Ende der MMS

MMS: Vodafone hört auf - o2 hat noch kein Datum

Der MMS-Dienst wird bei Voda­fone im Januar abge­schaltet, bei Telekom nicht vor 2024 - und o2 hat noch gar keine Pläne.

Als der digi­tale Mobil­funk anfing, konnte man über GSM mobil sprach-tele­fonieren. Mehr ging nicht. Eher als "Abfall-Produkt" wurde dazu zuerst die SMS (Short Message Service), also die Kurz­nach­richt erfunden, und in diesen Tagen vor genau 30 Jahren erst­mals im Netz von Voda­fone verschickt. Die MMS (Multi Media Service) kam erst später.

Auf die Geschichte der SMS gehen wir noch näher ein, soviel vorab: SMS waren als Kurz­infor­mationen für Handy­nutzer gedacht, wenn beispiels­weise ein Anruf auf der Mailbox vorlag. Die Mailbox sollte Anrufe entge­gen­nehmen, wenn der Kunde im Funk­loch ist oder gerade nicht ans Telefon gehen konnte. MMS bei der Telekom noch mindestens bis Ende 2023, bei o2 bislang unbegrenzt. MMS bei der Telekom noch mindestens bis Ende 2023, bei o2 bislang unbegrenzt.
Foto: Picture-Alliance/ dpa
Die SMS hatte einen wesent­lichen Nach­teil: Sie konnte keine Bilder, Töne oder Dateien über­mit­teln und mobile E-Mail gab es damals auch noch nicht.

MMS als Erwei­terung

Also erfand die Branche die MMS (Multi Media Messa­ging System). Die MMS blieb weit hinter den Erwar­tungen zurück, denn die Netz­betreiber wollten dafür gruse­lige 39 Cent pro Nach­richt. Beim Roaming im Ausland sollten sogar ankom­mende Nach­richten etwas kosten. Die Folge: Die MMS wurde von den Kunden kaum genutzt.

Mit dem Auftau­chen von Messen­gern wie WhatsApp und anderer Ange­bote war das Todes­urteil für die MMS gespro­chen. Wer etwas zu verschi­cken hatte, nahm WhatsApp.

iMessage von Apple

Apple iPhone-Nutzer verschi­cken von ihren Handys eine iMessage. Die hat prin­zipiell die glei­chen Möglich­keiten wie MMS, aber die Über­mitt­lung von Bildern, Tönen oder Dateien kostet den iPhone-Nutzer nichts, außer dem benö­tigten Daten­volumen. iMessage funk­tio­niert aber nur zu anderen Apple-Geräten.

Teuer wird es nur, wenn Apple-Nutzer per iMessage an einen Nicht-Apple-Nutzer Anhänge verschi­cken wollen: Das iPhone schaltet auf MMS um, und 39 Cent sind weg. Man kann das aber tief in den Apple-Einstel­lungen (unter Nach­richten - SMS/MMS) auch ausschalten.

MMS ist beschränkt

Eine MMS kann maximal 1000 Text­zei­chen (Character) oder eine Bild- oder Tondatei von maximal 300 kB über­tragen. Mehr geht nicht. Heutige Messenger-Dienste können wesent­lich mehr.

Ist RCS eine Alter­native?

Die Mobil­funk­branche wollte mit RCS-e (zwischen­durch auch "Joyn") genannt, eine Alter­native zur SMS mit Multi­media-Fähig­keiten schaffen. Der Start war halb­herzig und holprig und es hätte pro Nach­richt eigent­lich Geld kosten sollen. Doch da hatte die kosten­lose Messa­ging-Welt schon Fakten geschaffen.

Apple spielt bei RCS nicht mit

Letzter Anschub für die RCS-Nach­richten war Google, die ihren Messages-Client für Android um RCS ergänzten. Nur Erzkon­kur­rent Apple spielt bei RCS nicht mit und hat es auch nicht vor.

Das führt zu kuriosen Situa­tionen. Android-Nutzer, die eine Nach­richt an Apple-Nutzer schi­cken, erleben, dass diese Nach­richt im Nichts verschwindet, also nicht ankommt. Solange es noch RCS-Programme für Apple gab (z.B. bei der Telekom), konnte man diese "verschwun­denen" Nach­richten noch empfangen.

Die Telekom hatte eine spezi­elle App im Angebot, aber eines Tages war sie aus dem App-Store kommen­tarlos verschwunden. Niemand weiß, warum oder wieso.

Sucht man im Apple-Apps­tore nach "RCS" oder "Joyn", bekommt man allerlei Programme, die absolut nichts mit RCS-e (Rich Commu­nica­tion Suite enhanced) zu tun haben. Joyn ist heute beispiels­weise ein TV-Angebot der ProSiebenSat1-Grupoe und "RCS" hat eher mit Busi­ness-Manage­ment zu tun.

Im Netz der Telekom kann RCS (mit Android) weiter genutzt werden, wenn man Kunde bei Original Telekom oder den meisten Service-Provi­dern oder Discount-Marken ist, außer bei Kauf­land Mobil - da geht es offenbar nicht. Insider berichten, dass die Kauf­land-Gruppe "vergessen" hätte, diesen Dienst bei der Telekom zu bestellen. Offenbar sieht man dort auch keinen Sinn drin, weil die Einrich­tung des Dienstes wohl extra kosten würde und eine Beprei­sung "schwierig" wäre.

Wann kommt das Ende für MMS?

Schon öfters hatten verschie­dene Netz­betreiber das Ende von MMS ange­kün­digt. Einige genannten Termine wurden immer wieder verschoben. Wir haben sicher­heits­halber nochmal aktuell nach­gefragt.

Telekom: Mindes­tens bis 31.12.2023

Die Telekom wollte ursprüng­lich am 31.12.2022 aufhören, machte dann aber einen Rück­zieher. Auf aktu­elle Nach­frage wurde bestä­tigt, dass der Dienst - "vorbe­halt­lich einer Verlän­gerung" – bis zum 31.12.2023 möglich sei. Wer es uns nicht glaubt, kann das in einem AGB-Doku­ment als Hinweis am Fuß von Seite 6 nach­lesen: Dort sieht man auch den Preis: 39 Cent das Stück im deut­schen Netz der Telekom und 79 Cent das Stück im Roaming-Fall.

Voda­fone: Defi­nitiv Ende "ab Januar 2023"

Voda­fone hat am 27.11.2022 noch­mals offi­ziell bestä­tigt, den MMS-Dienst "ab Januar 2023" abzu­schalten (siehe ganz am Ende des SMS-Arti­kels). Ob das der 31.01.23 oder ein Datum im Februar oder später sein wird, bleibt offen.

Telefónica (o2): Kein Enddatum

Telefónica (o2) Germany hat bislang kein Enddatum bekannt gegeben, wie uns das Unter­nehmen auf Anfrage bestä­tigte. Aus formalen Gründen sei es aber denkbar, das in künf­tigen Tarif­doku­menten doch ein vorläu­figes Datum auftau­chen könne, das sich dann aber verlän­gern lasse. Genauere Pläne gebe es nicht.

Nach Januar 2023: Wo landen MMS an Voda­fone-Kunden?

Die wenigen Nutzer, die noch MMS verschi­cken, stellen sich nun die Frage, was denn passiert, wenn (un)bewusst an einen Voda­fone-Kunden eine MMS geschickt werden soll, dieses Netz aber diesen Dienst nicht mehr anbietet?

MMS kommen als SMS-Info an

Voda­fone-Kunden, die keine MMS mehr empfangen können, werden eine Text-SMS von Telekom bzw. o2 bekommen. Darin ist ein Link aufge­führt, plus ein Einmal-Pass­wort. Der Nutzer muss dann auf einem Smart­phone oder am heimi­schen PC den Link aufrufen, die eigene Rufnummer im inter­natio­nalen Format 0049 und das über­mit­telte Pass­wort eingeben, und kann die Nach­richt lesen und ggfs. auch herun­ter­laden.

Auch iPhone-Nutzer, die den MMS-Dienst aus Kosten­gründen deak­tiviert haben, werden diese SMS bekommen (auch im Telekom- oder o2-Netz).

Gefahr durch Malware-Spammer

Vorsicht ist geboten, denn diese "Lücke" könnten Spam-Versender mit bösen Absichten ausnutzen. So könnten verstärkt SMS-Nach­richten auf dem Handy eingehen, die zum Herun­ter­laden einer Zusatz-App auffor­dern, um anste­hende Nach­richten empfangen zu können.

Ganz klar: Das Laden einer Zusatz-App ist absolut unnötig und auch gefähr­lich. Meist enthalten diese Apps nur eine Malware, die das eigene Smart­phone ausspio­nieren oder auf eigene Kosten den unsicht­baren SMS-Versand oder gar den Anruf über­teu­erter Mehr­wert-Rufnum­mern (oft als Kurz­wahl) auslöst.

Wann ist mit MMS gene­rell Schluss?

Wenn Voda­fone im Januar 2023 "Ernst" gemacht hat, ist davon auszu­gehen, dass Telekom und o2 gegen Jahres­ende 2023 wohl glei­ches durch­führen werden.

Voda­fone-Technik-Chefin Tanja Richter findet, "die MMS hat im Vergleich zur SMS immer ein Schat­ten­dasein geführt. Die Technik ist veraltet und der Kunden­nutzen minimal. Bilder und Videos werden heute fast ausschließ­lich per Messenger an einzelne Empfänger oder Gruppen versendet". Womit sie absolut recht hat.

Was passiert, wenn WhatsApp ausfällt, hat o2 unter­sucht.

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