Carrier-Billing

Apps per Handy-Rechnung bezahlen: Carrier-Billing

Wer über das Mobilfunk-Netz in einem Appstore surft, kann Apps und In-App-Käufe häufig auch direkt über seine Handy-Rechnung bezahlen. Doch das Verfahren hat einige Voraus­setzungen und Risiken.
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Carrier-Billing: Apps per Handy-Rechnung bezahlenCarrier-Billing: Apps per
Handy-Rechnung bezahlen
"Carrier-Billing" ist ein sperriges Fremdwort, doch was dahinter steckt, ist eigentlich ganz einfach: In vielen Appstores, wie etwa Google Play, kann der Nutzer kosten­pflichtige Apps über seine Handy-Rechnung bezahlen. Der Kaufpreis für die App wird dann mit der nächsten Mobilfunk-Rechnung beglichen (Postpaid) oder bei Prepaid-Nutzern vom aufgeladenen Handy-Guthaben abgezogen. Der Mobilfunk­anbieter sorgt dann dafür, dass das Geld beim Appstore-Betreiber ankommt. Das Verfahren ist vor allem für Handy-Besitzer interessant, die im Appstore ohne Kreditkarte und Paypal bezahlen wollen.

Bezahlen per Handy-Rechnung in allen großen Appstores

Vor jedem Kauf kann der Nutzer die Bezahlmethode ändern.Vor jedem Kauf kann der Nutzer die Bezahlmethode ändern. Prinzipiell gibt es die Option zum Bezahlen über die Mobilfunk-Rechnung zum Beispiel bei Google Play, Windows Store, Blackberry World, Amazon App-Shop und Samsung Galaxy Apps. Mittlerweile ist Carrier Billing auch im Apple App Store möglich für Kunden der erhältlichen Mobilfunk­marken im Vodafone- und Telefónica-Netz. Im Einzelfall kommt es also darauf an, bei welchem Dienst der Kunde über welches Mobilfunk-Netz bezahlen will - welcher Netzbetreiber die Bezahloption in den häufig genutzten Appstores unterstützt, sehen Sie in der nachfolgenden Übersichtstabelle. Hat ein Netzbetreiber keine Vereinbarung mit dem Appstore-Betreiber geschlossen, so wird auch kein Carrier-Billing angeboten. Dennoch ist es nicht zwingend notwendig, direkter Kunde bei einem Netzbetreiber zu sein, denn auch andere Marken (wie zum Beispiel einzelne Mobilfunk-Discounter) bieten diese Funktion je nach Netz an.

Direct Carrier Billing nur über das Mobilfunk-Netz möglich

App im Google Play Store kaufenApp-Kauf im Google Play Store per o2-Handyrechnung
(Zur Bildergalerie auf das Bild klicken.)
Stellt der eigene Mobilfunk-Anbieter Carrier-Billing als Zahlungsmethode für den genutzten Appstore zur Verfügung, so muss der Kunde keine weiteren Einstellungen vornehmen. Die Option zum Bezahlen über die Mobilfunk-Rechnung erscheint dann nach der Auswahl einer App oder eines In-App-Gegenstands zum Kauf. Beim ersten Aufruf bestätigt der Nutzer in der Regel die AGB seines Netzbetreibers zum mobilen Bezahlen.

Das Direct Carrier Billing, bei dem die SIM-Karte als Identifikationsmedium dient, wird als Option zum Bezahlen über die Mobilfunkrechnung jedoch nur dann angezeigt, wenn der Nutzer über das Mobilfunk-Netz surft - etwa per LTE, 3G (UMTS) oder EDGE (GPRS).

Vom PC aus sowie beim mobilen Surfen im Internet per WLAN ist das Bezahlen per Mobilfunk­rechnung alternativ über ein SMS-TAN-Verfahren möglich. Allerdings ist das Verfahren der mTAN in der Vergangenheit immer wieder im Kontext des mobilen Online-Banking wegen spezifischer Risiken in die Kritik geraten. Und auch zahlreiche Nutzer von Facebook - das selbst Carrier-Billing per SMS-Code für In-App-Käufe in Spielen über die Zahlungs­dienst­leister Zong (Paypal) und BOKU auf seiner Plattform unterstützt - wurden bereits Opfer einer Abzockmasche mittels gefakter Facebook-Profile.

Weitere Voraussetzungen für Carrier-Billing

Für Prepaid-Kunden gilt die besondere Einschränkung, dass sie nur so viel Geld per Carrier-Billing ausgeben können, wie sie zuvor an Guthaben auf ihr Mobilfunk-Konto aufgeladen haben. Ob die Bezahloption im Postpaid- und Prepaid-Verfahren tatsächlich genutzt werden kann, ist zudem einerseits abhängig vom verwendeten Gerät (zum Beispiel ob Premium­dienste unterstützt werden), andererseits aber auch vom Konto-Status sowohl beim Appstore- als auch beim Mobilfunkanbieter. Hinzu kommen noch spezifische (teils technische) Einschrän­kungen und Bedingungen der App­stores.

Im Google Play Store ist das Bezahlen per Mobilfunk­rechnung beispielsweise aus­schließ­lich über die Google-Play-Store-App und nicht via Web-Browser möglich. Nach der Regis­trie­rung für die direkte Mobilfunk­abrechnung (Direct Carrier Billing) beziehungs­weise nach einem App-Kauf über diese Zahlungsmethode, erhalten Sie womöglich eine SMS mit dem Inhalt "DCB_ASSOCIATION" - keine Sorge, dies ist lediglich eine Bestätigung.

Für den Apple App Store ist wie bei allen Apple-Diensten die Anmeldung mit der Apple-ID erforderlich. Unter Zahlungsdaten kann dann die Zahlungsoption Handyrechnung ausgewählt werden, sowohl über die mobile App-Store-App oder iTunes-App für iPad, iPhone und iPad als auch via iTunes am Mac oder PC. In beiden Fällen wird zunächst überprüft, ob der Netzbetreiber die Zahlungsmethode unterstützt: Wird der Computer verwendet oder ein Handy, das nicht mit dem Mobilfunktarif verknüpft ist, muss die entsprechende Mobilfunknummer angegeben und verifiziert werden und zwar durch die Eingabe eines per SMS zugesandten Einmal-Codes.

Verfügbarkeit nach Handy-Netz: Carrier-Billing in ausgewählten Appstores

Telefónica
(o2 / E-Plus)
Telekom Vodafone
Amazon App-Shop ja - -
Apple App Store ja - ja
Blackberry World ja ja ja
Google Play ja ja ja
Samsung Galaxy Apps ja ja ja
Windows Store ja ja ja
Stand: Februar 2017
Falls das Bezahlen von Apps per Handy-Rechnung bei Ihrem Appstore oder Netzbetreiber nicht möglich ist, gibt es einige weitere Optionen. Einen Überblick, welche Bezahlverfahren Google Play, Apple App Store und Co. anbieten, haben wir für Sie in unserem Ratgeber zum Bezahlen in den Appstores zusammengestellt.

Potenzielle Kostenfalle - vor allem für Kinder und Jugendliche

Im Gegensatz zu anderen Bezahl­methoden wie etwa Paypal, Kreditkarte oder Last­schrift muss der Nutzer für Carrier-Billing nicht extra seine Konto­daten hinter­legen. Es reicht aus, dass er im jeweiligen Appstore angemeldet ist, also beispiels­weise in Google Play mit seiner Google-ID. So kann es passieren, dass Nutzer zum Beispiel durch In-App-Käufe in kosten­losen Spielen unerwartet hohe Kosten verur­sachen - gerade Kinder und Jugendliche. Es kann also sinnvoll sein, das Bezahlen über die Handy-Rechnung einzu­schränken. Dafür gibt es zwei Wege: Entweder direkt beim Mobilfunk­anbieter oder bei jedem Appstore einzeln.

Voll- und Teilsperre von Diensten beim Mobilfunkanbieter

Seit der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes im Jahr 2012 sind Mobilfunk­anbieter verpflichtet, auf Wunsch unentgeltlich eine Drittanbieter­sperre einzurichten (§ 45d Abs. 3 TKG). Durch diese sind dann (falls gewollt) keinerlei Ab­rech­nungen mehr von anderen Diensten möglich, ob nun Appstores oder etwa Anbieter von Premium-SMS und WAP-Billing (mehr dazu im Abschnitt: Weitere Bezahlmethoden per Handy-Rechnung). Eine generelle Sperre ist vor allem bei Kindern und Jugend­lichen - für deren Handy-Rechnung in der Regel die Eltern aufkommen - sowie für technisch weniger versierte Smartphone-Nutzer sehr empfehlenswert. Die Verbraucherzentrale hat einen Musterbrief für den Antrag beim Mobilfunkanbieter zur Verfügung gestellt.

Kostenfallen vermeiden: Carrier-Billing, WAP-Billing und Premium-SMSMit Drittanbietersperre versteckte Kostenfallen vermeiden bei Carrier-Billing & Co. Da unter Umständen mit einer Komplett-Sperre auch nützliche Dienste des Anbieters blockiert werden, bieten die einzelnen Mobilfunkanbieter darüber hinaus auch verschiedene Teilsperren an, bei denen entweder eigene Dienste weiterhin zugelassen bleiben oder nach verschiedenen Kategorien gesperrt wird (häufig unterteilt in die Bereiche Information/Unterhaltung, Tickets, Spenden, Kinder- und Jugendschutz sowie Appstores/Software). Zumeist kann die gewünschte Sperre per Hotline, per Fax oder im Online-Kundencenter des eigenen Anbieters in Auftrag gegeben werden. Bestehende Abos muss der Kunde allerdings nach wie vor direkt beim jeweiligen Drittanbieter kündigen. In Bezug auf Abofallen unseriöser Anbieter ist allerdings höchstwahrscheinlich ebenfalls der Mobilfunkanbieter in der Pflicht, den Sachverhalt zu bearbeiten.

So sperren Sie Carrier-Billing bei Google Play und Windows Store

Es ist ebenso möglich, Carrier-Billing direkt im Smartphone oder Tablet für einen konkreten Appstore zu sperren. Dafür müssen je nach Betriebssystem unterschied­liche Einstellungen vorgenommen werden. Eine selektive Sperre durch eine PIN bietet sich zum Beispiel für ein Tablet an, das von mehreren Familienmitgliedern genutzt wird.

Für den Google Play Store kann der Android-Nutzer in der Google-Play-App unter Einstel­lungen - Authentifizierung für Käufe erforderlich verschiedene Arten der Authentifizierung für Käufe festlegen: zum Beispiel die Verwendung einer PIN (einem Passwort für das Google-Konto), die wahlweise bei jedem In-App-Kauf oder nur alle 30 Minuten eingegeben werden muss. Auch eine Authentifizierung per Finger­abdruck ist möglich, wenn das Gerät dafür ausgelegt ist. Die entsprechende Festlegung muss für jedes verwendete Google-Konto und auf jedem Gerät einzeln vorgenommen werden.

Um Einkäufe im Store einzuschränken, können Eltern seit dem Upgrade auf Windows 10 Mobile für alle Microsoft-Konten (auch das Windows Phone) spezifische Familienfreigaben über die Webseite account.microsoft.com/family vornehmen - für Store-Einkäufe der Kinder kann ein bestimmtes Kostenlimit festgelegt werden, es ist möglich, bestimmte Apps und Spiele zu blockieren und es gibt eine voreingestellte Altersfreigabe für Web-Inhalte.

Weitere Bezahlmethoden per Handy-Rechnung: WAP-Billing, Premium-SMS

Wie bereits erwähnt, gibt es neben der Abrechnung per Carrier-Billing noch zwei weitere Möglichkeiten, wie Nutzer verschiedene Dienste über ihre Mobilfunk-Rechnung bezahlen können: WAP-Billing und Premium-SMS.

Per WAP-Billing können App-Entwickler Entgelte aus In-App-Käufen direkt mit dem Mobilfunk-Anbieter abrechnen - ohne Umweg über einen Appstore-Betreiber. Dazu wird nach dem Klick auf ein entsprechendes Banner die Mobilfunk-Rufnummer (MSISDN) des Handynutzers per WAP-Protokoll an den Netzbetreiber gemeldet. Die Kosten für den Einkauf werden dann vom Prepaid-Guthaben abgezogen oder tauchen in der nächsten Handy-Rechnung auf.

Mit einer Premium-SMS können per Kurzwahl verschiedene Mehrwertdienste wie zum Beispiel Klingeltöne bestellt oder SMS-Chats genutzt werden. Hinter einem solchen kostenpflichtigen Angebot kann sich aber beispielsweise auch ein unfreiwilliges Abonnement verbergen, das die Mobilfunkrechnung enorm in die Höhe treibt. Neben Carrier-Billing können also auch Premium-SMS und WAP-Billing zur Kostenfalle werden, wenn sich der Nutzer nicht bewusst ist, wie viel Geld er gerade ausgibt.

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