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Terroristen setzen auf mobiles Banking

Geldtransfers über Prepaid-Karten bereiten Experten Sorgen
Von dapd /
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Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September haben sich die Koordinaten bei der Terrorfinanzierung grundlegend gewandelt. "Das traditionelle Bankensystem wird von den Terroristen kaum noch genutzt", sagt die amerikanische Terrorismus-Expertin Celina B. Realuyo, die als Dozentin an der National Defense University in Washington Terrorismusbekämpfung lehrt. Die nach den Anschlägen eingeführten neuen Regelungen für Geldtransfers hätten die Hürde für Transaktionen deutlich erhöht. Die Terroristen weichen jetzt auf neue Transferwege aus und finanzieren sich teilweise über klassische Kriminalität.

Mobile Banking wird von Terroristen benutztMobile Banking wird von Terroristen benutzt Nach den Erfahrungen Realuyos bewegen die Terrorgruppen Geld derzeit vor allem auf drei Wegen. Erstens: Sie setzen klassische Kuriere ein, die Bargeld transportieren. Zweitens: Sie nutzen das sogenannte Hawala-Finanzsystem. Dabei übergibt jemand etwa einem Händler in Karachi (Pakistan) 50 000 US-Dollar. Zur gleichen Zeit steht in den USA der Empfänger bei einem Händler, der mit jenem in Karachi eng vertraut ist. Die beiden Händler bestätigen den Deal sowie die in Karachi vollzogene Einzahlung über einen Code. Der Empfänger in den USA erhält die 50 000 Dollar, ohne dass es eine Kontobewegung zwischen den Händlern gegeben hat. Die wiederum verrechnen die Auszahlung untereinander entweder später bei umgekehrt laufenden Deals oder über ganz andere, legale Geschäfte. "Dieses System ist schwer zu knacken", sagt Realuyo. Das sei nur möglich, wenn man Insider als Informanten habe.

Geldtransfer über Prepaid-Karten bequem und fast anonym

Der dritte Weg macht der US-Expertin die größten Sorgen: Das sogenannte Mobile Banking, bei dem in vielen Ländern Beträge per Textnachricht überwiesen werden können. Dahinter stehen in diesen Staaten jeweils eigene Zahlungssysteme, die nicht mit dem Bankensystem verbunden sind. "Das ist im Grunde wie Internet-Banking, nur mit Mobiltelefonen", erklärte Realuyo. Da jeder eine SIM-Card und ein Handy besitzen kann, ist der Aufwand gering. "Und das System ist nahezu anonym, da es auch über Prepaid-Karten funktioniert. Man kennt dann die Telefonnummer, hat aber keinen Namen." Beim Absender wird der Betrag auf der Telefonrechnung in Rechnung gestellt - oder von der Prepaid-Karte abgebucht. Die Methode ist einfach und billig.

Wie schnell diese technischen Möglichkeiten, die das Leben bequemer machen, von Kriminellen ausgenutzt werden können, zeigen auch die Geldwäsche-Aktivitäten amerikanischer Mafia-Gruppen. Sie nutzen beispielsweise Prepaid-Karten, die Großhändler wie etwa Walmart anbieten. Auf diese Karten können ohne Ausweis Summen von bis zu 10 000 Euro eingezahlt werden. "Wenn man damit dann einen Kaffee bezahlt, kann man verlangen, dass der Händler die restliche Summe auszahlt. Wer also 100 000 Dollar bewegen will, hat dann nur zehn solcher Karten in der Brieftasche, bei denen niemand auf den ersten Blick sehen kann, wie viel Geld darauf gebucht ist. Das ist deutlich weniger riskant, als Geldbündel mit sich herumzutragen", sagt Realuyo. Derzeit werde in den USA überlegt, ob und wie diese Möglichkeiten mit neuen Gesetzen eingeschränkt werden könnten.

Viele Spenden kommen von Privatpersonen aus der Golfregion

Zur Herkunft des Geldes für Al-Kaida und mit ihr verbundenen Gruppen sagt Realuyo, dass die Mittel oftmals von privaten Spendern aus der Golfregion kämen. In den vergangenen Jahren sind nach Einschätzung von Fachleuten aber auch Behörden im Nahen Osten zunehmend kooperativer geworden. Teilweise ist es dort schwerer geworden, über Moscheen für Terrorgruppen oder fragwürdige Stiftungen zu spenden.

Einige Terrorgruppen seien mangels Spendenaufkommen inzwischen dazu übergegangen, sich über Kriminalität zu finanzieren. Ein drastisches Beispiel dafür sei die kolumbianische Rebellenbewegung FARC. Früher habe sie den Drogenkartellen Schutz und Hilfsdienste angeboten. Inzwischen, sagt Realuyo, "ist die FARC selbst das Kartell".

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