Rückblick auf 40 Jahre Mobilfunk

Ein persönlicher Rückblick auf den Mobilfunk in Deutschland

Henning Gajek schaut 40 Jahre zurück auf alle Netze seit dem A-Netz
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Ins Netz von Mannesmmann/Vodafone D2 stieg ich dauerhaft im Jahre 2000 mit einer gebrauchten Vodafone-CallYa-SIM-Karte ein, die aus einem Prepaid-Paket mit Handy (einem Mitsubishi-Trium Modell "Geo") stammte und eine nette Rufnummer der Form 0172-19... hatte. Den Prepaid-"Vertrag" wandelte ich 2002 in einen Laufzeitvertrag ("D2Sun") um, weil das Angebot eines großen deutschen E-Mail-Anbieters, über einen Funkhändler quasi kostenneutral umzusteigen ("24 Monate keine Grundgebühr"), interessant klang. Per versichertem Postpaket traf ein dicker Umschlag mit CallNow-Gutscheinen bei mir an, welche den theoretischen Wert von zwei Jahren Grundgebühr darstellen sollten, zeitgleich wurde der Vertrag umgeschaltet. Diese "Kostenneutralität" war nur theoretischer Natur. Mal wurde ein Rubbelcode im Bekanntenkreis gebraucht und schließlich wollte ich ja auch das mobile "Internet" via WAP erforschen. Am Ende hat Mannesmann (später Vodafone) dann doch noch einige Euro an mir verdient.

Doch WAP zerrte mit unerklärlichen technischen Störungen an den Nerven, weil es oft nicht funktionierte. Die Hilflosigkeit der Hotline führte 2003 zu meiner Vertragskündigung - planmäßig nach zwei Jahren Laufzeit erfolgte im Jahre 2004 die Rückschaltung zu CallYa-Prepaid. Die Rufnummer fand später einen Liebhaber, der auf der Suche nach der "einzig wahren Vorwahl" 0172 war und diese nach Freigabe der Rufnummernportierung gleich in ein anderes Netz mitnahm.

Friendly User (= Beta-Tester) bei E-Plus

Permanente berufliche Neugier brachte mir 1994 den Status eines "Beta-Testers" im frisch gestarteten E-Plus-Netz ein. Ich musste dazu einen besonderen "Vertrag" unterschreiben: Mindestens acht Telefongespräche pro Tag führen (die für die Tester kostenfrei waren) und jede noch so harmlose Störung der Hotline melden. Die Hotline war ziemlich verblüfft, denn von einem Beta-Test wusste man dort nichts.

Nach dem Ende des Tests war es möglich, das Handy zu behalten und einen regulären Vertrag abzuschließen, doch das ist eine andere (komplexe) Geschichte. Später ließ ich mir von E-Plus eine "Wunschrufnummer" schalten. In der Anfangsphase faszinierte E-Plus mit kristallklarer Verbindungsqualität und einer Funktion, die kurze Funklöcher und Aussetzer überbrückte, weil das "Netz" genau "wusste", dass der mobile Teilnehmer gleich zurück kommen würde. So lange wurde nur der Sprachkanal stumm geschaltet. Trotz der funktechnisch geringeren Reichweite auf 1800 MHz waren erstaunliche Verbindungen möglich, erst mit zunehmender Kundenzahl nahm die Zahl der Abbrüche und Störungen zu. Für die ersten Testgespräche im E-Plus-Netz hatte ich mit dem Zug nach Berlin fahren müssen. Auf dem Bahnhof Zoo angekommen, verbrachte ich die ersten Minuten damit, meine Mailbox einzurichten. Im restlichen Bundesgebiet gab es oft noch gar kein E-Plus-Netz oder es war für Endkunden "gesperrt".

Abschied: Von Vertrag zu Discount

Kurios: Am 30. Mai 2005 - dem Start des ersten Einheits-Tiefpreis-Discounters Simyo im E-Plus-Netz - erhielt ich per Briefpost am Abend eine schriftliche Änderungsmitteilung, dass mein E-Plus-Professional-XL-Tarif (mit sekundengenauer Taktung) sich verteuern (!) sollte. Ich widersprach dem Ansinnen und bestand auf Vertragserfüllung. Stattdessen wurde der Vertrag vorzeitig aufgelöst - meine Rufnummer im Rahmen einer außerordentlichen Kündigung binnen 14 Tagen abgeschaltet. Bei Simyo fand ich über die Nummernauswahl eine Quasi-Wunschrufnummer, die bis heute gilt.

o2: Die Nummer vier lebt

o2-Werbung auf einem Fahrrado2-Werbung auf einem Fahrrad Nach der Ankündigung eines vierten Netzbetreibers war ich bei den ersten Ankündigungen der Viag-Industrie in München mit dabei. Deren Netz-Entwickler telefonierten zu diesem Zeitpunkt noch mit E-Plus. Auf der CeBIT vor dem Netzstart (März 1998) konnte ich in Hannover das dort bereits installierte Testnetz von Viag Interkom ausprobieren. Meine Rufnummer hatte die Form 0176-0xxxxxx (0176 plus sieben Ziffern). Diese speziellen Nummern standen nur Mitarbeitern und Testern zur Verfügung und wurden später auch wieder abgeschaltet.

Mein eigener Start bei VIAG Interkom erfolgte am 8. Oktober 1998, eine Woche nach dem offiziellen Vermarktungsbeginn. Damals waren die Abläufe bei Shops und Hotline noch ziemlich unübersichtlich; ich habe Karte und Rufnummer bis heute. Viag Interkom verblüffte zum Start die Fachwelt mit originellen Ideen, etwa dem Swisscom-Roaming. Gab ich meine Karten-PIN gefolgt von einer zusätzlichen "1" ins Handy ein, war ich ein Schweizer in Deutschland, der sich neben dem anfangs nur wenig vorhandenen Netz von Viag Interkom auch bei D1, D2 und E-Plus einbuchen konnte. Die deutsche Rufnummer wurde über die Schweiz zum jeweilig genutzten Netz durchgeschaltet. Diese Funktion war damals sensationell und fand bei interessierten Kunden, die unter dem löchrigen Ausbau ihrer bisherigen Anbieter litten, großes Interesse. Technische Schwierigkeiten (Vodafone-D2-Chef Kuczkowski drohte Viag öffentlich an, dass er das "verhindern" werde) und Angst vor unkontrollierbaren Kosten machten diesem unschätzbaren Vorteil eines Tages ein jähes Ende. Leider wurde die Abschaltung nur kryptisch kommuniziert und sorgte so für Frust bei abseits der Ballungszentren wohnenden Kunden, die diese Funktion unbedingt benötigt hätten, um einigermaßen mobil telefonieren zu können.

Treue Viag-/o2-Kunden wurden später durch das nationale Roaming mit D1 entschädigt: Hier konnten die Kunden zunächst überall da, wo Viag/o2 noch nicht versorgte, das Telekom-D1-Netz nutzen. Manche Kunden riegelten ihre Handys gleich im D1-Netz fest, weil sie dem Viag-o2-Netz nicht trauten oder von entsprechender Mundpropaganda ("Viag ist wie das D1-Netz, nur günstiger") gelockt wurden. Wer die Netzwahl auf "Automatik" beließ, wurde in einigen Regionen sogar während einer laufenden Verbindung per Handover von o2 in das D1-Netz transferiert, bis dahin ein völlig unbekannter und lange undenkbarer Vorgang.

Irgendwann entschloss sich o2, auch das D1-Roaming zu beenden, um etwaigen Klagen der Konkurrenz in Brüssel zu entgehen. Außerdem hatten die Kostenrechner ermittelt, dass ein eigenes Netz am Ende günstiger sein könnte. Auch diese Abschaltung wurde den betroffenen Kunden wieder nur verschlüsselt mitgeteilt. In Phasen wurde bestimmten Regionen von heute auf Morgen der D1-Zugriff entzogen, ohne vorher sicherzustellen, dass die notwendigen o2-Sender vor Ort bereits verfügbar gewesen wären. Kunden beschwerten sich massiv, Fernsehsendungen und überregionale Tageszeitungen griffen die Thematik auf. Diese Kunden konnten dann vorzeitig "gehen" und waren für o2 erst einmal verloren.

Auf der letzten Seite unseres persönlichen Rückblicks widmen wir uns dem kurzen Gastspiel von Quam, der milliardenschweren UMTS-Lizenzversteigerung, dem wachsenden mobilen Internet und schließlich dem aktuellen Standard LTE.

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