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Editorial: 8 Stunden oder 8 Wochen?

Jeder gegen jeden und alle gegen den Staat: Mit cleverem Bietverhalten könnte die Mobilfunkbranche dieses Mal viel Geld sparen. Entscheidend ist vor allem ein Frequenzblock im GSM-Band.

Es ist soweit: Der "kurzen Woche" zum Trotz startet kommenden Mittwoch bei der Bundesnetzagentur in Mainz die dritte große Frequenzauktion. Noch nie war so viel Bandbreite unterm Hammer, aber auch noch nie war Bandbreite so wichtig. Erfolgte die Netzplanung zu GSM-Zeiten noch mit einzelnen 0,2-MHz-Carriern, waren für UMTS/HSPA schon mindestens 5 MHz nötig, für LTE werden nach Möglichkeit gleich 20 MHz alloziert, mit der Möglichkeit, für superschnelle Transfers in einer Zelle mehrmals 20 MHz in unterschiedlichen Frequenzbändern zu bündeln. Mit dem Nachfolger 5G wird ab 2020 der Frequenzbedarf voraussichtlich erneut steigen.

Preisdämpfend wirkt jedoch wahrscheinlich, dass sich die Zahl der Bieter drastisch reduziert hat. Nahmen 2000 an der großen und am Ende richtig teuren UTMS-Auktion noch sieben Bieter teil, die sich um maximal sechs Lizenzen rangelten, waren es 2010 bei der LTE-Auktion noch deren vier - nämlich die bekannten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefònica o2.

In dieser Woche beginnt die Frequenzauktion In dieser Woche beginnt die Frequenzauktion
Foto: dpa
E-Plus und Telefònica o2 haben zwischenzeitlich fusioniert, so dass an der aktuellen Auktion nur noch drei Anbieter teilnehmen. Neu- und Quereinsteiger wie Airdata oder Liquid Broadband scheiterten bereits an der Zulassung und klagten gegen die Nichtzulassung, konnten die Auktion jedoch vor Gericht nicht aufhalten.

Preistreibend war bei den beiden letzten Auktionen jedoch nicht nur, dass es mehr Teilnehmer als Lizenzen gab, sondern auch, dass einige Teilnehmer besonders viel vom Frequenzkuchen für sich wollten. Bei der ersten UMTS-Auktion musste jeder Anbieter mindestens zwei und durfte maximal drei Frequenzblöcke ersteigern. 12 Blöcke waren im Angebot, das reichte für sechs Anbieter, wenn sich jeder mit zwei Blöcken begnügte, aber nur für vier Anbieter, wenn jeder drei Blöcke wollte. Zudem war noch eine Kombination mit fünf Anbietern (zweimal drei und dreimal zwei Blöcke) denkbar.

Wettsteigern bei UMTS-Auktion war absehbar

Mit sieben Bietern für maximal sechs Lizenzen war absehbar, dass es bei der UMTS-Auktion zum Wettsteigern kommt, bis der schwächste aussteigt. Beim Gesamtgebot von 60 Milliarden Mark war das der Fall: Debitel strich die Segel. Doch der Frequenzpoker ging weiter, bis am Ende fast 100 Milliarden Mark im Jackpot für den Bundesfinanzminister lagen. Erst bei dieser gigantischen Summe hatten auch Telekom und Vodafone aufgehört, für drei statt nur zwei Frequenzblöcke zu bieten.

Ironie der Geschichte: Mit dem dritten Block hätten die genannten Anbieter nicht viel anfangen können. Es sollte nämlich vom Ende der UMTS-Auktion aus gesehen fast ein Jahrzehnt dauern, bis die Technik überhaupt so weit war, in einer Zelle zwei UMTS-Frequenzblöcke zu bündeln. Die nächsthöhere Bündelungsstufe von vier UMTS-Blöcken wäre zwar theoretisch möglich. Doch inzwischen gibt es LTE, und die Anbieter installieren in der Regel 4 x 5 MHz LTE und nicht 4 x 5 MHz UMTS, wenn sie so viele Frequenzbänder zur Verfügung haben. Entsprechend hat sich das Interesse an UMTS-Frequenzen stark verringert. 2010 wurden die von den zwei erfolglosen neuen Anbietern (MobilCom und Group 3G) zurückgegebenen vier UMTS-Blöcke erneut aufgerufen. E-Plus sicherte sich zwei dieser Blöcke - für weniger als ein Vierzigstel des Preises von 2000!

Freilich trieb 2009 der Wunsch nach ungleicher Bandbreiten-Verteilung die Preise an anderer Stelle: Bei der Digitalen Dividende im Bereich um 800 MHz gab es sechs Blöcke, die vier Bieter hätten jedoch gerne deren sieben gehabt. E-Plus hatte sich schon früh mit einem Block begnügt, die anderen Anbieter wollten jedoch je zwei Blöcke. Erst, als der Preis für diesen Block die Schmerzgrenze von E-Plus überschritten hatte, boten diese nicht erneut für 800 MHz, sondern sicherten sich einen zusätzlichen UMTS-Block. Bei 800 MHz ging E-Plus dann zwar leer aus, sparte jedoch etwa eine Milliarde Euro im Vergleich zu jedem der anderen drei Bieter.

Wie verläuft die Frequenzauktion dieses Jahr? Kann dieses Mal ein Wettbieten um ganze Frequenzbänder vermieden werden?

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