Datenautomatik

Datenautomatik: Praktisch oder Kostenfalle?

Nach den zwei Mobil­funk-Riesen Vodafone und Tele­fónica bietet nun auch Drillisch eine Daten­automatik an. Doch die Funktion hat ihre Tücken: Oft ist das kosten­pflichtige Feature standard­mäßig aktiviert. Wir zeigen, wie Sie bei Vodafone, o2 und Dril­lisch die Daten­auto­matik ab­schalten.
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Datenautomatik: Praktisch oder Kostenfalle?Datenautomatik: Praktisch oder Kostenfalle? Bei der Wahl eines Smartphone-Tarifs achten viele Handy­nutzer vor allem auf das verfügbare Highspeed-Volumen, also die Möglich­keit, schnell im Internet zu surfen. Je nach Tarif steht ein bestimmtes monatliches Daten­volumen zur Verfügung. Ist dieses aufgebraucht, wird die Internet­verbindung verlangsamt und das Surfen macht keinen Spaß mehr. Um diese Datendrossel zu umgehen, bieten viele Anbieter in ihren Tarifen eine sogenannte Datenautomatik an. Das Feature bewirkt, dass nach Verbrauch des im Tarif festgelegten Highspeed-Volumens automatisch neue Daten­pakete nachgebucht werden. Das klingt zunächst praktisch - doch was, wenn dies ungefragt und für den Kunden kosten­pflichtig geschieht? Je nach Anbieter können die Konditionen für die Daten­automatik stark variieren. Näheres zu den verschiedenen Anbietern und wie Sie die Funktion ausschalten können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Im Februar 2016 wurde die Datenautomatik durch eine Verbraucher­schutz­klage auf den Prüf­stand gestellt: teltarif.de informiert über das Urteil des Landgerichts München und die Reaktion von Telefónica.

Vodafone-Kunden können per SMS Widerspruch einlegen

Vodafone SpeedGo
Konditionen Tarife
3 x 100 MB
für je 2 Euro
Smart-Tarife
SuperFlat-Internet-Tarife
Vodafone Basic 100
Vodafone Basic 50
 
3 x 250 MB
für je 3 Euro
Red-Tarife
Red-GB-Tarife
Red-Family-Tarife
SuperFlat-Internet-Tarife
 
Besonderheiten
Dauerhafte
Kündigung
über die Vodafone-Hotline
 
Einmaliger
Widerspruch
per SMS
ja
SMS mit "Langsam"
an 70997
 
Automatische
Hochstufung
in einen
teureren Tarif
nein
Stand: September 2016
Die zwei großen Mobil­funk­gesellschaften Vodafone und Telefónica bieten schon seit längerer Zeit eine Daten­automatik an. Bei Vodafone heißt die Funktion SpeedGo. Sie wurde mit den im Oktober 2014 gestarteten Red-Tarifen eingeführt und ist in fast allen neueren Vodafone-Tarifen automatisch enthalten. Je nach Tarif kosten die zusätzlichen Highspeed-MB jeweils 2 Euro pro 100 MB oder 3 Euro pro 250 MB und können bis zu dreimal pro Monat nachgebucht werden. Insgesamt sind also bis zu 750 zusätzliche Megabyte für maximal 9 Euro erhältlich. Sind auch diese verbraucht, wird die Übertragungs­geschwindig­keit auf maximal 32 kBit/s gedrosselt. Sie reicht dann maximal noch für E-Mails und Messaging.

Über jedes zusätzliche Daten­paket wird der Kunde per ­SMS-Benach­richti­gung informiert. Wenn keine Nach­buchung erwünscht ist, kann man auf die SMS mit dem Wort "langsam" antworten. Dieser Widerspruch gilt allerdings nur einmalig bis zum Monats­ende. Reagiert der Kunde nicht auf die SMS, wird automatisch Datenvolumen hinzugebucht. Alternativ können Kunden auf der mobilen Webseite center.vodafone.de den Button "Langsam" aktivieren. Über die Möglichkeit einer dauerhaften Kündigung der Daten­automatik informiert Vodafone nicht. Allerdings kann die Funktion über die Vodafone-Hotline gekündigt werden. teltarif.de hat dies für einen Lauf­zeit­vertrag im Tarif Red 20 erfolgreich getestet.

Telefónica: Die Datenautomatik der o2-Tarife

Datenautomatik von o2
Konditionen Tarife
3 x 100 MB
für je 2 Euro
Blue Basic / Blue Smart
Blue All-in S
 
3 x 250 MB
für je 3 Euro
Blue All-in M
Blue All-in L
 
3 x 750 MB
für je 5 Euro
Blue All-in XL
Blue All-in Premium
 
Besonderheiten
Dauerhafte
Kündigung
über die o2- / BASE-Hotline
(später reaktivierbar)
 
Einmaliger
Widerspruch
per SMS
nein
 
 
Automatische
Hochstufung
in einen
teureren Tarif
nein 1)
Stand: September 2016
1) Telefónica hat diese Funktion mittlerweile eingestellt -
mut­maßlich als Reaktion auf eine Unterlassungs­klage
vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Auch bei den o2-Blue-Tarifen wird die Daten­automatik standard­mäßig geschaltet, wobei die Größe des nachträglich buchbaren Daten­volumens vom jeweiligen Tarif abhängt. Es gibt die Daten­auto­matik bei o2 in drei Ausprägungen (siehe Tabelle). Nach Verbrauch des Zusatz-Volumens wird die Geschwin­digkeit bis zum Ende des laufenden Monats auf maximal 32 kBit/s gedrosselt.

Auch o2 infor­miert per SMS über jede einzelne Erwei­terung. Anders als bei Vodafone kann der Kunde einzelnen Nachbuchungen jedoch nicht per SMS wider­sprechen. Dauer­haft abstellen lässt sich die Daten­automatik von o2 über die Service-Hotline unter 55 22 2 aus dem o2-Netz oder unter 089 - 78 79 79 40 0 aus dem deutschen Fest­netz. Sollten Sie es sich hinter­her anders über­legen, können Sie die Daten­automatik jeder­zeit reakti­vieren.

Alternativ ist auch die Kündigung über das Internet möglich. Loggen Sie sich hierzu unter Mein o2 mit Ihren Zugangs-Daten ein und klicken Sie im Abschnitt "Daten­auto­matik" auf "Weitere Infos". Auf der folgenden Seite setzen Sie ein Häkchen bei "Ich möchte die Daten­auto­matik unwider­ruflich deakti­vieren" und klicken anschlie­ßend auf den Button "Daten­auto­matik deakti­vieren". Bis die Änderung wirksam wird, können ein bis zwei Tage ver­gehen. War die Deakti­vierung erfolg­reich, erhalten Sie eine Bestäti­gungs-SMS.

Ganz ohne Daten­automatik kommen die neuen o2-Free-Tarife aus. Hierbei handelt es sich um Smart­phone-Tarife mit (fast) echter Inter­net-Flat­rate.

Drillisch-Marken: Einheitlicher Tarif, oft ohne Kündbarkeit

Drillisch Online
Konditionen Marken
3 x 100 MB
für je 2 Euro
Alle Drillisch-
Marken mit
Datenautomatik
 
zum Beispiel:
 
Keine
Datenautomatik
Drillisch-Marken
ohne Datenautomatik:
 
 
Besonderheiten
Dauerhafte
Kündigung
nur bei
einigen Marken
 
Einmaliger
Widerspruch
per SMS
nein
 
Automatische
Hochstufung
in einen
teureren Tarif
nein
Stand: September 2016
Inzwischen setzt auch Drillisch Online bei einigen seiner Marken die Datenautomatik ein, so unter anderem bei yourfone, smartmobil, DeutschlandSIM oder WinSIM. Ist das monatliche Inklusiv-Volumen verbraucht, werden bis zu dreimal 100 MB Highspeed-­Volumen für jeweils 2 Euro nachgebucht. Die Surf-­Geschwindig­keit beträgt dann bis zu 50 MBit/s im LTE-Netz. Der Kunde wird automatisch per SMS über die Nachbuchung informiert, kann jedoch nicht widersprechen.

Bei einigen Drillisch-Tarifen ist das Feature standardmäßig integriert und kann nicht abgeschaltet werden. Wenn sie fest in den Tarif integriert wurde, ist die Daten­automatik weder vorübergehend noch dauerhaft kündbar. Auf den Webseiten der jeweiligen Drillisch-Marken wird dies durch folgenden Hinweis gekennzeichnet: "Die Daten­automatik ist fester Tarifbestandteil". Kunden sollten daher stets auf das Kleingedruckte achten.

Wer keine zusätzlichen Daten­pakete wünscht, kann die Drillisch-Marken discoPLUS, discoSURF, discoTEL oder M2M-mobil nutzen, die auch weiterhin keine Daten­automatik beinhalten.

Keine Datenautomatik bei Telekom und BASE

BASE Daten-Snacks
Konditionen Tarife
200 MB für
2,99 Euro
einmalig
Base Light
Base Pur
500 MB für
4,99 Euro
einmalig
Base Light
Base Pur
Base Plus
Base Pro
2 GB für
14,99 Euro
einmalig
Base Plus
Base Pro
Die Deutsche Telekom verzichtet nach wie vor auf Datenautomatik. Allerdings können Kunden, die einen Magenta-Mobil-Tarif gebucht haben, zusätzliches Highspeed-Volumen nachkaufen. Die Nachbuchung erfolgt jedoch nicht automatisch, sondern muss vom Kunden ausdrücklich angefordert werden. Dies kann per Handy über pass.telekom.de erfolgen.

Auch bei BASE muss das zusätz­liche Daten-Volumen aus­drück­lich ange­fordert werden. Kunden können wählen zwischen einem monatlich künd­baren Surf-Upgrade oder einem zusätz­lichen Daten-Snack, für den nur einmalig gezahlt wird und der dann für den Rest des Abrech­nungs­zyklus gilt (siehe Tabelle). Lang­fristig wird Telefónica Base-Kunden voll­ständig zu o2 migrieren.

Datenautomatik vor Gericht: Das Urteil zur Verbraucher­schutz­klage

In einem Urteil gegen Telefónica Deutschland vom 11. Februar 2016 forderte das Landgericht München I (Aktenzeichen 12 O 13022/15) eine Nachbesserung bei der Datenautomatik und verbot die Funktion der automatischen Höherstufung in einen teureren Tarif. Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen die Ausgestaltung der Datenautomatik vor allem wegen unzureichend gekenn­zeich­neter indirekter Vertragsänderungen, welche kostenpflichtige Zusatzleistungen sowie Tarifupgrades ohne aktive Zustimmung des Kunden vorsahen. Der gerichtliche Urteilsspruch folgte dieser Kritik.

Zum Hintergrund: Die Datenautomatik in Smartphone-Tarifen der Marke o2 beinhaltete ein dreimaliges kosten­pflich­tiges Nachbuchen von Datenvolumen. Wurde diese Möglichkeit in drei auf­ein­ander­folgenden Monaten genutzt, stufte Telefónica den Kunden bis dato automatisch und ohne ausdrückliche Zustimmung in einen wesentlich teureren Tarif mit mehr Daten­volumen hoch. Das Zurücksetzen auf den alten Tarif war dann allerdings erst für den nachfolgenden Abrechnungsmonat wieder möglich.

Bereits 2014 wurde E-Plus auf­grund derselben Prob­le­ma­tik wegen eigen­mäch­tiger Vertrags­änderung von der Verbrau­cher­zentrale NRW abgemahnt und hatte anschließend die Option der automatischen Tarif-Erhöhung den Kunden zur Wahl gestellt. Mittlerweile ist die zur Kritik stehende Funktion nicht mehr Bestandteil der Tarife von o2 und BASE, auch wenn das aktuelle Gerichtsurteil noch nicht rechtskräftig ist, denn Telefónica hat Revision vor dem Berufungs­gericht eingelegt.

Eine weitere Verbraucherschutz-Klage zur Datenautomatik ist noch anhängig: Diesmal steht die Option SpeedGo von Vodafone auf dem Prüfstand. Verhandelt wird ab dem 12. August 2016 in Düsseldorf. Wie sich die Gerichts­entschei­dungen langfristig auf die Praxis der Daten­automatik auswirken werden, wird sich zeigen.

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