Cyberwar

MonsterMind: NSA arbeitet an automatischer Cyberkriegs-Software

Laut Edward Snowden arbeitet die NSA an einer Software, die Cyber-Attacken automatisch erkennen kann und entsprechend auf Bedrohungen reagiert. Warum dieses MonsterMind genannte Programm so bedrohlich ist, lesen Sie in unserer Meldung.
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
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Der US-Geheimdienst NSA arbeitet nach Angaben des Whistleblowers Edward Snowden an einem Cyberkriegs-Programm, dass ohne menschliches Zutun auf Angriffe reagieren kann. In einem Gespräch mit dem US-Magazin Wired sagte Snowden, die Software namens "Monstermind" (Monstergehirn) könne eines Tages derart weiterentwickelt werden, dass es automatisch zurückschießt. Das Programm ziele darauf ab, Cyberattacken zu erkennen und diese daran zu hindern, in den USA Schaden anzurichten, hieß es in dem Wired-Artikel.

Die NSA soll an Monstermind arbeiten, einem Programm, das automatisch Cyber-Attacken abwehrt.Die NSA soll an Monstermind arbeiten, einem Programm, das automatisch Cyber-Attacken abwehrt. Snowden bezeichnete das Programm gleichzeitig als eine massive Bedrohung für die Privatsphäre der Amerikaner, weil es dazu notwendig wäre, sämtliche Datenkommunikation zu überwachen, die in die USA gelange. Diese Überwachung gelte "für jeden, für immer", zitierte Wired den ehemaligen Geheimdienstler.

MonsterMind war ein Auslöser für Snowdens Enthüllungen

Das Wissen über "MonsterMind" habe seine Entscheidung beschleunigt, an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte Snowden. Ein weiterer Auslöser sei ein NSA-Programm gewesen, bei dem Informationen über den Porno-Konsum "politischer Radikaler" gesammelt worden seien, um diese gegebenenfalls zu kompromittieren.

Wired-Autorin Kim Zetter beschreibt MonsterMind als eine Art digitales "Starwars-Programm", mit dem US-Präsident Ronald Reagan feindliche Atomraketen vom Weltraumaus abwehren wollte, bevor sie die USA erreichen. Allerdings stellte sich damals heraus, dass die technischen Anforderungen an ein solches System die tatsächlichen Möglichkeiten weit überstiegen. Inzwischen ist die Entwicklung aber rasant fortgeschritten.

Zetter zitiert auch den Computerwissenschaftler Matt Blaze, der sich bei der Beschreibung von MonsterMind an die Einstein-Programme der US-Regierung erinnert fühlt, mit denen ein System entwickelt werden soll, das anhand von entsprechend programmierten Sensoren an Internet-Backbones bösartige Attacken erkennen kann. Erwähnt wird auch das Plan X Cyberwarfare Program, das dem Pentagon ermöglichen soll, mögliche Cyberattacken zu erkennen und sofort darauf reagieren zu können. Ob MonsterMind einfach nur eine andere Bezeichnung für das Plan X Cyberwarfare Program ist, könne derzeit aber ebensowenig beantwortet werden, wie die Frage, ob MonsterMind tatsächlich exitiere.

Spekulationen über weitere Informanten

Dennoch dürfte der Artikel dürfte auch Spekulationen anheizen, dass es einen weiteren Informanten in der NSA gibt. Wired-Autor James Bamford schrieb, er habe vor dem Interview Zugang zu den kompletten Snowden-Dokumenten gehabt und habe dort einige der veröffentlichten Papiere nicht finden können.

"Ich bin ein Softwareentwickler, kein Politiker", sagte Snowden Wired. Er wolle die Bühne nicht und halte sich deshalb mit persönlichen Details zurück. Er wolle den Politikern keine Chance geben, durch Attacken gegen ihn von einer sehr wichtigen Sache abzulenken.

Snowden sagte unter Berufung auf einen Geheimdienstoffizier, der ihm das erzählt habe, dass ein massiver Internet-Ausfall in Syrien während des Bürgerkrieges 2012 von der NSA ausgelöst worden sei. Hacker des US-Dienstes hätten einen Router eines der größten Internet-Anbieters des Landes anzapfen wollen, um Zugang zu nahezu allen E-Mails und anderem Internet-Datenverkehr zu bekommen. Doch irgendetwas sei schiefgegangen und das Gerät stattdessen unbrauchbar geworden.

Snowden lebt seit seinen ersten Enthüllungen über weltweite Spähprogramme des NSA vor einem Jahr im Asyl in Russland.

Vor seiner Flucht aus Hawaii habe er den NSA-Ermittlern einer Spur aus "digitalen Brotkrummen" hinterlassen, mit Hilfe derer sie erkennen sollten, welche Dokumente er mitgenommen und welche nur angesehen habe. Damit habe er ihnen zeigen wollen, dass er kein Agent sei, sondern ein Informant, der die Öffentlichkeit über Missstände informieren wolle. Stattdessen sei die NSA davon ausgegangen, er habe alle angewählten 1,7 Millionen Dokumente mitgehen lassen. In Wirklichkeit habe er viel weniger Unterlagen kopiert, sagte Snowden. Eine Zahl wird in dem Artikel nicht genannt.

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