Technik fürs Geld bieten.

Unter­nehmen wie Xiaomi oder auch Huawei haben dabei den Vorreiter gespielt. Moto­rola will nun mit dem One Zoom nach­ziehen. Das neue Smart­phone bietet zumin­dest auf dem Papier Ober­klasse-Funk­tionen zum Mittel­klasse-Preis. High­light ist die Kamera mit Weit­winkel, Ultra­weit­winkel und Tele­objektiv und Tiefen­sensor. Das auf der IFA vorge­stellte Handy ist jetzt wenige Tage nach der Messe für 429 Euro im Handel zu haben. Die Frage ist: Kann auch Moto­rola preis­wert? Unser Test gibt die Antwort.

Motorola One Zoom
Motorola One Zoom

Der erste Eindruck

Moto­rola One Zoom ist nicht unbe­dingt eine Schön­heit. Die Front wirkt ein biss­chen altba­cken und wenig extra­vagant, die Tropfen-Notch für die 25 Mega­pixel-Front­kamera ist für unseren Geschmack ein biss­chen groß ausge­fallen und stört uns am oberen Rand des Displays.

Die Rück­seite sieht nach gebürs­tetem Metall aus, was durchaus edel wirkt. In der Praxis wird die aber wohl fast immer unter der beilie­genden Plastik-Schutz­hülle verschwinden, was dann nicht mehr ganz so attraktiv ausschaut.

Das Kamera-Setup auf der Rück­seite sieht, wie böse Zungen behaupten, ein biss­chen wie ein Ceran­feld am Herd aus. Darunter gibt es das leuch­tende Marken­zeichen von Moto­rola, den soge­nannten "Batwing". Er wird zu Signa­lisie­rungen einge­setzt – ganz wie bei Batman auch.

Das Display des Zoom zeigt nur  geringe Blickwinkelabhängigkeiten
Das Display des Zoom zeigt nur geringe Blickwinkelabhängigkeiten
Laut­stär­kewippe und Ein/Ausschalter befinden sich auf der rechten Seite, an der Unter­kante gibt es eine USB-C-Buchse und dankens­werter­weise auch eine für den Klin­kenste­cker.

Mit 190 Gramm ist das Gerät kein Leicht­gewicht und es gibt durchaus auch weniger schwere Modelle auf dem Markt. Doch das Moto­rola ist mit 158 mm x 75 mm x 8,8 mm weder unhand­lich noch fühlt es sich plump an. Der Rahmen aus Alumi­nium gibt dem Smart­phone die nötige Steif­heit. Kleiner Schön­heits­fehler: Bei unserem Test­gerät war die Naht zwischen Rahmen und Batte­riede­ckel deut­lich zu spüren. Sie wirkte dabei etwas scharf­kantig.

Gut: Der Einschub für SIM-Karten bezie­hungs­weise SD-Karte ist nicht einfach ein dürrer Plas­tikrahmen, sondern ist ausge­führt wie eine rich­tige Schub­lade mit Boden. Das macht das Einlegen der Karten sehr viel einfa­cher.

Der SIM-Karteneinschub ist wie eine Schublade gebaut
Der SIM-Karteneinschub ist wie eine Schublade gebaut

Display

Das Display hat eine Diago­nale von 6,4 Zoll im Foto-freund­lichen 19:9-Format. Es löst mit 1080 x 2340 Pixel auf (HD+), was eine Pixel­dichte von 403 ppi ergibt. Moto­rola hat dem Zoom ein OLED spen­diert, was beson­ders kräf­tige Farben bedeutet. Über die Einstel­lungen lässt sich die Farb­wieder­gabe beein­flussen. Drei Stufen stehen zur Auswahl: Natür­lich, verstärkt und gesät­tigt. Letz­teres dürfte für viele Augen eine Schippe zu viel zu sein. Aber das ist durchaus Geschmacks­sache. Mit 472 cd/m² ist das Display nicht über­mäßig hell, es ist aber für die meisten Situa­tionen hell genug.

Wie bei allen OLED gibt es nur eine mini­male Blick­winkel­abhän­gigkeit. Nur bei sehr großen Kipp­winkeln verdun­kelt es sich sichtbar, die Farben bleiben aber weit­gehend unbe­einflusst. Wie bereits ange­deutet gibt es eine Tropfen-Notch, die sich in der oberen Hälfte des Displays ziem­lich breit macht. Da hätten wir uns eine dezen­tere Lösung gewünscht

Soft­ware, Perfor­mance, Akku und Klang

Obwohl das neue Moto­rola das "One" im Namen trägt, ist es kein Android-One-Gerät. Statt­dessen läuft das Zoom mit Android Pie. Rein optisch macht das kaum einen Unter­schied. Das Betriebs­system unter­scheidet sich nur wenig vom Stock Android. Auffal­lendste Ände­rung ist die Moto-App, hinter der sich einige Bedie­nungs­erleich­terungen verbergen. So lässt sich hier etwa eine Ein-Tasten­steue­rung akti­vieren. Oder auch die Funk­tion „schnelle Taschen­lampe“, die mit einer doppelten Hack­bewe­gung die LED einschaltet. Wer möchte, kann eine Viel­zahl weiterer Gesten­steue­rungen und Short­cuts über die App akti­vieren. Ein biss­chen versteckt findet sich auch noch eine nost­algi­sche Radio-App.

Das Betriebssystem ist sehr nahe am Stock-Android
Das Betriebssystem ist sehr nahe am Stock-Android

Perfor­mance

Als Prozessor werkelt ein Qual­comm Snap­dragon 675 unter­stützt durch 4 GB Arbeits­spei­cher. Als Massen­spei­cher stehen 128 GB zur Verfü­gung, die durch eine SD-Karte ergänzt werden können. Dann entfällt aber die Option auf eine zweite SIM-Karte.

In den Bench­marks zieht sich der Prozessor halb­wegs achtbar aus der Affäre. Die Werte im Geek­bench liegen auf vergleich­barem Niveau mit dem Huawei P20 Pro, Honor View 10 oder auch dem Google Pixel 2. Wobei die Single-Core-Ergeb­nisse durch die Bank besser sind, als bei den Konkur­renz­modellen, die aber auch schon ein paar Tage auf dem Buckel haben. Auch wenn die Leis­tung für den Alltag meist voll­kommen ausreicht: Für ein Ober­klasse-Handy dürfte es schon ein biss­chen mehr Rechen­power sein. Das One Zoom muss hier deshalb deut­liche Punkt­abschläge hinnehmen.

Akku

Das Zoom hat auch eine Klinkenbuchse
Das Zoom hat auch eine Klinkenbuchse
Der Akku hat eine Kapa­zität von 4000 mAh und trägt sicher auch nicht ganz uner­heblich zum Gewicht des Moto­rola bei. Im Test schaffte er es, 8 Stunden und 23 Minuten durch­zuhalten. Das ist für die Akku­größe viel­leicht ein biss­chen enttäu­schend, auch wenn das Moto­rola im Nutzungsmix damit locker über den Tag kommt. Und auch Spit­zenmo­delle haben manchmal nicht mehr Ausdauer. So kommt das Samsung Galaxy S10+ auch nur auf 8 Stunden 33 Minuten.

Sound

Motorola One Zoom
Der Sound des Moto­rola ist unta­delig. Beim Tele­fonieren klingen die Stimmen auf beiden Seiten sehr natür­lich und rund. Auch der Klang des Frei­spre­chers ist gefällig, die Gespräche sind gut verständ­lich. Das Moto­rola eignet sich auch als MP3-Player. Der Mono­laut­spre­cher ist zwar nicht Hi-Fi-taug­lich, aber für zwischen­durch mal ein biss­chen Musik in der Küche zu hören, durchaus geeignet. Besser wird der Klang, wenn ein hoch­wertiger Kopf­hörer an die Klin­kenbuchse ange­schlossen wird. Auch dann ist er noch nicht wirk­lich Spit­zenklasse, macht aber durchaus Spaß.

Kamera und Fazit

Die vier­fach-Kamera des Zoom macht bei gutem Licht sehr ansehn­liche Fotos. Unsere Test­fotos zeigen eine klar gezeich­nete Rose mit vielen Details und schönen Licht­reflexen, die Farb­quadrate sind scharf umrissen und zeigen nur ein leichtes Farb­rauschen.

Schwierig er wird es bei Dunkel­heit und in der Dämme­rung. Unserer Rose fehlen nun plötz­lich alle Details. Das Bild wirkt verwa­schen und auch unscharf. In der Praxis scheint die Kamera bei schlechtem Licht oft nicht richtig scharf­zustellen. Bilder sehen zudem bisweilen blass aus, wie über­belichtet.

Quadkamera und Batwing
Quadkamera und Batwing
Der Nacht­modus hingegen, der übri­gens nicht mit dem Zoom-Objektiv funk­tioniert, tut bisweilen des Guten zu viel. Er über­zeichnet die Details und hat oft auch kein beson­ders gutes Händ­chen bei der Farb­wieder­gabe. Die Bilder wirken dadurch ziem­lich drama­tisch und es zeigen sich bei genauem Hinschauen auch Arte­fakte.

Die Test­fotos der Haupt­kamera haben für Sie im Original ange­hängt, damit Sie sich selbst ein Bild machen können.

Auch die Selfie-Kamera macht die besten Bilder, wenn die Licht­verhält­nisse stimmen. Dann sind Detail- und Farb­wieder­gabe exzel­lent, selbst kleinste Details werden bei unserem "Foto­modell" sichtbar. Bei schlech­terem Licht und Blitz bleiben die hellen Gesichts­teile weiterhin gut sichtbar, nur die dunklen Haare versinken zum Teil im Indif­ferenten. Die Farb­wieder­gabe bleibt aber gut. Was für die Bilder gilt, gilt über­tragen auch bei den Videos: Film­aufnahmen im Hellen sind sehr gut, im Dunkeln wirken sie verrauscht, Schwenks ruckeln, zudem sind deut­liche Licht­höfe auf Lampen und Schein­werfern zu sehen.
Sichtbare Artefakte  im Nachtsichtmodus
Sichtbare Artefakte im Nachtsichtmodus
Die Bedie­nung hingegen ist sehr einfach. Auf der obersten Ebene gibt es eine Art Shortcut, der über das Menü mit einer Funk­tion belegt werden kann, etwa für die Nacht­sicht­funk­tion. Auch zwischen den drei Brenn­weiten wird per Knopf­druck umge­schaltet. Wer mag, kann die Kamera auch mit manu­ellen Einstel­lungen nutzen. Der entspre­chende Button zur Anwahl ist aber im Kopf-Menü versteckt. Dort lässt sich auch auswählen, ob die Bilder im RAW-Format (DNG) abge­spei­chert werden sollen.

Fazit

Das Moto­rola One Zoom ist ein eher unauf­fälliges Smart­phone, das sich bis auf die mäßigen Nacht­sicht­quali­täten der Kamera und dem etwas schwach­brüs­tigen Prozessor kaum Schwä­chen leistet. Insge­samt bewegen sich die Leis­tungen im geho­benen Mittel­feld. Gut gefallen hat uns der Klang beim Tele­fonieren und die strin­gente Benut­zerfüh­rung. Der Preis geht damit in Ordnung.

Wer sich für das Moto­rola One Zoom inter­essiert, sollte sich aber viel­leicht auch noch ein paar Konkur­renz­produkte anschauen, wie etwa das Xiaomi Mi 9.


teltarif.de Motorola One Zoom

Gesamtwertung von teltarif.de
Motorola One Zoom

PRO
  • Guter Telefonie-Sound
  • Kamera-Leistung bei Tag
  • OLED-Display
CONTRA
  • Kameraleistung bei Nacht
  • Akkulaufzeit nur mittelmäßig
  • Wenig aufregendes Design
Testzeitpunkt:
09/2019
Motorola One Zoom
Testurteil
gut (2,0)
Teilen (3)

Einzelwertung Motorola One Zoom

Motorola One Zoom
Gesamtwertung
gut (2,0)
80 %
  • Gehäuse / Verarbeitung 9/10
    • Material 9/10
    • Haptik 9/10
    • Verarbeitung Gehäuse 9/10
  • Display 8/10
    • Touchscreen 10/10
    • Helligkeit 8/10
    • Pixeldichte 5/10
    • Blickwinkelstabilität 10/10
    • Farbechtheit (DeltaE) 7/10
    • Kontrast 10/10
  • Leistung 4/10
    • Benchmark Geekbench Single 2/10
    • Benchmark Geekbench Multi 4/10
    • Benchmark Browsertest 10/10
    • Benchmark Antutu 3/10
  • Software 10/10
    • Aktualität 10/10
    • Vorinstallierte Apps 9/10
  • Internet 10/10
    • WLAN 10/10
    • LTE 9/10
    • LTE Geschwindigkeit 10/10
    • 3G 10/10
    • Empfangsqualität 10/10
    • Dual-SIM 8/10
  • Telefonie 10/10
    • Sprachqualität 10/10
    • Lautstärke 10/10
    • Lautsprecher (Freisprechen) 9/10
  • Schnittstellen / Sensoren 9/10
    • USB-Standard 10/10
    • NFC 10/10
    • Navigation 10/10
    • Bluetooth 10/10
    • Kopfhörerbuchse 10/10
    • Video-Out 10/10
    • Fingerabdruckscanner 10/10
    • Gesichtserkennung 6/10
  • Speicher 7/10
    • Größe 8/10
    • SD-Slot vorhanden 5/10
  • Akku 9/10
    • Laufzeit (Benchmark) 9/10
    • Induktion 0/10
    • Schnellladen 10/10
  • Kamera 8/10
    • Hauptkamera
    • Bildqualität hell 10/10
    • Bildqualität dunkel 6/10
    • Bildstabilisator 10/10
    • Frontkamera
    • Bildqualität hell 10/10
    • Bildqualität dunkel 7/10
    • Kameraanzahl 5/10
    • Video 8/10
    • Handling 9/10
Teilen (3)

Mehr zum Thema Test