Nüchtern

Motorola Moto X Style im Test: Mittelmaß am oberen Ende

Das Moto X Style muss im Test zeigen, ob es ein hochwertiges und alltagstaugliches Smartphone ist. Gibt es auch spannende neue Features?
Von Hans-Georg Kluge

Benutzeroberfläche: Motorolas Android-Standard

Motorola setzt auch beim Moto X Style auf die Standard-Oberfläche von Android und verzichtet auf weitgehende Anpassungen. Somit finden sich Nutzer eines Nexus-Smartphones oder eines anderen Motorola-Handys auf dem Homescreen und in den Menüs sofort zurecht. Mit einigen Zusatz-Features trumpft der Hersteller dann aber doch auf: So kann ein "Cleveres Display" eingestellt werden, dass den Standby-Modus verhindert, wenn der Nutzer auf das Display blickt.

Motorola setzt auf Android und ergänzt nur wenige Apps. Motorola setzt auf Android und ergänzt nur wenige Apps.
Bild: teltarif.de
Besonders praktisch ist die Funktion Moto Display - eingehende Benachrichtigungen zeigt das Moto X Style auf dem Lockscreen an - dafür schaltet das Smart­phone gegebenenfalls kurzzeitig den Bildschirm an. Optional zeigt es aktuelle Benachrichtigungen an, wenn der Nutzer mit der Hand über das Smart­phone fährt.

TurboPower: Quick-Charge funktioniert prima

Bei der Vorstellung versprach Motorola, mit TurboPower die branchenweit schnellste Quick-Charge-Technik einzusetzen. Das wollten wir natürlich ausprobieren: Wir haben das Moto X Style bei 12 Prozent Akku komplett ausgeschaltet und an das Quick-Charge-Ladegerät gehängt. Alle fünf Minuten haben wir das Display kurz aktiviert, um den Ladestand abzulesen.

Nach fünf Minuten zeigte das Smart­phone bereits 22 Prozent Kapazität an. Weitere fünf Minuten später lag die angezeigte verfügbare Kapazität bei 35 Prozent. Nach insgesamt gut 15 Minuten war der Akku bereits auf 50 Prozent geladen. Vollständig geladen war das Smartphone nach rund einer Stunde.

Motorola setzt weiterhin auf den MicroUSB-Stecker. Motorola setzt weiterhin auf den MicroUSB-Stecker.
Bild: teltarif.de
Unsere Messwerte belegen, dass TurboPower beim Moto X Style zufriedenstellend funktioniert. Innerhalb von rund zehn Minuten schafft das Ladegerät rund 25 Prozentpunkte Kapazitätsauffrischung. Je höher die vorhandene Kapazität ist, umso schwächer fällt allerdings die Wirkung der Funktion ins Gewicht. Natürlich funktioniert TurboPower nur mit einem dafür ausgelegten Netzteil. Das aber bedeutet natürlich, dass Nutzer dieses entweder immer mit sich herum tragen oder an wichtigen Orten ein Netzteil deponiert haben müssen. Denkbar ist beispielsweise, zu Hause ein klassisches Ladegerät zu verwenden, in der Arbeit aber eines mit TurboPower-Support. Im schlimmsten Fall ist dann zumindest kurz vor Feierabend gesichert, dass noch etwas Saft ins Smart­phone kommt.

Akku-Laufzeiten: In Benchmarks super

Kopfhörerbuchse und SIM-Karten-Slot am oberen Rand Kopfhörerbuchse und SIM-Karten-Slot am oberen Rand
Bild: teltarif.de
Im Alltag kamen wir mit dem Moto X Style locker über einen Tag - das Smart­phone machte aber keinen so guten Eindruck wie das Moto X Play. Beim Akkutest PCMark wendet sich aber das Blatt: Hier konnte das leistungsschwächere Moto X Play nicht glänzen - das Moto X Style hingegen durchaus: 6 Stunden und 36 Minuten hielt es durch.

Schnittstellen

Motorola Moto X Style

Motorola bleibt bei der aktuellen Generation der Moto-X-Smartphones dem MicroUSB-Anschluss treu. Erste Konkurrenten setzen bereits auf den USB-C-Stecker. Die Entscheidung von Motorola hat insofern den Vorteil, dass vorhandene Kabel und Netzteile weiterverwendet werden können. Spätestens beim nächsten Smart­phone-Kauf ist dann aber auch neues Equipment nötig. Andererseits bewahrt der MicroUSB-Stecker auch vor der Enttäuschung, dass möglicherweise trotz USB-C nur USB-2.0-Geschwindigkeiten zu erreichen sind (wie es bei manchen Konkurrenten der Fall ist).

In puncto kabelloser Konnektivität hat das Moto X Style alles Wichtige an Bord: WLAN b/g/n/ac, Bluetooth 4.x und NFC. Auf einen Fingerabdrucksensor verzichtet Motorola.

Weder Rückseite noch Akku sind wechselbar. Die Nano-SIM-Karte und die MicroSD-Karte finden auf einem Schlitten Platz - für einen ständigen Kartenwechsel ist das Moto X Style also nicht geeignet, da die jeweils andere dann ebenfalls entfernt werden muss.

Kamera: Solide ohne zu begeistern

Moto X Style: Kameraöffnung und auffällige Leiste auf der Rückseite Moto X Style: Kameraöffnung und auffällige Leiste auf der Rückseite
Bild: teltarif.de
In unserem Testszenario müssen sich Smartphone-Kameras in Extrem-Situationen bewähren. Farbquadrate prüfen die Farbwiedergabe, eine am Rand angebrachte Rose prüft die Detailzeichnung. Bei guten Lichtverhältnissen mit Blitz zeigt die Kamera des Moto X Style, dass sie grundsätzlich gute Fotos knipsen kann. Die Farbquadrate kommen gut zur Geltung, die Raufasertapete ist deutlich erkennbar. An den Details der Rose gibt es jedoch Zeichen eines Rauschfilters zu sehen und die feinen Details der Pollenträger sind etwas verwaschen. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist ein starkes Farbrauschen wahrzunehmen, immerhin bluten aber die Farbquadrate nicht in den weißen Hintergrund aus. An der Rose beißt sich die Kamera die Zähne aus - hier sind keine Details zu erkennen.

In unserem Kameravergleich haben wir weitere Smartphone-Kameras im gleichen Motiv-Setup getestet.

Preis/Leistung

Aktuell kostet das Moto X Style im Online-Handel rund 490 Euro. Eine interessante Alternative könnte beispielsweise das Nexus 5X sein. Das Google-Smartphone hat ein kleineres Display und punktet mit einem Fingerabdrucksensor. Wer hauptsächlich surft, chattet und telefoniert, könnte mit dem günstigeren Moto X Play besser bedient sein - zumal das leistungsschwächere Moto X im Alltag eine recht gute Akkulaufzeit aufweist. Zum Vergleich: Wir hatten auch das Moto X Play im Test.

Mit dem Moto X Force könnte künftig noch eine weitere Alternative aus dem Haus Motorola anstehen. Allerdings ist noch unklar, ob das Moto X Force mit einem bruchsicheren Display und dem Snapdragon 810 tatsächlich zeitnah in Deutschland erscheinen wird. Dafür verlangt Motorola aber mit rund 700 Euro eine ganze Stange Geld.

Fazit

Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 2,0
  • Bedienung, Handling, Software: 1,3
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 1,3
  • Basis-Feature des Handys: 2,3
  • Einschätzung des Redakteurs: 2,3
  • Gesamtnote: 1,8
Das Moto X Style ist ein gut verarbeitetes Smart­phone mit einem großen und recht gutem Display. Schwächen leistet sich Motorola aber zum Beispiel bei der Gaming-Performance. Die Qualität der Hauptkamera ist gut, für die erste Reihe der Top-Kamera-Handys reicht es aber nicht. Letztlich fehlt dem Moto X Style ein Alleinstellungsmerkmal, ein Feature eben, dass aus dem Einheitsbrei der Android-Smartphones heraussticht. Microsoft zeigt mit Windows 10 Mobile und dem Lumia 950, dass es durchaus neue und praktische Features gibt, die Kunden einen Mehrwert liefern.
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