Ratgeber

5G Broadcast: Rundfunk ohne Datenverbrauch

5G Broad­cast sorgt für neue Möglich­keiten der Rund­funk­verbrei­tung an mobile Endge­räte. Erst­mals werden hierbei High-Power High-Tower (HPHT)-Anwen­dungen im Down­link-only-Modus möglich. Derzeit befindet sich die neue Tech­nologie noch in der Erpro­bungs­phase.
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5G Broad­cast ist einer von mehreren Arbeits­titeln für einen neuen Rund­funk­modus. Eine offi­zielle Bezeich­nung wie DVB-T2 HD gibt es noch nicht. Das Verfahren dahinter nennt sich FeMBMS (Further evolved Multi­media Broad­cast Multi­cast Service) und basiert auf den Mobil­funk­stan­dards 4G und 5G. Die Stan­dardi­sierung des Verfah­rens ist 2017 abge­schlossen worden.

5G Broad­cast sorgt für neue Möglich­keiten der Rund­funk­verbrei­tung an mobile Endge­räte. Erst­mals werden hierbei High-Power High-Tower (HPHT)-Anwen­dungen im Down­link-only-Modus möglich, beispiels­weise über das bestehende Rund­funk­sender­netz. In schlecht erreich­baren Regionen und Groß­städten können Mobil­funk-Basi­stationen das Netz ergänzen.

Auf Smart­phones und Tablets konnten sich aus diversen Gründen die bestehenden digi­talen Rund­funk­tech­nolo­gien DAB+ und DVB-T2 HD nicht etablieren. Ein Broad­cast-Modus hat den entschei­denden Vorteil, dass Daten nicht wie bisher an nur einen (Point-to-Point), sondern an tausende Teil­nehmer gleich­zeitig und nur einmal (Point-to-Multi­point) gesendet werden müssen. Schon oft haben wir darüber berichtet, dass es beispiels­weise bei der Über­tragung eines Fußball­spiels zu einem völligen Zusam­menbruch beim Strea­ming gekommen ist. Diese Probleme gehören mit 5G Broad­cast der Vergan­genheit an.

Zugang noch nicht gere­gelt

5G-Broadcast: Möglicherweise die Zukunft5G-Broadcast: Möglicherweise die Zukunft Im Stan­dard ist zumin­dest theo­retisch fest­gelegt, dass es möglich sein muss, die ausge­strahlten Inhalte auch ohne Verschlüs­selung und ohne SIM-Karte zu empfangen. Dagegen wehren sich aber bisher die Mobil­funk­betreiber. Sie inves­tieren erheb­lich in den Netz­aufbau und refi­nanzieren diese Inves­titionen durch High­speed-Daten­volu­mina oder immer mehr Flat­rates.

Da die Über­tragung der Medi­enin­halte über 5G Broad­casting nicht inter­netba­siert erfolgt, müssen Conten­tan­bieter die Verbrei­tungs­kosten zusätz­lich über­nehmen, ähnlich wie es heute beim terres­trischen Digi­talradio DAB+ oder dem Fern­sehpen­dant DVB-T2 HD der Fall ist. Wichtig für die Cont­entbe­treiber dürfte sein, wie viele Personen gleich­zeitig auf einen Stream zugreifen. Ab einer noch nicht näher defi­nierten Teil­nehmer­zahl wäre eine Verbrei­tung über Broad­cast kosten­güns­tiger als das klas­sische Point-to-Point-Strea­ming. Endge­räte würden in diesem Fall von sich aus regeln, ob sie den Stream klas­sisch oder im Broad­cast-Modus zugäng­lich machen.

Pilot­projekt in Ober­bayern wird verlän­gert

Bislang wird der Empfang der Signale noch in Labors erprobt. Eines der größten Forschungs­projekte auf dem Gebiet war 5G Today. Daran sind das Institut für Rund­funk­technik (IRT), der Anten­nenher­steller Kathrein, der Sender­hersteller Rohde & Schwarz, der Baye­rische Rund­funk (BR) und der Mobil­funk­anbieter Telefónica betei­ligt. Die Partner unter­suchten die groß­flächige TV-Über­tragung im Rund­funk­modus über zwei Rund­funk­sender (Wendel­stein und Isma­ning) in Ober­bayern. Eigent­lich sollte das Projekt bereits 2019 beendet sein, aufgrund des erst jungen Status von FeMBMS sind aller­dings auch weiterhin detail­lierte Unter­suchungen zum Synchro­nisa­tions­verhalten und der daraus resul­tierenden Versor­gungs­qualität nötig. Unter den Projekt­part­nern besteht daher Einig­keit, die mit 5G Today begon­nenen Arbeiten fort­zusetzen und das Test­feld noch über die geplante Projekt­dauer weiter­zube­treiben.

Geplant ist, die über 5G Broad­cast ausge­strahlten Medi­enin­halte auch abseits von Smart­phones und Tablets empfangbar zu machen. Ein wich­tiger Bestand­teil soll der Bereich Car-Enter­tain­ment werden, aber auch eine Inte­gration auf klas­sischen Koffer­radios, HiFi-Anlagen, Set-Top-Boxen oder Fern­sehern wird ange­strebt. Hierfür müssen aber zunächst trag­fähige Geschäfts­modelle entwi­ckelt werden. Vor 2030 rechnen Experten nicht mit einem entspre­chenden Roll-out.

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