Nordisch voraus

Nordische Länder wollen Vorreiter bei 5G werden

Früh starteten zellulare Mobilfunknetze in Skandinavien. Handys von Ericsson oder Nokia beherrschten lange den Markt. Bei 5G möchte die Region wieder ganz vorne mitmischen.
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Werden die Länder Nordeuropas auch bei 5G wieder eine führende Rolle einnehmen?Werden die Länder Nordeuropas auch bei 5G wieder eine führende Rolle einnehmen? Nicht nur in den USA oder Mitteleuropa steht das Thema 5G derzeit ganz oben auf der Tagesordnung, sondern auch in Nord-Europa zu denen neben Skandinavien auch Island gehört. Schon früh beschäftigten sich die Fernmelde­verwaltungen, Telekom­munikations­anbieter und die Industrie in Nord-Europa mit zellularem Mobilfunk. Das NMT-(Nordic Mobile Telephone)-System wurde in den skandinavischen Ländern (NMT) und der Schweiz (NATEL-C) bereits in den 1980iger Jahren ausgerollt, zunächst auf 450 MHz und später auch auf 900 MHz (NATEL-C). Es erlaubte damals schon grenzüberschreitendes Roaming, während Deutschland noch auf sein von Siemens alleine entwickelte "C-Netz" setzte, das zu nichts in der Welt "kompatibel" war. Kopien des C-Netz-Systems gingen mit vertauschten Frequenzen (um privaten Geräteimport zu verhindern) nach Portugal und nach Südafrika.

Nordisches Gipfeltreffen

Kürzlich haben sich die Staatschefs der "Nordic Countries" zusammengesetzt, um einen ersten Schritt in die Zukunft des Mobilfunks zu machen. Ihre Regierungschefs unterzeichneten ein weitreichendes Abkommen über den Aufbau von 5G in der gesamten Nordischen Region, mit dem Ziel, den digitalen Handel und die Produktion voranzubringen und der neuen Technologie ordentlich Schub zu verleihen. Das berichtet die zum GSMA-Weltverband gehörende Seite mobileworldlive.com. In diesem Vertrag wurden gleich einige wichtige Eckpfeiler eingeschlagen: So sollen gemeinsame länderübergreifend Testlabors eingerichtet werden, sogenannte "Testbeds", wo neue Geräte und Software für 5G unter realistischen Bedingungen ausprobiert werden können.

Gemeinsame Koordination

Die technische Koordination der 5G-Frequenzbänder soll gemeinsam erfolgen. Es soll genaue Regeln geben, wo und wie die Netzwerke aufgebaut werden können. 5G soll Neuerungen beim Transport, bei Notfallsituationen, in der Industrieautomation, der Energieversorgung und der Landwirtschaft bringen. Hier arbeiten die nordischen Länder eng zusammen.

Erste und best ausgebaute 5G-Region der Welt

Nach Ende der Verhandlungen traten die Premierminister von Norwegen, Island, Schweden, Dänemark und Finnland vor die Presse, um zu verkünden, dass sie sich auf eine gemeinsame Vision geeinigt hätten: Sie möchten die erste und am besten integrierte Region mit 5G-Netzen auf der ganzen Welt bilden.

Das gefällt den größten Industrieunternehmen in und aus der Region, die diese Einigung der Politiker aufmerksam zur Kenntnis genommen haben. Wir erinnern uns: Lange kamen Mobiltelefone für die Mobilfunkwelt überwiegend aus Skandinavien, beispielsweise von Ericsson oder Nokia.

In einem Schreiben, das die Chefs von Ericsson, Nokia, der isländischen Telekom, der dänischen TDC-(TeleDanmark)-Group, der schwedischen Tele2-Group, der norwegischen Telenor, der schwedischen Telia und von Vodafone Island gemeinsam unterzeichnet haben, halten sie fest: "Wir freuen uns, dass die politische Führung erkannt hat, dass der Aufbau von 5G-Netzen nicht nur substanzielle Investitionen, sondern auch einen passenden Regulierungsrahmen braucht.

Ein klarer Zeitplan mit klar definierten und messbaren Vorgaben, die dem 5G-Ökosystem helfen, werden die Grundlage für den schnellen Netzaufbau bilden. Klare Regeln zur Vergabe von ausreichend Funkspektrum und das Beiseite räumen aller bürokratischen Hürden müssten dabei im Zentrum dieses Aktionsplans stehen.

Skandinavien wieder vorne?

Schon zu Beginn der GSM-Ära (ab 1992) fielen skandinavische Länder durch einen wesentlich Flächen deckenderen Netzausbau als beispielsweise in Deutschland auf. Werden sie auch bei 5G wieder weit voraus sein? In den USA ist 5G jetzt schon ein hochaktuelles Thema, welches allergrößte Euphorie bei allen Beteiligten auslöst.

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