Einigung in Sicht?

Editorial: Das Angebot

Drillisch verzichtet auf einen Frequenzblock bei 3,6 GHz, sodass der Kampf dort zu Ende gehen könnte. Doch das Angebot hat einen Haken.
AAA
Teilen (18)

Wann ist die 5G-Mobilfunkauktion vorbei?Wann ist die 5G-Mobilfunkauktion vorbei? Eigent­lich könnte die aktu­elle Mobil­funk­auk­tion seit Wochen zu Ende sein: Im Bereich um 2 GHz (die ehema­ligen 3G/UMTS-Frequenzen, die auch für 4G/LTE und 5G gut genutzt werden können) ist alles geklärt: Telekom und Voda­fone bekommen je vier Blöcke, Telefónica/o2 und der Newcomer 1 1/Dril­lisch je deren zwei. Und im Bereich um 3,6 GHz geht es nur noch um einen einzigen Block. Es gibt dort 30 Blöcke (einer davon ist ein Doppel­block, der aller­dings wegen mögli­cher Inter­fe­renzen mit mili­tä­ri­schen Radar­an­lagen bei der Nutzung regio­nalen Einschrän­kungen unter­liegen kann), während die vier Anbieter zusammen gerne 31 Blöcke hätten: Telekom und Voda­fone je deren neun, wobei Voda­fone auf den genannten, voraus­sicht­lich nur einge­schränkt nutz­baren Doppel­block bietet, sodass sie in anderen Medien mit nur acht Geboten zitiert werden, Telefónica sieben und 1&1 sechs. Sobald ein Anbieter auf einen Block verzichtet, ist die Auktion voraus­sicht­lich vorbei.

Anders als beim Kinder­spiel "Reise nach Jeru­salem", wo Runde für Runde ein Teil­nehmer ausscheiden muss, der keinen Platz auf einem der Stühle mehr findet, darf bei der Mobil­funk­auk­tion der in der jeweils letzten Runde unter­le­gene Anbieter in der nächsten Runde wieder zurück­kommen, wenn er ein neues Höchst­gebot für einen der anderen Blöcke abgibt und damit einen anderen Anbieter - vorüber­ge­hend - aus dem Rennen wirft. So wächst die Summe aller Gebote Runde für Runde zwar vergleichs­weise langsam, aber stetig nach oben.

Frie­dens­an­gebot?

Inzwi­schen hat sich die Auktion auf über 5,7 Milli­arden Euro hoch­ge­schraubt. Vom dem Geld könnten 50 000 Mobil­funk­masten gebaut werden, rechnet Telekom-Chef Höttges vor. Doch in der letzten Aukti­ons­runde am Freitag hat 1&1/Dril­lisch nun ein Angebot gemacht, dass die anderen Anbieter - hoffent­lich - nicht ablehnen werden: Sie haben demons­trativ auf einen der Blöcke im Bereich um 3,6 GHz verzichtet, indem sie alle ihre sechs aktu­ellen Höchst­ge­bote zurück­ge­zogen und zugleich fünf Blöcke von den Konkur­renten über­stei­gert haben. So redu­zieren sie ihren Anspruch also von sechs auf fünf.

Diese Demons­tra­tion über die Gebote - die einzig erlaubte Kommu­ni­ka­tion während der Auktion - kostet 1&1 zwar noch­mals etliche Millionen, weil sie dazu gleich fünf neue Höchst­ge­bote abgeben müssen. Aber sie können so klar ihre Posi­tion kommu­ni­zieren: "Wir sind auch mit fünf Blöcken im Bereich um 3,6 GHz zufrieden".

Der Haken

Doch es gibt einen Haken: Zeit­gleich mit dem Verzicht bei 3,6 GHz hat Dril­lisch im Bereich um 2 GHz ein neues Höchst­gebot für einen der dort verfüg­baren Blöcke abge­geben, und zwar für einen Block, den bisher Voda­fone hielt. Dadurch würde dort die Telekom weiter vier Blöcke erhalten, 1&1 und Voda­fone je deren drei und Telefónica nur zwei. Es gibt zwei Anbieter, die damit unzu­frieden sein könnten: Telefónica, weil sie nun auch gerne drei Blöcke hätten, wenn alle anderen je mindes­tens drei erhalten, und Voda­fone, die weiter ihr Ziel verfolgen könnten, vier Blöcke zu erwerben.

Mögli­cher­weise geht das Wett­bieten also am Montag weiter, jedoch dann im Bereich um 2 GHz, in dem es bisher nach einer Eini­gung aussah. Zu hoffen bleibt, dass Voda­fone und auch die Telekom (falls Telefónica ihnen noch einen Block streitig macht, um auf drei Blöcke für alle Anbieter auszu­glei­chen) besonnen reagieren und die Aukti­ons­summe nicht noch weiter nach oben treiben. Denn für alle Anbieter gilt: Lieber mehr Basis­sta­tionen bauen, als mehr Geld in die Lizenzen stecken.

Am Montag werden wir sehen, ob die Anbieter nur die von 1&1 frei­ge­ge­benen Blöcke im 3,6-GHz-Bereich gemäß dem bishe­rigen Schlüssel 9-9-7 unter sich aufteilen, oder ob das Wett­bieten weiter geht.

Teilen (18)

Weitere Edito­rials