Vergleich

Satellitentelefon: Alle Satellitennetze im Vergleich

Mit Satelliten-Telefonen sind Sie auch in abgelegenen Gegenden der Erde mobil erreich­bar. Doch die Kosten sind hoch. Mieten oder kaufen? Prepaid oder Vertrag? Wir haben Technologien und Netz­abdeckung der führenden Anbieter Iridium, Inmarsat, Globalstar und Thuraya ver­glichen.
Von Lars Hessling / Susanne Kirchhoff / Melanie Spies
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Satellitentelefon: Alle Netze im VergleichSatellitentelefonie: Alle Netze im Vergleich Bevor man sich für einen Satelliten-Telefonie-Anbieter entscheidet, ist es wichtig zu verstehen, wie die zugrunde­liegenden Systeme funktio­nieren. Lediglich Ausstattung und tech­nische Spezifi­ka­tio­nen ver­schie­de­ner Ge­rä­te zu ver­gleichen, ist nicht aus­reichend. Denn ein Satelliten-Telefon ist immer nur so gut, wie das System, das es ver­wendet - und im Gegensatz zu üblichen Dualband- oder Quadband-Handys in den GSM-Netzen funk­tio­nie­ren die Geräte eines Anbieters nicht in Kombi­nation mit den Satelliten eines anderen Netzes. Die Ent­scheidung für eines der Satelliten­netze ist in Bezug auf die Hardware also endgültig.

Im Folgenden ver­gleichen wir daher die Netz­abdeckung der einzelnen Anbieter und gehen auf die Vor- und Nach­teile geo­stationärer Satelliten (GEO) und erd­naher Satelliten­systeme (LEO) ein.

Mieten oder kaufen? Das kostet Satelliten-Telefonie

Satelliten-Telefonie ist kein günstiges Vergnügen. Die Preise für ein Neu­gerät reichen von mehreren hundert bis über tausend Euro. Dabei hinken die Satelliten-Telefone den GSM-Handys mehr als 10 Jahre hinterher, zumindest was Aussehen, verfügbare Funktionen und Bedien­komfort angeht.

Auch die Tarife sind deut­lich teurer. Ausgehende Gespräche von einem Satelliten-Telefon kosten üblicher­weise zwischen 70 Cent und 2 Euro pro Minute. Dafür benötigt der Nutzer entweder einen Vertrag mit dem jeweiligen Anbieter oder eine ent­spre­chende Prepaid-Karte. Für letztere ist häufig eine Mindest­aufladung von 50 oder 100 Euro erforder­lich. Beachten Sie, dass das Gut­haben zumeist nur eine begrenzte Gültig­keit von einem oder zwei Jahren besitzt, bevor es verfällt.

Für eine kurzzeitige oder unregelmäßige Nutzung eines Satelliten-Telefons bietet sich daher ein Miet-Handy in Ver­bin­dung mit einer Prepaid-Karte an, um den kost­spieligen Kauf zu vermeiden. Sollten Sie aufgrund häufigen Bedarfs den Erwerb eines Handys dennoch in Betracht ziehen, haben Sie mit den Miet­angeboten zugleich auch die Möglichkeit, im Vorfeld ver­schie­dene Netze zu testen und sich danach für ein System zu entscheiden. Unter Umständen kann sich auch der Kauf einer regional begrenzten SIM-Karte lohnen. Diese können dann zum Bei­spiel nur in Amerika oder nur in Afrika einge­setzt werden, sind dafür aber bis­weilen wesent­lich güns­tiger.

Netzabdeckung der Anbieter beachten

Netzabdeckungskarte GlobalstarNetzabdeckung bei Globalstar: Im Gegensatz zu Iridium nicht weltweit Unter den Anbietern für mobile Satelliten-Telefonie besitzt nur Iridium eine weltweite Netzabdeckung. Auch Inmarsat ist fast überall verfügbar, nur mit Ausnahme von Teilen der Nord- und Südpolar­regionen. Der Netzbetreiber Globalstar bietet seine Dienste weltweit in 120 Ländern an, allerdings nicht in weiten Teilen Afrikas, in Indien, China und Südostasien, an den Polen und teilweise auf dem offenen Meer. Thuraya versorgt die Kontinente Asien (außer den nördlichen Teil von Russland), Europa, Australien sowie das nördliche und mittlere Afrika, ist aber insbesondere in Amerika und in den Polarregionen nicht vertreten.

Vor einer endgültigen Kaufentscheidung sollte daher als Erstes ein Blick auf die entsprechenden Karten zur Netzabdeckung geworfen werden, um mög­liche An­bie­ter für das ge­wünsch­te Ziel­ge­biet zu iden­tifi­zie­ren. Im zwei­ten Schritt lohnt es sich dann, die Tari­fe zu ver­glei­chen und da­mit das güns­tigste Ange­bot unter den Ver­trä­gen und Pre­paid-Kar­ten heraus­zu­fil­tern.

Die folgende Tabelle stellt Ihnen einige allgemeine Informationen über die verschiedenen Satellitennetze zur Verfügung. Diese Daten ermöglichen eine grobe Einschätzung der verschiedenen Anbieter und sollen Ihnen die Entscheidung für eines der Satel­liten­netze er­leich­tern. Nutzen Sie zur Kosten­ein­schä­tzung für Tele­fo­nate aus dem Fest­netz zu einem Satel­liten-Handy auch unseren Tarifrechner.

Die Satellitennetze im Vergleich

Netz Inmarsat Globalstar Iridium Thuraya
Gründung 1979 1991 1998 1997
In Betrieb seit 1982 1999 1999 2000
Firmensitz Großbritannien USA USA Vereinigte Arabische Emirate
Typ Orbit 1) GEO LEO LEO GSO
Höhe (km) 35786 1414 780 36000
Netzabdeckung weltweit,
außer Pole
wo Bodenstation vorhanden weltweit Europa, Afrika, Asien, Ozeanien
Umlaufzeit ca. 24 Std. 120 Min. 100 Min. 24 Std.
Stand: September 2016

1) Unterschieden wird je nach der Positionierung des Satelliten im All unter anderem in: GEO (Geostationary Orbit), LEO (Low Earth Orbit) und GSO (Geosynchronous Orbit).

GEO vs LEO: Geostationäre und erdnahe Satelliten

Soldat mit SatellitentelefonSoldaten an abgelegenen Einsatz­orten sind auf Satelliten­telefonie angewiesen Es gibt im Wesent­lichen zwei Arten von Satelliten, die zur Telefonie genutzt werden: geostatio­näre (Geostationary Earth Orbit, GEO) und erdnahe Satelliten (Low Earth Orbit, LEO). Der Unter­schied besteht im Abstand der jeweiligen Umlauf­bahn zur Erde. Die Kreis­bahn eines GEO-Stalliten verläuft in 35 786 km Höhe über dem Erd­äquator. LEO-Satelliten befinden sich in deutlich geringeren Höhen von nur etwa 800 bis 1 400 km. Zur Veran­schau­lichung: Wenn man sich die Erde als Basket­ball vor­stellt, wären LEO-Stelliten etwas 4 bis 8 cm entfernt, GEO-Satelliten dagegen ganze 2 m. Dies hat Aus­wirkungen auf die Telefonie.

Vor- und Nachteile geostationärer Satelliten (GEO)

Die Anbieter Inmarsat und Thuraya arbeiten mit geo­statio­nären bezie­hungs­weise annähernd geo­statio­nären Satelliten, die circa 36 000 km vom Telefon entfernt sind. Das erhöht zwar die Reich­weite des einzelnen Satelliten, aller­dings sind die Verbin­dungen durch die große Entfer­nung auch störungs­anfälliger. Diese Proble­matik verschärft sich, je weiter man sich vom Äquator entfernt. Denn dann erscheint der Satellit tiefer am Himmel und kann leichter von Hindernissen wie Bergen, Wäldern oder Gebäuden blockiert werden.

Der Anbieter Globalstar hat zudem den Nachteil, dass seine Satelliten nicht direkt mit­einan­der kommuni­zieren können. Gespräche werden stets über Boden­stationen ver­mittelt. In Gegenden ohne Global­star-Boden­statio­nen ist dem­ent­sprechend keine Ver­bin­dung möglich. Dies betrifft weite Teile Afrikas sowie Indien, Teile Ozeaniens und die Polar­regionen.

Auch erdnahe LEO-Satelliten haben Nachteile

Iridium 9555 Satellitentelefon Sieht aus wie ein 15 Jahre altes Nokia und kostet über 1 000 Euro: Das Iridium 9555 Etwa fünfzig LEO-Satelliten werden benötigt, um eine welt­weite Rund-um-die-Uhr-Abdeckung zu gewähr­leisten. Zum Vergleich: Nur drei GEO-Satelliten würden für die gleiche Abdeckung ausreichen. LEO-Satelliten werden in verschiedenen Umlaufbahnen in bis zu 1 400 m Höhe platziert und brauchen nur etwa 100 Minuten für eine Erd­umrun­dung (bei GEO-Satelliten sind es circa 24 Stunden). Aufgrund der geringeren Entfer­nung, benötigen die erdnahen Satelliten ein weniger starkes Funk­signal und auch ihre Lebens­erwartung ist durch atmo­sphäri­sche Einflüsse und Strahlung deutlich geringer als die ihrer geo­statio­nären Pendants. Nach circa zehn Jahren müssen sie ausgetauscht werden. LEO-Satelliten werden von den Anbietern Iridium und Globalstar eingesetzt. Auch der Dienst Google-Earth nutzt erdnahe Satelliten.

Da die einzelnen LEO-Satelliten jeweils nur für kurze Zeit am Himmel zu sehen sind, kommt es zu häufigen Ver­bin­dungs­über­gaben. Um die Verbindung über mehrere Minuten auf­recht zu erhalten, benötigt man daher einen möglichst unbehin­derten Blick auf den Himmel. Sind einzelne Satelliten defekt oder fehlen, so ist die Abdeckung lücken­haft und Gespräche brechen ab oder die Ver­bindung kann gar nicht erst her­gestellt werden.

Nachteile von geostationären und erdnahen Satelliten

Sowohl GEO- als auch LEO-Satelliten-Systeme bergen also Nach­teile für die Telefonie. Sie sind in der folgenden Tabelle zusammen­gefasst:

Nachteile von GEO-Satelliten
(Inmarsat, Thuraya)
Nachteile von LEO-Satelliten
(Globalstar, Iridium)
Nicht an den Polen:
Je weiter nördlich oder südlich vom Äquator man sich aufhält, desto niedriger erscheint der GEO-Satellit am Horizont. Über dem sieb­zigs­ten Breiten­grad (Antark­tis) ist er prak­tisch nicht mehr nutz­bar.
Häufige Verbindungsübergabe:
Da LEO-Satel­liten jeweils nur für kurze Zeit sicht­bar sind, ist eine häufige Ver­bin­dungs­über­gabe erforder­lich. Dies erfordert unbe­hinderte Sicht auf den Himmel über einen längeren Zeit­raum.
Zu weit weg:
Die große Distanz von knapp 36 000 km zwischen Tele­fon und Satel­lit kann die Ver­bin­dung beein­träch­tigen.
Kurze Lebensdauer:
LEO-Satelliten sind den Ein­flüs­sen der Erd­atmo­sphäre und ver­schie­dener Strah­lung aus­gesetzt. Sie müssen daher häufig aus­ge­tauscht werden.
Hohe Sendeleistung erforderlich:
Da GEO-Satelliten über sehr viel größere Distanzen funken, muss auch die Sende­leistung der verwen­deten Hard­ware ent­spre­chend hoch sein. Die Technik ist also teurer.
Hohe Satellitenzahl erforderlich:
Um eine welt­weite Ab­deckung der Erde zu ge­währ­leisten sind circa 50 LEO-Satel­liten nötig. Bei GEO-Satel­liten reichen schon drei.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Anbietern für mobile Satelliten-Telefonie finden Sie in den folgenden Ratgebern von teltarif.de:

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