Smart City

Moskau stellt Weichen für bessere Infrastruktur

Die Stadt Moskau ist beim Thema Smart City schon ziemlich weit. Sie verfügt über eine eigene IT-Abteilung und hilft Mobilfunkern durch vorbereitete Antennenmasten auf ihren Hochhäusern
Mit einem Berater des Moskauer DIT beim MWC sprach
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Ganz Deutsch­land spricht von Digi­ta­li­sie­rung und Smart Cities. Schaut man näher hin, so gibt es hier und da ein paar inter­es­sante Projekte, die von Ort zu Ort unter­schied­lich sind. Viele Gemeinden in Deutsch­land scheinen noch unschlüssig zu sein oder sind auf teure Bera­tungs­un­ter­nehmen ange­wiesen. Oft schei­tern digi­tale Projekte schlicht an mangelndem Geld für Technik und/oder Personal.

Stadt Moskau hat eigene IT-Abtei­lung

Evgeny Novikov, technischer Berater beim Moskauer DIT, stand uns beim MWC in Barcelona Rede und Antwort.Evgeny Novikov, technischer Berater beim Moskauer DIT, stand uns beim MWC in Barcelona Rede und Antwort. Die Stadt Moskau, Haupt­stadt der russi­schen Föde­ra­tion, ist da deut­lich weiter. Sie verfügt über eine eigene Infor­ma­ti­ons­ab­tei­lung (DIT = Depart­ment of Infor­ma­tion Tech­no­logy), mit entspre­chendem Personal und tech­ni­schen Möglich­keiten. Auf dem Mobile World Congress haben wir uns mit Evgeny Novikov, einem der Berater beim Moskauer DIT, unter­halten.

Gibt es schon 5G in Moskau?

"Wir haben im Rahmen einer Verein­ba­rung mit zwei der großen russi­schen Mobil­funk­netz­be­treiber Megafon und Beeline die 5G-Technik getestet, auch um es bekannter zu machen. Um 5G weiter zu bringen, war die Unter­stüt­zung der Regie­rung notwendig, weil die dafür geplanten Frequenzen teil­weise noch für Raum­fahrt und Militär vorge­sehen waren." So werde 5G voraus­sicht­lich auf 3,6 bzw. 26 oder 29 GHz laufen. Jeder Mobil­funk­be­treiber wählt seinen eigenen Technik-Liefe­ranten. So arbeitet Megafon mit Nokia, MTS führt Gespräche mit Ericsson, während Beeline die Technik von Huawei am Start hat. Darüber hinaus gibt es auch Gespräche mit russi­schen Liefe­ranten, die nach Möglich­keit einbe­zogen werden sollen.

Ballungs­ge­biet Moskau: 12 - 20 Millionen Menschen

In der Groß­stadt Moskau leben "offi­ziell" 12 Millionen Menschen. Es sind aber viele Pendler unter­wegs, die von außer­halb kommen, sodass man mit etwa 20 Millionen Menschen rechnen muss, die sich regel­mäßig in der Stadt aufhalten.

"Wir haben den Nahver­kehr verbes­sert, beispiels­weise durch den Ausbau der Mobil­funk­ver­sor­gung in der Metro (U-Bahn)". Geplant ist eine voll­stän­dige 4G-Versor­gung des Unter­grunds, die Verträge sind schon unter­schrifts­reif. In den Metro-Stationen gibt es heute schon "Free WiFi" (kosten­loses WLAN) - auch in den Tunneln. 3G/4G-Mobil­funk­ver­sor­gung besteht schon auf den Bahn­höfen. Geplant ist es, diese Mobil­funk­ver­sor­gung auch in die U-Bahn-Tunnels hinein­zu­bringen. Moskaus Mobil­funk­stra­tegie für den Unter­grund ist es, die Metro zwar durch­ge­hend zu versorgen. Dabei lege man weniger Wert auf maxi­male Daten­ge­schwin­dig­keit, sondern mehr auf durch­ge­hende Netz­ver­sor­gung, um Basis­dienste wie Kurz­mit­tei­lungen oder auch ein Tele­fonat zu ermög­li­chen.

Kosten­loses WLAN: Touristen bevor­zugen SIM-Karten

Die Moskauer U-Bahn ("Metro") gehört zu den größten der Welt. Die meisten Stationen liegen etwa 20-30m unter der Oberfläche. Auf allen Linien haben Passagiere Zugang zum freien WLAN, sogar in den Tunnels.
Die Moskauer U-Bahn ("Metro") gehört zu den größten der Welt. Die meisten Stationen liegen etwa 20-30m unter der Oberfläche. Auf allen Linien haben Passagiere Zugang zum freien WLAN, sogar in den Tunnels.
Moskau hat übri­gens ein sehr großes "Free City WiFi" (kosten­loses städ­ti­sches WLAN)-Netz auf öffent­li­chen Plätzen. Bei der Auswer­tung der Nutzungs­pro­to­kolle kam aber heraus, dass Touristen weniger via WLAN (englisch WiFi) ins Netz gingen, sondern über eine SIM-Karte, die sie kurz zuvor in Moskau erworben hatten. Der einfache Grund: russi­sche SIM-Karten sind für Touristen sehr günstig zu bekommen, die heimi­schen Netz­be­treiber verlangen hingegen weit­ge­hend uner­schwing­liche Tarife, wenn man beispiels­weise mit seiner deut­schen Mobil­funk­karte in Russ­land tele­fo­nieren oder surfen möchte.

Die Beob­ach­tung des Nutzungs­ver­hal­tens zeigt, dass die Leute während er Fahrt mit öffent­li­chen Verkehrs­mittel gerne elek­tro­ni­sche Bücher lesen, die sie entweder aktuell übers Netz laden (online) oder schon vorher herun­ter­ge­laden haben (offline)

Heim­ar­beiter entlasten Infra­struktur - Hilfe für Netz­be­treiber

Moskaus DIT begrüßt es, wenn Heim­ar­beiter von zu Hause arbeiten können, beispiels­weise durch gute Inter­net­ver­sor­gung bis in die Wohnungen. Leute, die zu Hause arbeiten können, müssen nicht im Stau stehen, um ins Büro zu kommen, und können ihre Arbeits­zeiten flexi­bler gestalten.

Damit der Netz­ausbau in der Stadt voran­kommt, gibt es Sonder­kon­di­tionen für Netz­be­treiber, wenn sie öffent­liche Gebäude für ihre Sende­an­lagen nutzen. Die DIT-Abtei­lung der Stadt Moskau hat vorsorg­lich schon 4500 Leer-Masten auf den Häusern aufge­baut, welche die Netz­be­treiber dann für ihre Mobil­funk-Antennen nutzen können. Aktuell wurden von allen drei Netz­be­trei­bern rund 65.000 Basis­sta­tionen aufge­baut, in 5 Jahren könnten es 130.000 sein, welche Moskau mit 3G und 4G versorgen werden.

Moskau: Smart City mit Pilot­funk­tion

Die Kommandozentrale der Smart City Moskau, hier laufen alle Verkehrsinformationen zusammen.
Die Kommandozentrale der Smart City Moskau, hier laufen alle Verkehrsinformationen zusammen.
Vieles was in Moskau auspro­biert oder ausge­rollt wird, gilt als Pilot­pro­jekt für andere Städte des Landes. "Wir haben es geschafft, die Planungs­phase von neun auf zwei Monate zu drücken. Wir können jetzt auch auf Beschwerden über mangel­hafte Netz­qua­lität schneller reagieren. Smart City ist für uns eine wesent­liche Verbes­se­rung der Lebens­qua­lität. Die Infra­struktur wird verbes­sert. Die FIFA-Fußball-Welt­meis­ter­schaft hat dabei viel bewegt. Überall wo Gebäude reno­viert wurden, wurde gleich Glas­faser mit verlegt."

Die Moskauer Verwal­tung entwi­ckelt Service Modelle und baut die Technik auf. Bisher wurde viel Hard­ware selbst gekauft. Neuere Wirt­schaft­lich­keits-Modelle sehen künftig "Service­leis­tungen" vor. Dann wird die Stadt nicht mehr jede Über­wa­chungs­ka­mera einzeln kaufen, aufbauen und betreiben, sondern an einen Dienst­leister pro gelie­fertes Bild bezahlen.

Moskau-DIT inter­na­tional vernetzt

Der Besuch auf dem MWC ist für das Moskauer DIT sehr wichtig, um sich mit Kollegen auszu­tau­schen und Infor­ma­tionen zu sammeln, welche Möglich­keiten es gibt und wohin die Entwick­lung laufen wird. Hier in Barce­lona treffe man alle wich­tigen Spieler des Marktes. "Letztes Jahr wusste noch keiner so genau, was 5G eigent­lich ist." Hier habe sich viel bewegt.

Durch die bessere Infra­struktur ist Moskau für Touristen wesent­lich attrak­tiver geworden. Der Moskauer Bürger­meister möchte das unbe­dingt weiter ausbauen. Statis­tiken haben ergeben, dass zahlen­mäßig die meisten Touristen in Moskau aus China gekommen sind. Aber auch Gäste aus Europa oder den USA und anderen Ländern der Welt sind will­kommen.

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