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Mobiles Bezahlen: Es geht auch ohne NFC - mit Erfolg?

Im dritten Teil unserer Serie zum mobilen Bezahlen zeigen wir zwei Beispiele ohne NFC, die von Otto und Edeka aus der Taufe gehoben wurden. Doch sind diese Techniken wirklich praktikabler und sicherer als Bezahlen per NFC?
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Mobile Bezahl-Lösung von EdekaMobile Bezahl-Lösung von Edeka Im ersten Teil unserer Artikelserie zu Mobile Payment haben wir uns damit befasst, warum so viele Ideen, Techniken und Anbieter gescheitert sind. Der zweite Artikel beschäftigte sich mit der Frage, ob kontaktloses Bezahlen wirklich die Lösung für die Zukunft ist und ob NFC-basierte Techniken die Händler und Kunden überzeugen können. Als Beispiel haben wir die komplexe Telekom MyWallet Card vorgestellt.

Rückschläge: Beispiel Click and Buy

Kürzlich kam die Meldung, dass sich die Deutsche Telekom von Click and Buy trennen will und einen neuen (größeren) Partner in der Bankenwelt sucht, der das ganze Prozedere für sie erledigt. Dabei leistet die Telekom der Entwicklung des mobilen Bezahlens einen Bärendienst, indem sie ein zartes Pflänzchen ausreißt, bevor es herangewachsen und seine Lebensfähigkeit bewiesen hat.

Wer schon eine drahtlose Maestro-/EC- oder Kreditkarte besitzt, wird sich sowieso fragen, warum er für die Handyzahlung solch eine aufwendige Prozedur über sich ergehen lassen soll.

Alternative Wege ohne NFC?

Zwei Unternehmen versuch(t)en einen anderen Weg, sie entwarfen jeweils ein App-Bezahlsystem, das mit nahezu jedem Smartphone unter Android oder iOS möglich ist, auch ohne NFC.

Die Otto-Group-Tochter Yapital brauchte dazu spezielle Kassenterminals im Laden, wie sie beispielsweise nahezu unbemerkt in den Märkten der Rewe-Gruppe installiert wurden. Der Kunde musste nur "Kartenzahlung" sagen, worauf die Kassiererin das Eingabe-Terminal zum Kunden drehte. Der Kunde drückte dort einen Funktionsknopf und fotografierte mit seinem Handy den aufleuchtenden QR-Code, der über Mobilfunk zu Yapital übermittelt und von dort an das Rewe-Kassensystem weitergeleitet wurde. Im Idealfall sah die Kassiererin "bezahlt" auf ihrem Terminal, druckte einen Bon aus und konnte sich dem nächsten Kunden widmen.

Praktisch kamen kaum Kunden, weil sie sich erst bei Yapital umständlich anmelden mussten (mit 1 Cent-Buchung und Freischaltcode aufs eigene Bankkonto zur Prüfung, ob es existiert). Dann ein weiterer Faktor, den man schlicht übersehen oder ignoriert hatte: Es braucht eine funktionierende Funknetzversorgung an der Kasse, damit sich das Handy über das mobile Internet beim Bezahlungsdienstleister anmelden konnte. Sicher hätte man das auch über gut ausgebaute WLAN-Netze in den Läden lösen können, dann wäre noch die Frage des Logins oder der Anmeldung und der Betreiberhaftung zu lösen gewesen. Und schlussendlich wurde Yapital so gut wie nie beworben - wie soll so ein komplexes System da überhaupt eine Chance haben? Yapital wird von Otto zum 31. Januar eingestellt.

Konkurrent Edeka hat sich eine eigene App stricken lassen und setzt bei der Bezahlung auf die Deutsche Post. Statt eines QR-Codes sagt der Kunde der Verkäuferin eine Zahl an, die sie in ihre Kasse tippt, diese Zahl wird wohl auch live über das Mobilfunknetz generiert. Wir haben uns angemeldet (mit SMS-Code 1 und Banküberweisungscode 2). In Berlin haben wir das Verfahren vor rund drei Jahren für einen Testbericht ausprobiert. Auf Anfrage als normaler Kunde räumte uns die Edeka-Hotline unumwunden ein, die Kaufleute von Edeka Südwest und Hessenring hätten sich dazu noch nicht durchringen können. Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass das Edeka-System ohne flächendeckende Einführung auch kein ewiges Leben haben wird.

Bleibt auf die Dauer nur NFC?

Bleibt also die kontaktlose Variante. Hier ist keine Funkverbindung zum Mobilfunkanbieter notwendig, weil die Ladenkasse über eine Festnetzverbindung beim Zahlungsdienstleister nachfragt, ob die "Karte" in Ordnung ist. Wenn die Handyanbieter da auf Dauer mit dabei sein wollen, bräuchten sie eigentlich eine anbieterübergreifende App, die netzübergreifend genutzt werden und von Banken oder Sparkassen mit einer virtuellen Karte aufgeladen werden kann.

NFC ist relativ sicher, wenn man ein paar Punkte beachtet: Bei der Express-Funktion oder beim Aufladen einer Giro-go-NFC-Karte (ohne Handy) könnten böse Menschen in unmittelbarer Nähe versuchen, die Karte anzuzapfen. Die Lösung ist, Giro-go nicht aufzuladen und beim Handy die Express-Funktion auszulassen.

Wie der Chaos Computer Club herausfand, könnten Hacker die Datenleitung des Ladens zwischen Terminal und Bankenrechner anzapfen oder mit einer Spezial-App übers Internet eine fremde NFC-Karte ausrauben. Die Sicherheitsstandards können also nie hoch genug sein (siehe auch unser Interview mit dem NFCGate-Projektteam).

Solange aber die Netzbetreiber ihre mobil bezahlenden Kunden lieber für sich ganz alleine behalten wollen, müssen sie auch das Geschäft des Bezahldienstleisters mitbetreiben oder wenigstens für eine reibungslose Abwicklung garantieren können und so dafür sorgen, dass das System endlich zum Fliegen kommt.

Fazit: Lohnt sich mobiles Bezahlen?

Wer nun glaubt, dass mit dem mobilen Bezahlen das riesengroße Geld zu verdienen sei, wird auf die Dauer enttäuscht werden. Die bisher recht hohen Zahlungsprovisionen verschiedener Kreditkarten wurden von der EU drakonisch gekürzt und viele interessierte Kunden erwarten eine völlig kostenlose Zahlungsfunktion, wie sie Fintech Startups wie zum Beispiel Number26 derzeit anbieten. Ob das auf Dauer klappen kann, wird man sehen. Eigentlich ist es schon fünf nach zwölf. Wenn die Mobilfunker da noch mit dabei sein wollen, müssen sie sich beeilen.

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