Bedenken

Bürgerbeauftrager: 5G-Bedenken ernst nehmen

Mobil­funk-Branche muss ihre Kunden ernster nehmen und pfleg­licher behan­deln. Enttäuschte Kunden könnten zu schärfsten Gegnern werden. Damit ist keinem geholfen.
Von mit Material von dpa
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Es ist nichts Neues. Wenn neue Technik einge­führt wird, haben Menschen, die sich damit nicht auskennen, erst einmal Bedenken oder sogar Angst. Das war beispiels­weise bei der ersten Eisen­bahn zwischen Nürn­berg und Fürth der Fall. Kritiker hatten Bedenken, dass die hohe Geschwin­digkeit der Züge (etwa 35-40 km/h) gesund­heit­liche Folgen für die Reisenden haben könnte. Inzwi­schen gibt es Züge, die in Deutsch­land mit 300 km/h und inter­national noch wesent­lich schneller fahren.

Als der digi­tale Mobil­funk ab etwa 1991 in Deutsch­land einge­führt wurde, kamen bald die Bedenken. Diese "Strahlen" könnten doch, müssten doch, würden doch... Es wurde geforscht und unter­sucht und Studien erstellt und am Ende kam heraus, dass mögli­cher­weise ... Auf jeden Fall würden noch mehr Studien gebraucht, es müsse weiter geforscht werden.

Was spricht ausge­rechnet gegen 5G?

Mobilfunkantennen: Der Fan erkennt sofort die Möglichkeiten, andere Mitbürger haben "Angst" davor.Mobilfunkantennen: Der Fan erkennt sofort die Möglichkeiten, andere Mitbürger haben "Angst" davor. Nun also 5G. Der tech­nisch nicht so inter­essierte Bürger fragt sich, was ist das? Brauch ich das? Will ich das? Schadet mir das?

Die Strah­lung. Strah­lung gibt es in der Natur, im Welt­raum, seit Anfang an. Zur Nach­rich­tenüber­tragung werden auf der Erde seit knapp 120 Jahren Sender betrieben, teil­weise mit richtig hohen Leis­tungen. Ein UKW-Sender auf dem Berg kann mit 100 kW oder 100.000 Watt senden. Ein Radar-Sender, zum Beob­achten von Flug­zeugen oder anderen Dingen konnte noch viel stärker sein. TV-Sender aus der analogen TV-Zeit brachten es locker auf 500 kW und Kurz­wellen­sender wie der (nicht mehr exis­tierende) Mittel­wellen-Sender bei Heus­weiler (Saar­land) hatte 1,2 MW oder 1.200 kW Sende­leis­tung.

Wie weit sollte ich wegbleiben?

Die Leis­tung eines Mobil­funk­senders liegt mit etwa 10 bis 50 Watt weit darunter. Nur, deren Antennen sehen manchmal irgendwie "bedroh­lich" aus. Ein D-Netz-Mobil­telefon der Anfangs­zeit sendete mit 8 Watt, ein GSM-Handy mit maximal 2 Watt, heute liegen die Werte weit darunter. Die Sende­leis­tung redu­ziert sich, je "näher" der nächste Mobil­funk­sender steht. Rund um jeden Mobil­sender gibt es Sicher­heits­abstände, die auf den Seiten der Bundes­netz­agentur nach­gelesen werden können.

Werden wir alle über­wacht?

Die Über­wachung: 5G ermög­licht, viel schneller, viel mehr Daten aus allen Ecken und Enden unserer Welt auszu­tauschen. Jeder Kühl­schrank, jede Zahn­bürste können Daten austau­schen. Damit kann man Menschen helfen, sie aber auch über­wachen. Nur die Technik komplett abzu­lehnen hilft da nicht weiter. Jeder, der ein Smart­phone mit Android oder iOS verwendet, kann heute schon über­wacht werden, wenn die Pass­wörter "einfach" sind oder an Freunde und Bekannte weiter verteilt werden. Wir sollten uns dessen bewusst sein und dann in Ruhe entscheiden, welche Infos wir weiter geben wollen und welche nicht.

Bürger­beauf­tragter: Bedenken ernst nehmen

Politik und Wirt­schaft müssen sich nach Ansicht des Bürger­beauf­tragten der baye­rischen Staats­regie­rung beim Ausbau des 5G-Netzes für den Mobil­funk und schnelles Internet mehr mit den Sorgen der Menschen befassen. "In all der Euphorie über die Umset­zung der Tech­nologie machen sich die Bürge­rinnen und Bürger Bayerns aller­dings auch Sorgen über die gesund­heit­lichen Auswir­kungen durch den Ausbau und den Einsatz von 5G. Diese Sorgen müssen alle Verant­wort­lichen viel ernster nehmen", sagte Klaus Holet­schek gestern in München.

Nur wie könnte das gehen?

Dazu gehöre, so Holet­schek, dass die Bevöl­kerung ausrei­chend und fort­laufend über Forschungs­ergeb­nisse und Grenz­werte sowie über den Ausbau unter­richtet würden. "Wir müssen den Dialog mit den Bürgern suchen", betonte Holet­schek. Er sieht auch die Mobil­funk­betreiber in der Pflicht: "Diese müssen sich noch viel stärker präventiv enga­gieren." Wenn man die Menschen, die mit Technik nicht so vertraut sind, mit teil­weise wider­sprüch­lichen Forschungs­ergeb­nissen über­schüttet, kann das viel­leicht mehr verwirren, als helfen.

Wichtig ist, dass die Branche lernt, ihren Kunden zuzu­hören und aufhört, ihnen Dinge zu verkaufen, von denen klar absehbar ist, das der einzelne Kunde im Laden sie höchst­wahr­schein­lich gar nicht braucht oder nicht will. Wichtig ist, dass Hilfe suchenden Kunden, die mit der Bedie­nung ihres Gerätes nicht klar kommen, geholfen wird. Das wird Zeit und damit auch Geld brau­chen.

Wenn aber die "abge­hängten" und "enttäuschten" Kunden sich den "Heil­spre­digern" und vermeint­liches "Strah­lenschüt­zern" anver­trauen und dann erst mal vor Gericht landen, um neue Sende­anlagen zu verhin­dern ist keinem geholfen.

Wer dem Frieden nicht traut, kann versuchs­weise sein Handy ausschalten und (soweit möglich) den Akku heraus­nehmen. Doch genau das kann auch innere Unruhe auslösen. Wollte nicht in gerade diesem Augen­blick mein bester Freund, meine beste Freundin mich errei­chen?

Wie man eine bessere Netz­versor­gung mit klei­neren (unsicht­baren) Antennen hinbe­kommt, zeigt die Deut­sche Telekom in ihrem Video.

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