Unterm Schutzschirm

Aptus will yourfone-Shops im Schutzverfahren retten

yourfone, als Flatrate-Discounter gestartet, kam zu Drillisch und wurde zur Shopmarke erweitert. Ohne Erfolg. Jetzt versucht der Käufer die Rettung.
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Die Drillisch AG hatte die yourfone Shopkette an die Aptus verkauft. Aptus hat jetzt ein Schutzverfahren für eine Insolvenz in Eigenregie beantragt.Die Drillisch AG hatte die yourfone Shopkette an die Aptus verkauft. Aptus hat jetzt ein Schutzverfahren für eine Insolvenz in Eigenregie beantragt. Der Mann am Telefon der teltarif.de-Redaktion klang aufgeregt und sprach sehr schnell. Soeben habe man beschlossen, das mögliche Ende der ehemaligen yourfone Shops einzuläuten. Seinen Namen wollte er nicht nennen.

Blenden wir zurück:

yourfone mit Höhen und Tiefen

Als es in Deutschland noch vier echte Netzbetreiber gab, hatte "Challenger" E-Plus im Frühjahr 2012 die Marke yourfone aus der Taufe gehoben, als erste Flatrate-Marke im Discountbereich, die am 17. April 2012 an den Start ging. Gründungschef war Hartmut Herrmann, zuvor Gründer des Discounters Klarmobil. Die Zielgruppe von yourfone waren junge Leute. Man war mit den Kunden per Du und lud sie regelmäßig zu Kundenevents in die Unternehmenszentrale nach Hamburg ein. Das Büro, eine kultige Industriehalle am Rande von Hamburg. Der Vertrieb erfolgte online, ausschließlich im Internet.

yourfone von E-Plus zu Drillisch

Mit der Fusion von E-Plus und o2 wurde yourfone überraschend an die Drillisch AG verkauft und die bisherige Markenphilosophie komplett über den Haufen geworfen. Bis dahin hatte Drillisch einen großen Gemischtwarenladen an verschiedenen Marken am Start gehabt. Kernbedingung einer Genehmigung der Fusion war, dass Drillisch als "virtueller Netzbetreiber" ins o2-Netz einstieg, was sie gerne taten. Drillisch startete im Juli 2015 unter der Marke "yourfone" eigene Shops in den Spitzenlagen der Städte und wählte dafür ein auffallendes Violett. Beobachter dachten damals, dass sich Drillisch nun auf eine wesentliche Marke konzentrieren würde. Sie täuschten sich.

Schnell wurde klar: Diese yourfone-Shops, teilweise von selbständigen Kaufleuten als Franchise, teilweise von der zu Drillisch gehörenden yourfone Shop GmbH betrieben, liefen nicht so recht. Das Problem: Die gleichen yourfone Tarife gabs im Internet meist viel günstiger. Schlaue Kunden ließen sich tagsüber im Shop beraten und bestellten abends im Internet, die Shops gingen leer aus. Außerdem musste yourfone viel Werbung machen, weil ihre Marke bei den meisten potenziellen Kunden völlig unbekannt war, geschweige denn, welches Netz sich dahinter verbirgt.

Das Ende vom Lied: Die Geschäfte liefen nicht, wie gedacht, bei Drillisch zog man Ende letzten Jahres die Reißleine und verkaufte die Shopkette zum Jahreswechsel.

Drillisch verkaufte Shops an Aptus

Alle rund 100 yourfone-Shop-Filialen wurden von der Aptus GmbH, die von einem Konsortium rund um den ehemaligen o2-Deutschland Chef René Schuster geleitet wird, übernommen, den Vertriebspartnern mit "eigenen" yourfone-Shops wurden die Verträge gekündigt.

Erst am 17. Mai 2018 wurde die yourfone Shop GmbH formal in Aptus Shop GmbH umbenannt (HRB 192938), Sitz des Unternehmens ist in Berlin (Wallstr. 15a).

Gleich darauf am 30. Mai 2018 wurde ein Insolvenzantrag gestellt und ein sogenanntes "Schutzschirm"-Verfahren beantragt, welchem das zuständige Amtsgericht am 30. Mai 2018 zugestimmt hat. Damit kann das Unternehmen in Eigenverwaltung einen Insolvenzplan ausarbeiten.

Die Kollegen von Telecom-Handel sprachen mit einem Firmensprecher der Aptus. "Das Verfahren wurde notwendig, da die Verhandlungen mit den Vermietern bezüglich marktkonformer Preise für die Verkaufsflächen überwiegend gescheitert sind. Aptus hat yourfone als Sanierungsfall übernommen und in den vergangenen Monaten bereits erfolgreich Restrukturierungsmaßnahmen einleiten können. Ziel ist es, den überwiegenden Teil der yourfone und seine Standorte zu erhalten und die Sanierung noch in diesem Jahr erfolgreich zu beenden“.

Wenn man weiß, dass Ladenmieten in den 1a-Lagen der Innenstädte, wo viel Laufkundschaft unterwegs ist, astronomische Höhen erreichen können, ist das Verhalten der "neuen" Aptus durchaus nachvollziehbar. Sie müssen versuchen, die hohen Kosten (z.B. Mieten) zu drücken, um in die neutrale oder besser die Gewinnzone zu kommen. Nach wie vor ist die Marke yourfone "draußen" kaum bekannt. In den Shops werden neben dem Mobilfunkprodukt "yourfone" im o2-Netz auch Festnetzprodukte von 1&1 angeboten, vermutlich auch weitere Mobilfunkprodukte, die ja von 1&1 nicht nur im o2-, sondern auch im Vodafone-Netz zu haben sind.

Alternative Multibrand-Stores

Den gekündigten yourfone Shop-Betreibern hatte man schon vorher geraten, einen Multibrand-Store (also ein Shop mit mehreren oder besser allen Marken) zu eröffnen. Das hat den Vorteil, dass der Händler sich an regionalen Gegebenheiten (z.B. dem örtlichen Netzausbau der von ihm verkauften Netze) und auch an aktuellen Preisaktionen seiner Lieferanten orientieren kann. Gleichwohl ist der Mobilfunk-Markt ziemlich gesättigt. So gut wieder jeder hat schon mindestens ein Handy und eine oder sogar weitere Karten, Verträge werden also nur neu abgeschlossen, wenn es um ein günstiges neues Handy geht. Dazu kommen ab zu noch Jugendliche, die gerade frisch ins "handyfähige" Alter hineinwachsen.

Handy-Shops haben heute eigentlich nur dort noch einen Sinn, wo die Kunden vernünftig beraten und nach dem Kauf betreut werden und wo Kunden diesen Service zu schätzen wissen und auch bereit sind, dafür ein paar Euro mehr auszugeben.

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