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Terminierungs-Entgelte: Reaktionen der Handy-Netzbetreiber

Telekom spricht von "katastrophaler Entscheidung", o2 droht mit LTE-Verzögerung
Von Marc Kessler
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Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat gestern eine starke Senkung der Mobil­funk-Terminier­ungs­ent­gelte - auch Interconnection-Entgelte genannt - beschlossen. Demnach dürfen die vier deutschen Handy-Netzbetreiber ihren Wettbewerbern für die Durchleitung von Verbindungen in ihre Netze nur noch Nettopreise von 3,33 Cent (Vodafone, E-Plus), 3,36 Cent (Deutsche Telekom) beziehungsweise 3,37 Cent (o2) pro Minute berechnen. Dabei sind die neuen Entgelte allerdings noch nicht final genehmigt; dies soll erst nach den "erforderlichen nationalen und europäischen Konsultationen" Mitte bis Ende des ersten Quartals 2011 geschehen. Die nun vorgeschlagenen Preise sollen dann aber rückwirkend zum 1. Dezember dieses Jahres gelten und bis zum 30. November 2012 gültig sein.

Telekom: "Katastrophale Entscheidung für den deutschen Mobilfunkmarkt"

Deutlich geringere IC-Entgelte: Die ReaktionenDie deutlich abgesenkten
Mobilfunk-Terminierungsentgelte
stoßen bei den Mobilfunkern
naturgemäß auf wenig Gegenliebe
teltarif.de hat die vier großen Mobilfunker um ein Statement zur überraschend starken Absenkung der IC-Entgelte durch die BNetzA gebeten. Dabei fällt die Reaktion der Deutschen Telekom mehr als eindeutig aus: "Es handelt sich um eine katastrophale Entscheidung für den deutschen Mobilfunkmarkt, insbesondere auch wegen der anstehenden LTE-Investitionen", sagt der für Regulierungsfragen zuständige Pressesprecher Philipp Blank. "Eine Absenkung im Umfang von rund 50 Prozent war weder aufgrund eigener Entgelt­verfahrens­vorgaben der Bundes­netzagentur noch aufgrund europarechtlicher Vorgaben geboten. Die Bundesnetzagentur hätte jede Möglichkeit gehabt, wie in den vergangenen Jahren eine moderate Absenkung vorzunehmen."

Die Telekom greift die Regulierungsbehörde zudem scharf an: "Offensichtlich wird hier blind umgesetzt, was man als europäische Vorgaben empfindet. Auch die überwiegende Zahl der Marktteilnehmer, die für eine Absenkung war, hatte sie nicht in diesem Umfang gefordert, sondern war von 25 Prozent ausgegangen. Die Entscheidung ist ein völlig verfehltes Signal an den deutschen Mobilfunkmarkt und stellt die Breitbandstrategie der Bundesregierung in Frage."

o2 droht mit verzögertem LTE-Ausbau

Mobilfunk-Terminierungsentgelte im Europa-VergleichDie europaweit ab 2011 geltenden
Mobilfunk-Terminierungsentgelte im Vergleich
Der Münchener Mobilfunker o2 schlägt in dieselbe Kerbe und droht indirekt mit einem langsameren LTE-Ausbau: "Die heutige Entscheidung der BNetzA behindert die Breitbandstrategie der Bundesregierung, da dem Markt unnötig Investitionsmittel entzogen werden. Kunden in ländlichen Gebieten hätten bei einer vorausschauenderen Entscheidung zu den Mobilfunk-Terminierungs­entgelten wesentlich schneller mit mobilem Breitband versorgt werden können." Zudem halte man die starke Absenkung - wie auch die Telekom - gar nicht für erforderlich. "Die Entwicklung der Tarife in den letzten Jahren zeigt, dass der Mobilfunk-Markt gut funktioniert. Die Regulierungs­entscheidung der BNetzA ist nicht förderlich für weitere Innovationen und schadet dadurch den Kunden in Deutschland."

E-Plus kritisiert Angleichung der IC-Entgelte

Aus der E-Plus-Zentrale in Düsseldorf sind indes moderatere Töne zu vernehmen: "Grundsätzlich teilen wir die Auffassung der Bundesnetzagentur, dass die Mobilfunk­terminierungs­entgelte sinken müssen. Es ist allerdings unverständlich, dass die Bundesnetzagentur von einem Tag auf den anderen eine derart deutliche MTR-Absenkung vornimmt. Dies erschwert die Planung für sämtliche Marktteilnehmer", sagt Guido Heitmann, Corporate-Relations-Manager bei E-Plus. Bei E-Plus fühlt man sich auch deshalb benachteiligt, weil man - im Gegensatz zur bisherigen Situation - nun keine höheren Terminierungsentgelte als die D-Netz-Betreiber verlangen kann. Grund dafür ist ein neues Berechnungsmodell der Bundesnetzagentur, das auf die "Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung" auf Basis der "aktuellen Wiederbeschaffungswerte" abstellt. Heitmann dazu: "Zudem berücksichtigt die heutige Entscheidung die zu einer anhaltende Marktdominanz führende Frequenzausstattung von Telekom/Vodafone bei 900 MHz nicht. Richtigerweise hätte es weiterhin zu spürbaren Unterschieden zwischen den Entgelten der dominanten Marktführer und den E-Netzbetreibern kommen müssen, die diese Marktdominanz widerspiegeln."

Vodafone will Entscheidung (noch) nicht kommentieren

Der ebenfalls in Düsseldorf ansässige Netzbetreiber Vodafone wollte die Entscheidung der BNetzA auf Anfrage von teltarif.de noch nicht kommentieren. Zunächst wollte man die Entscheidung auch juristisch prüfen lassen, so ein Sprecher. Erst danach werde man ein eventuelles Statement zu dem Thema kommunizieren, hieß es aus der Konzernzentrale am Seestern.

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