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Neue Kraft im Mobilfunk: Regionale Anbieter mit eigenen Tarifen

Lokale Telefongesellschaften starten Anfang 2012 mit Mobilfunkvermarktung
Aus Berlin berichtet Marc Kessler

Zahlreiche regionale Anbieter werden bald mit eigenen Mobilfunktarifen starten Zahlreiche regionale Anbieter werden bald mit eigenen Mobilfunktarifen starten
Foto: dpa
Zahlreiche regionale Telekom­munikations­anbieter - darunter viele Stadtwerke und Stadtnetzbetreiber - werden ihren Kunden Anfang kommenden Jahres eigene Mobilfunkprodukte im o2-Netz anbieten - und das, so verspricht man, zu durchaus attraktiven Konditionen. Das Prinzip dahinter: Die Unternehmen, gemeinsam im Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) organisiert, haben eine gemeinsame Einkaufsgemeinschaft gegründet: die BREKO Einkaufsgemeinschaft eG (eingetragene Genossenschaft). Diese bündelt die Nachfrage aller lokalen Anbieter und bezieht ein großes Paket an Vorleistungen beim Mobilfunk-Netzbetreiber Telefónica mit seiner deutschen Marke o2. teltarif hatte über die Pläne der Anbieter vor einigen Tagen bereits berichtet.

Start mit mindestens 15 Anbietern im ersten Quartal 2012

Zahlreiche regionale Anbieter werden bald mit eigenen Mobilfunktarifen starten Zahlreiche regionale Anbieter werden bald mit eigenen Mobilfunktarifen starten
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"Wir waren der Überzeugung, dass die Carrier, die bei uns im Verband organisiert sind, das brauchen", erklärte BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers auf der Jahrestagung des Branchenverbands in Berlin. Voraussichtlich solle es am 1. Februar 2012 mit zunächst zwei bis drei lokalen Anbietern, später dann "knapp zwei Dutzend Carriern", losgehen. teltarif-Informationen zufolge sollen es bis Ende des ersten Quartals 2012 sogar mindestens 15 Anbieter werden, die ihren Kunden eigene Mobilfunkangebote unterbreiten werden.

Die lokalen Anbieter wollen mit den eigenen Mobilfunkangeboten vor allem die Kundenbindung erhöhen. Die Planungen für das Projekt hatten rund ein Jahr Vorlauf. Der Vorsitzende der BREKO-Einkaufsgemeinschaft, Karsten Schmidt: "Für uns bestand die Möglichkeit, Vorleistungen von Telefónica zu beziehen. Wir haben ein Modell gefunden, mit dem wir Privat- und Geschäftskunden hervorragend adressieren können."

Vorteil der Genossenschaft: Margen gehen an die Mitgliedsunternehmen

Da die Einkaufsgemeinschaft ohne Gewinnerzielungsabsicht arbeitet, gehen die Margen der Mobilfunkprodukte direkt an die lokalen Anbieter. Dabei müssen die lokalen/regionalen Carrier nicht zwingend Mitglieder des BREKO sein, sondern können auch alleinig der Einkaufsgemeinschaft beitreten. Hier spreche man bereits mit Unternehmen aus der Kabelbranche, hieß es.

Die konkreten Tarifmodelle und Preise legt jedes Unternehmen selbst fest

Die konkreten Tarife und Angebote kann dabei jedes Unternehmen selbst festlegen. Dank "sehr günstiger Einkaufskonditionen" bei Telefónica könne man aber sehr attraktive Angebote machen. Zudem, und darum geht es den Carriern vor allem: Sie wollen ihren regionalen Vorteil nutzen und die Kunden enger an sich binden. "Wir sprechen die Sprache unserer Kunden", fasst es Andreas Kövi, Geschäftsführer des Ulmer Anbieters SWU (Stadtwerke Ulm) TeleNet, zusammen. Bislang habe man - trotz des konkreten Wunsches - kein Mobilfunkprodukt anbieten können, denn man habe die erforderliche Mindestabnahme an Karten beim Netzbetreiber nicht gewährleisten können.

Das sieht auch Jochen Mogalle, Vertriebsmanager beim Münchener Netzbetreiber Telefónica, ähnlich: "Wir wurden immer wieder von Stadtnetzbetreibern angesprochen", sagt Mogalle. Man habe dann aber fragen müssen: "Wie viele Karten kannst Du denn im Jahr bringen?" Oftmals habe er daher geraten: "Setzt Euch doch zusammen und machts gemeinsam!"

Gemeinsamer Einkauf von Vorleistungen ermöglicht günstige Preise

Das ist mit der vom BREKO initiierten Einkaufsgemeinschaft nun passiert: Die regionalen Anbieter werden zunächst mit einem Mobilfunkprodukt für Endkunden starten, danach sollen Geschäftskundenangebote - auch im M2M-Bereich - folgen. Zunächst werden dabei nur die (Postpaid-) Verträge SIM-only an den Mann gebracht, später soll es auch ein Hardware-Angebot geben. Im Gespräch ist dabei die auch bei o2 angebotene Lösung über das Ratenkaufmodell o2 My Handy.

Anbieter setzen auf Community-Tarife

Tariflich, so erfuhr teltarif.de aus Kreisen am Rande der Veranstaltung, werden die Anbieter vor allem auf Community-Angebote setzen: So soll es möglich sein, vom heimischen Festnetzanschluss kostenfrei zur eigenen Mobilfunk-Karte sowie zu anderen Mobilfunk-Kunden des Anbieters zu telefonieren. Auch der umgekehrte Weg - vom Handy zu Festnetzanschlüssen des lokalen Anbieters soll per Flatrate abgedeckt sein; letztlich sollen auch Gespräche innerhalb der Mobilfunk-Community ohne Kosten möglich sein.

Dreifach-Community-Flatrate für 5 Euro

Dieses Community-Flatrate-Paket (Festnetz-Mobil und umgekehrt sowie Mobilfunk zu Mobilfunk) soll nach teltarif-Informationen bei einem größeren regionalen Anbieter in Norddeutschland mit mehreren tausend Kunden rund 5 Euro pro Monat kosten.

Telefónica befürchtet indes keine Kannibalisierungseffekte durch die Abwanderung von o2-Kunden. Das sei zwar nicht auszuschließen, dennoch setze man darauf, mit den Produkten der regionalen TK-Anbieter neue Kundenkreise anzusprechen.

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