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Editorial: Von Rekord zu Rekord

Die Mobilfunknetze werden immer schneller. Jüngst wurde die Rekordmarke von 1 GBit/s in einem kommerziellen Netz geknackt. Was bringt Jagd nach immer höheren Bitraten wirklich?
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Es ist noch gar nicht so lange her, da war man froh, wenn im Mobilnetz 1 MBit/s als dauerhafte Übertragungsrate erreicht wurden. Inzwischen sind an gut versorgten Standorten 10 bis 100 MBit/s Standard, da meldet die Schweizer Swisscom gar 1000 MBit/s, entsprechend 1 GBit/s. Dazu hat die Swisscom übrigens keine neue Technologie eingeführt, aber die aktuell vierte Generation der schnellen mobilen Datendienste, LTE, auf das aktuell mögliche Maximum ausgereizt.

Und es wird nicht lange dauern, dann werden sogar 10 GBit/s und noch höhere Downloadraten vermeldet werden. Hinter der immer weiteren Leistungssteigerung steckt allerdings nicht Rekordwahn, sondern der Wunsch, immer mehr Kunden mit immer mehr mobilen Daten versorgen zu können. Wenn eine Zelle 1 GBit/s zu einem Kunden erreicht, kann sie alternativ auch 100 Kunden gleichzeitig mit je 10 MBit/s versorgen - einer Datenrate, die beim Videostreaming in HD durchaus üblich ist. Und die Zahl der Videostreamer wird künftig noch weiter zunehmen.

Gigabit-Netze kommenGigabit-Netze kommen Künftig wird durch Massive MIMO und Beamforming die Kapazität einer Zelle sogar noch schneller steigen als die maximale Datenrate pro Nutzer. Grund ist, dass dank der genannten Technologien auch innerhalb eines Sektors die Sendefrequenz faktisch mehrfach wiederverwendet werden kann, um unterschiedliche Nutzer zu erreichen. Zugleich erhöht Beamforming die Stärke des Nutzsignals am Standort des jeweiligen Nutzers - und hilft damit, die Sendeleistung insgesamt absenken zu können.

Alternativ könnte man auch einfach die Zellen verkleinern und verdichten, um in einem Mobilfunknetz insgesamt mehr Daten übertragen zu können. Doch führt dieses dazu, dass zusätzliche Standorte ausgebaut werden müssen, was in der Regel mit hohen Kosten verbunden ist. Zudem stören sich die Basisstationen auch gegenseitig umso stärker, je dichter sie stehen.

Meist ist es daher günstiger, von einem Standort aus eine hohe Bitrate auszusenden, statt von vielen Standorten aus eine kleine Bitrate. Die Rekordrate nach der maximalen Bitrate, sie wird also weitergehen.

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