Kostenfalle

Monaco startet eigenes Mobilfunk-Netz - EU-Roaming gilt nicht

Seit dem 1. Mai funkt Monaco mit einem eigenen Mobilfunknetz. Nur: Monaco gehört nicht zur EU, deswegen gelten auch die EU-Roaming-Preise nicht.
AAA
Teilen (34)

Monaco startet eigenes Mobilfunk-Netz - EU-Roaming gilt nichtMonaco startet eigenes Mobilfunk-Netz - EU-Roaming gilt nicht Manche denken, im digitalen Mobilfunk gäbe es nichts wirklich Neues mehr zu berichten. Das ist ein Irrtum. Beispielsweise ging in Europa am 1. Mai ein Land mit seinem eigenen "neuen" Mobil­funk­netz­be­treiber an den Start. Das Fürstentum Monaco war Telefon-technisch lange ein Teil von Frankreich (Vorwahl +33), das das Fürstentum mit digitalem Mobilfunk von France Telecom (Orange), SFR und Bouygues versorgten. Vor einigen Jahren wurde dem Fürstentum von der ITU die eigene Landesvorwahl +377 zugeteilt, und weitgehend unbemerkt erwarb die 1997 privatisierte Monaco Telecom eine eigene Mobilfunklizenz. Die kam inklusive monegassischer Länderkennung zunächst außerhalb des Landes zum Einsatz, etwa in der Republik Kosovo (ehemaliges Jugoslawien). Außerdem ist das Unternehmen mit rund 36 Prozent am afghanischen Netzbetreiber Roshan ("Das Licht") beteiligt, dem größten Arbeitgeber in Afghanistan, und noch in anderen Ländern aktiv.

Seit dem 1. Mai 2016 betreibt Monaco Telecom auch ein Mobilfunknetz im heimischen Fürstentum, das den Netzwerk-Code 212-10 (Reserve 212-01) ausstrahlt und bereits über Roaming-Abkommen beispielsweise mit der Deutschen Telekom verfügt. Auch Vodafone-Kunden können sich dort wohl einbuchen, da ein Roaming-Abkommen mit dem Schwester-Netz (das aus politischen Gründen die originale Monaco-GSM-Kennung verwendet) in Kosovo besteht. In der Länderliste von Vodafone wird Monaco selbst gar nicht aufgeführt. o2 verweist in seiner Länderübersicht (Stand 2013) für Monaco explizit auf France Telecom, SFR und Bouygues und nennt als Einschränkung "nur GRPS, kein UMTS möglich". Ein Roaming in der Republik Kosovo wird hingegen nicht aufgeführt.

Vorsicht Kostenfalle

Wer in diesen Tagen mit seiner frisch erworbenen deutschen Europaflatrate nach Monaco fährt, könnte dort in die Kostenfalle tappen, denn das Fürstentum Monaco gehört nicht zur Europäischen Union. Folglich gelten bei Nutzung des Mobiltelefons im neuen Landes-Netz keine regulierten EU-Tarife, es sei denn, man erwischt noch einen Sender von France Telecom, SFR oder Bouygues, die technisch und tariflich am französischen Netz angeschlossen sind.

Auf diese Feinheit machte übrigens der Discount-Provider congstar seine Kunden in einem aktuellen Newsletter aufmerksam. So gehört Monaco bei congstar zur internationalen Zone 2, was zum Beispiel dann 1,49 Euro pro Minute für Telefonate abgehend nach EU-Europa kostet, ankommend sind es 69 Cent pro Minute, und pro SMS werden zackige 39 Cent berechnet - Tarife aus der Steinzeit des Mobilfunks.

Da könnte sich für Vieltelefonierer in Monaco fast lohnen, einen Vertrag bei der dortigen Monaco-Telecom abzuschließen, sofern man als Ausländer einen bekommen kann. Für 119 Euro pro Monat bietet Monaco-Telecom eine Europa-Flatrate, die 3000 SMS bzw. 1000 MMS und 7 GB Daten im Fürstentum und 3 GB Daten im Ausland beinhaltet, wozu auch USA und Kanada gehören. Ankommende Gespräche sind frei in EU-Europa, der Schweiz und Andorra. Andorra übrigens gehört ebenfalls nicht zur EU, also gelten die regulierten EU-Tarife für Mobilfunk dort auch nicht.

Ob die Versorgung des Fürstentums durch die französischen Anbieter nach dem Start des eigenen Netzes reduziert werden wird oder ob das schon erfolgt ist, ist uns momentan nicht bekannt.

Teilen (34)

Mehr zum Thema Reise