Kassierwille

Editorial: Der K(r)ampf ums mobile Bezahlen

Jeder geht eigene Wege und will möglichst hohe Umsatzprovisionen abgreifen: So wird das aber nichts mit dem Mobile Payment.
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Smartphones sind extrem vielfältig. Mit ihrer Hilfe kann der Nutzer Fotos und Videos aufnehmen, Webseiten anzeigen, Bilder verschicken, online Waren bestellen und natürlich auch telefonieren. Viele früher getrennte Geräte, etwa Digitalkamera, Taschenlampe, Navigationssystem, mobile Spielekonsole, MP3-Player oder Handy sind nun in einem Gerät vereint. In der Folge steigen die Smartphone-Nutzungszahlen immer weiter, während die Absatzzahlen der meisten Einzelgeräte in den letzten Jahren stark rückläufig waren. Einzelne Teilmärkte sind sogar regelrecht implodiert.

Angesichts des Siegszugs des Smartphones verwundert es aber sehr, dass es dem Smartphone bis heute nicht gelungen ist, die diversen Kunden-, Bezahl- und Kreditkarten zu ersetzen, die die meisten Bürger in ihrer jeweiligen Geldbörse mit sich herumtragen. Denn diese Karten sind längst zu einem Stück Elektronik geworden, die Sicherheit steckt beispielsweise im Banking-Chip. Klar kann das Smartphone nicht das Bargeld mitsamt seinen Vorteilen - vergleichsweise hohe Anonymität und die Unabhängigkeit vom Stromnetz - ersetzen. Aber die diversen Karten, die wir so haben, könnten alle auch stattdessen als App aufs Smartphone geladen werden. Statt einer Karte zückt man dann an der Kasse zum Bezahlen das Smartphone.

Über "Mobile Payment" berichtet teltarif.de schon länger, als es überhaupt Smartphones gibt. Mit viel Elan war beispielsweise Mitte 2000 der Dienst Paybox gestartet. Statt auf Smartphone-Apps setzte der Dienst damals auf SMS und Anrufe zu Sprachcomputern, entsprechend kompliziert war die Benutzung. Doch der Hauptgrund, warum die Paybox, wie unzählige Nachfolger, aufgegeben wurde, dürfte sein, dass die Netzbetreiber feststellten, dass sich damit kein Geld verdienen lässt.

Fehlende Händlerakzeptanz für neue Kosten

Doch wieder Bargeld statt Mobile PaymentDoch wieder Bargeld statt Mobile Payment? Mobiles Bezahlen wird sich schlicht und einfach genau dann durchsetzen, wenn es für die Nutzer genauso einfach wie herkömmliches Bezahlen mit Karte ist, und es zugleich den Händler nicht mehr Provisionen kostet, als derzeit das Bezahlen mit Kreditkarte. Und genau hier liegen die Probleme. Netzbetreiber sind keine Banken. Die Abwicklung von mit dem Smartphone getätigten Transaktionen, zum Beispiel über die Mobilfunkrechnung oder per Direkteinzug vom Konto, kostet sie daher mehr als die alternative Abwicklung direkt mit Hilfe einer Bank.

Aus den genannten Gründen wird es den Netzbetreibern nicht gelingen, mit dem Transaktionsgeschäft mehr zu verdienen, als sie heute bereits eh dadurch an Geld umsetzen, dass sie die Daten zu den jeweiligen Transaktionen über ihre Netze übermitteln. Ausnahmen in einzelnen Märkten kann es sicher geben, insbesondere wenn die Banken sich bei der Verteidigung ihres Kerngeschäfts ungeschickt verhalten. Dass es Unternehmen in der Regel nicht gelingt, mehrere Branchen zu besetzen, hat auch etwas Gutes. Sonst würden die Mineralölfirmen plötzlich Umsatzprovisionen im Onlinehandel nehmen (schließlich werden die Waren mit Hilfe des von Ihnen hergestellten Dieselkraftstoffs transportiert) oder der Routerhersteller Cisco für jeden online heruntergeladenen Film kassieren.

Die Netzbetreiber müssen endlich begreifen, dass der Vorteil von mobilen Bezahlsystemen für sie nicht sein wird, dass die Shops nun alle Umsatzprovisionen an die Netzbetreiber bezahlen. Sondern, dass es mit diesen Systemen noch einen Grund mehr gibt, warum bisherige Smartphone-Verweigerer sich nun doch so ein Gerät anschaffen. Und an diesen Neukunden verdienen die Netzbetreiber überproportional gut - nutzen diese doch in der Regel ihre Datenverträge nur teilweise aus.

Allianz zerbrochen

Dass die Netzbetreiber sich zudem noch uneins über das mobile Bezahlen sind, macht die Sache nicht einfacher. Aktuell gehen Telekom, Vodafone und Telefònica/o2 mal wieder getrennte Wege. Das erhöht die Kosten für die Händler, die verschiedene Systeme integrieren müssen, ärgert die Kunden, die bei Netzwechsel auch das Bezahlsystem ummelden müssen, und verringert dadurch die mögliche Kundenbasis. So wird das erst recht nichts.

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