Auslandsgespräche

Ethno-Discounter: Günstig oder Kostenfalle?

Von deutschen Handys aus werden immer mehr Auslandsgespräche geführt - die Mobilfunker reagieren mit Ethno-Tarifen für entsprechende Zielgruppen. Wir geben eine Übersicht.
Von Marie-Anne Winter
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Die Mobilfunker lassen sich im Kampf um die Kunden seit jeher immer wieder Neues einfallen, dazu gehören Angebote für bestimmte Zielgruppen wie Geschäftsleute, Schüler und Studenten oder Migranten. Ethno-Marken wie Ay Yildiz, Lebara, Lycamobile, Star World Turkcell oder Ortel werben mit speziellen Tarifen jeweils um Kunden aus bestimmten Ländern. Das ist ein durchaus lukratives Geschäft: Auch wenn das Ethno-Marken für betimmte ZielgruppenEthno-Marken für betimmte Zielgruppen Budget der Kunden oft begrenzt ist, so hat die mobile Kommunikation bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund einen hohen Stellenwert, um Kontakt mit der Familie in der Heimat zu halten.

Allerdings wird die Bereitschaft dieser Menschen, vergleichsweise viel Geld dafür auszugeben, auch von wenig seriösen Geschäftemachern ausgenutzt. Inzwischen sind zahlreiche Fälle bekannt geworden, in denen Werber, die beispielsweise arabisch sprechen, Flüchtlingen gezielt überteuerte Mobilfunkverträge unter geschoben haben. Aber auch gut gemeinte Aktionen wie ein speziell für Flüchtlinge aufgelegtes Prepaid-Angebot von yourfone sorgen für Diskussionen. Aber auch in den Jahren zuvor haben Verbraucherschützer schon Kritik an Lockangeboten und unüberichtlich gestalteten Webseiten der Ethno-Anbieter geübt.

Wachsendes Marktsegment

Jedoch eins ist klar: Der Markt für derartige Angebote groß und wächst. Genaue Kunden- und Umsatzzahlen für Ethno-Tarife sind derzeit zwar kaum zu bekommen. Das Statistische Bundesamt hat aber bereits für das Jahr 2014 die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit rund 16,4 Millionen angegeben - inzwischen dürften es noch deutlich mehr sein. Nach einer Schätzung von Telefonica Deutschland nutzen rund ein Drittel dieser Menschen bereits SIM-Karten von Ethno-Marken.

Beliebt sind vor allem Prepaid-Tarife. Legt man den dort üblichen monatlichen Umsatz pro Kunde zwischen 5 und 6 Euro zugrunde, ist das ein Markt mit bis zu einer halben Milliarde Euro Umsatz. Angesichts eines Umsatzes von insgesamt über 18 Milliarden Euro, den die Netzbetreiber im vergangenen Jahr mit Mobilfunkdiensten generiert haben, ist das kein übergroßer Anteil - aber eben auch keine Kleinigkeit. Zumal der Anteil von Auslandstelefonaten wächst: Im Jahr 2014 gingen laut Bundesnetzagentur 3,7 Milliarden Sprachminuten von Handys aus deutschen Mobilfunknetzen ins Ausland - eine Zunahme um zwei Drittel gegenüber 2010, Tendenz weiter steigend.

Zahlreiche Angebote

Telefonica Deutschland (o2) hat - auch durch die milliardenschwere Übernahme von E-Plus - gleich mehrere Ethno-Marken im Programm. Dazu zählen die für die türkische Community vorgesehenen Marken Ay Yildiz und Türk Telekom, aber auch die auf Osteuropa ausgerichtete Ortel. Die Deutsche Telekom ist mit ihrer Tochter Turkcell Europe in diesem Bereich tätig und kooperiert unter anderem mit Lebara. Vodafone hat keine eigenen Ethno-Marken im Angebot, arbeitet aber mit Serviceprovidern zusammen, unter anderem mit dem britischen Unternehmen Lycamobile. Marktführer bei türkischstämmigen Mobiltelefonierern dürfte Ay Yildiz mit geschätzt mehr als einer Million Kunden sein.

Das Geschäft mit den seit dem vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen spielt im Gegensatz dazu derzeit noch keine große Rolle, auch wenn diese ganz besonders auf das Mobiltelefon angewiesen sind. Laut Volker Petendorf, Sprecher von Vodafone Deutschland, nutzen die meisten von ihnen moderne Kommunikationswege wie WhatsApp, Skype und weitere Internettelefonie-Angebote. In den Flüchtlingsunterkünften seien WLAN-Angebote deshalb ein wichtiges Thema. Auch die Telekom ist in diesem Bereich aktiv.

Doch auch für deutsche Mobilfunkkunden können die Ethno-Discounter durchaus interessant sein, wenn sie häufig in bestimmte Länder telefonieren. Eine Übersicht über die Angebote der Ethno-Discounter finden Sie in unserem Ratgeber-Bereich.

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