Motorola T720i

Retro-Test: Kamera-Handy Motorola T720i

Den gerade aufkommenden Trend der Kamerahandys beantworteten einige Hersteller mit kleinen Aufsteckkameras. Sie erweiterten damit die Funktionalität bestehender Geräte. Eines davon ist das Motorola T720i aus 2002/2003.

Mein erstes Foto mit einer Handykamera schoss ich im Sommer 2002, als ich mir gerade die Ansteckkamera MCA-10 für mein Ericsson T68m gekauft hatte. Wenige Monate später wurde das T68m nach der Gründung des Joint-Ventures Sony Ericsson zum T68i. Der Boom der Kamera-Handys begann. Ende 2002 beziehungsweise Anfang 2003 schickte Motorola mit dem T720i das Update seines T720 an den Start. Wichtigster Unterschied: Es gab ebenfalls eine Ansteckkamera, sogar mit drehbarer Linse. Über zehn Jahre später haben wir das Gerät noch einmal aus der Schublade geholt – für unseren neuesten Retro-Test.

Motorola T720i Motorola T720i
Bild: teltarif.de
Der erste Gedanke, als das Motorola T720i nach langer Zeit wieder einmal seine Schachtel verlässt, dürfte heute der gleiche sein wie im Jahr 2002: "Klein und kompakt." Mit Maßen von 90 x 47 x 25 Millimeter (aufgeklappt 175) und einem Gewicht von 112 Gramm ist das T720i absolut Hosentaschen-tauglich. Oben rechts gibt es noch eine kleine Antenne, die mit einer Länge von unter anderthalb Zentimetern aber nicht wirklich stört. Aber: Zu dieser Zeit waren andere Hersteller schon weiter – verwiesen sei auf das eingangs erwähnte Sony Ericsson T68i. Seinen Vorteil spielt das Motorola-Handy aber in anderen Bereichen aus: Durch das Klappdesign hat Motorola Platz für eine großzügige Tastatur und ein Display mit einer Diagonalen von immerhin zwei Zoll. Sogar 4096 Farben kann es bereits anzeigen, so dass auch aufwändigere Grafiken und Spiele bei ordentlicher Displayqualität möglich werden. Die Auflösung beträgt 120 mal 160 Pixel.

Plastik dominiert

Nach dem ersten Anfassen wird sehr schnell klar: Hochwertige Materialien hat Motorola nicht verbaut, Plastik dominiert. Schick wirkt zwar der verspiegelte Rand rund ums Display, dafür wird hier aber viel Platz verschenkt. Denn im „Deckel“ wäre es durchaus möglich gewesen, ein mindestens 30 bis 40 Prozent größeres Display unterzubringen. Groß ist dafür die Tastatur, die aber ebenfalls einen gravierenden Nachteil mit sich bringt: Die Tasten sind abgerundet und nicht angeraut – was passiert: Beim Tippen rutschen die Finger oft ab. Hinzu kommt ein Steuerkreuz, dessen Druckpunkte nur wenig definiert sind, was die Bedienung weiter erschwert. Eine zentrale Bestätigen-Taste gibt es nicht, diese Funktion übernehmen zwei über dem Steuerkreuz angebrachte Softkeys.

Highlight: Die Ansteckkamera

SYN0547A: So lautet die etwas kryptische Bezeichnung für das wohl wichtigste Zubehörteil des Motorola T720i, das sich auch direkt im Lieferumfang befindet. Gemeint ist die Ansteckkamera, die über den Zubehöranschluss unten ans Handy angeschlossen werden kann. Gerade einmal 15 Gramm wiegt sie und kommt mit einer kleinen Schutztasche. Fotos sind mit ihr in zwei Auflösungen (320 mal 240 und 160 mal 120 Pixel) möglich, die Dateien werden im internen Speicher des Handys abgelegt. Nach rund 30 Fotos ist aber Schluss, denn dann sind die 500 KB Foto-Speicherplatz voll.

Das Klapphandy Motorola T720i Das Klapphandy Motorola T720i
Bild: teltarif.de
Aus der Sicht des Jahres 2002 war Fotografieren mit dem Handy etwas ganz Neues, und die Nutzer nahmen daher auch anfängliche Softwareprobleme und Qualitätseinbußen hin. Man war damals eben ein "Early Adopter". Ohne Umschweife bleibt – aus heutiger Sicht – aber festzuhalten: Fotografieren mit dem Motorola T720i ist schon eine Qual. Ähnlich wie beim Sony Ericsson T68i "zieht" das Display deutlich nach, es hat gegenüber der Kameralinse rund eine Sekunde Verzögerung zu verzeichnen. Schnappschüsse werden somit unmöglich, und unruhige Motive lassen sich erst gar nicht fotografieren. Hinzu kommt die Qualität: Auf dem Handydisplay sehen die Fotos zwar noch erträglich aus, auf dem PC aber wird deutlich, wie klein ein Foto mit einer Auflösung von 320 mal 240 Pixel wirklich ist. Wenigstens VGA-Qualität hätte es schon sein sollen... Gut hingegen ist, dass sich die Kamera um bis zu 180 Grad drehen lässt – Selfies lassen grüßen. Da sich die Kamera aber unten am Handy befindet, kommen gut und gerne leicht witzige Fotos zustande. Hält man das Handy wie gewohnt, fotografiert man sich von unten in die Nasenlöcher.

Die mit dem T720i geschossenen Fotos lassen sich nach der Aufnahme über den Menüpunkt Fotoalbum im Kameramenü wieder aufrufen. Zwar gibt es im Hauptmenü auch einen Media Center, dort befinden sich allerdings nur die vom Werk bereits aufgespielten Bilder und Logos. Hier zeigt sich ein damals weit verbreitetes Problem: Zusätzliche Funktionen wurden nachgerüstet, in die vorhandene Struktur aber nicht eingepasst. Auch dass die Kamerasoftware auf Java basiert und somit eine andere Schriftgröße als die gesamten Navigationsmenüs aufweist, macht dies noch deutlicher, ebenso, dass die Fotos beim Zurücksetzen des Handys nicht gelöscht werden, da sie sich in einem eigenen Speicherbereich befinden.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was das Motorola T720i noch so drauf hat und was ihm fehlt, obwohl es der Vorgänger noch mitbrachte.

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