Neue Taktik

Editorial: Kostenlos zum Erfolg!?

Microsoft feiert mit Windows 10 Erfolge. Aber sind diese mit kostenlosen Updates möglicherweise zu teuer erkauft? Insbesondere stellt sich die Frage, wie lange die Nutzer die upgegradeten Lizenzen nutzen werden.
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ErfolgschartErfolg dank kostenloser Updates Auf 10 Prozent aller PCs in Deutschland läuft bereits Windows 10. So schnell ist noch keine neue Windows-Version gestartet. Damit hat Windows 10 bereits Linux (3 Prozent), das alte Windows Vista (knapp 4 Prozent), das veraltete Windows XP (5 Prozent) und Mac OS X (9 Prozent) überholt. Und es scheint nur eine Frage von wenigen Wochen, bis Windows 10 den wenig beliebten Vorgänger Windows 8.1 hinter sich gelassen haben wird. Seit dem Start von Windows 10 ist dessen Marktanteil bereits von knapp über 20 Prozent auf ca. 17 Prozent gefallen. Windows 7 führt weiterhin mit ca. 50 Prozent, hat aber ebenfalls bereits einige Prozentpunkte an Windows 10 verloren..

Die Zahlen stammen von Statcounter, die die in den Zugriffen auf zahlreiche Webserver vom Browser gemeldeten Betriebssystemversion auswerten. Sie sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen, da der Website-Mix durchaus die Statistik beeinflusst: Auf einem Windows-Fan-Portal wird man wahrscheinlich eine viel höhere Update-Quote messen als auf einer Website mit Sozialberatung, wo ein erheblicher Teil der User möglicherweise dringendere Probleme hat als ein Windows-Update.

Unter den Usern von teltarif.de kommt Windows 10 bereits auf ca. 13 Prozent - und liegt damit nur noch einen Prozentpunkt hinter Windows 8.1.

Update erstmalig kostenlos

Relativiert wird der Erfolg von Windows 10 allerdings dadurch, dass Microsoft das Update an Nutzer von Windows 7 und Windows 8.1 kostenlos verteilt. Gerade letztere haben in großer Zahl sehnsüchtig darauf gewartet, dass Microsoft die von vielen Nutzern despektierlich "Kachelofen" genannte neue Benutzeroberfläche endlich besser und einfacher bedienbar macht. Und genau das leistet Windows 10. Entsprechend hoch ist die Update-Bereitschaft dieser Nutzer.

Vertraut man den Zahlen von Statcounter, sind ca. 60 Prozent der neuen Windows-10-User jedoch nicht von Windows 8.1, sondern von Windows 7 aus gewechselt. Die Wechsel-Quote ist für Win7 zwar geringer als für Win8.1, aufgrund der viel höheren Verbreitung von Win7 ist die Zahl der Wechsler von Win7 aus in absoluten Zahlen aber höher. Das ist ein großer Erfolg für Microsoft, da das Modern UI endlich aus der Nische kommt.

Wirtschaftliches Risiko

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Microsoft mit der kostenlosen Verteilung von Windows-10-Updates nicht nur die Chance verpasst, neue Windows-Lizenzen an Upgrade-willige Altnutzer zu verkaufen. Sie verteilen zugleich zuhauf neue Windows-10-Registrierschlüssel an Nutzer alter PCs, die ansonsten nicht upgedated hätten. Letztere werden beim nächsten Hardware-Upgrade möglicherweise darauf verzichten, eine neue aktuelle Windows-Lizenz zu erwerben. Die haben sie jetzt ja schon.

Indem Microsoft mit dem Update-Programm beweist, dass die Installation eines neuen Windows auf einem alten PC unproblematisch ist, könnten Nutzer auch wieder verstärkt zur Selbstinstallation des Betriebssystems auf neuen PCs schreiten, statt vorkonfigurierte Systeme zu kaufen. Denn auch bei letzteren gibt es eine Menge zu tun, vom Fertigstellen der Konfiguration bis hin zum Deinstallieren von Bloatware.

Nun hat Microsoft so hohe Rücklagen, dass Ihnen die Sicherung ihres hohen Marktanteils im PC-Bereich derzeit wichtiger sein kann als die Optimierung des Lizenzverkaufs. Microsofts Kalkül ist wahrscheinlich: Wird Windows 10 ein Erfolg, ziehen auch die PC-Verkaufszahlen insgesamt wieder an. Und sollte es beim Trend des vorinstallierten Windows bleiben, dann verdient Microsoft an steigenden PC-Verkäufen natürlich prächtig.

Die Frage ist also: Trauen sich die Nutzer, die in den letzten Wochen erfolgreich geupdated haben, oder dieses in den kommenden Monaten noch tun werden, auch die Neuinstallation von Windows auf ihrem nächsten PC? Wenn ja, dann war die kostenlose Update-Verteilung für Microsoft am Ende richtig teuer.

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