Selbstgespräche

Windows 10 für Handys: Microsoft zeigt erstmals Spartan

Neben neuen Smartphones zeigte Microsoft auf dem Mobile World Congress auch einige neue Funktionen von Windows 10. Auffällig dabei ist, wie sehr der Konzern auf die Synchronisation zwischen den verschiedenen Geräten setzt. Auch mobiles Arbeiten soll mit verbesserten Office-Apps deutlich vereinfacht werden.
Vom MWC in Barcelona berichtet Kaj-Sören Mossdorf
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Microsoft hat den Mobile World Congress in Barcelona nicht nur dazu genutzt mit dem Lumia 640 und 604 XL zwei neue Geräte der Lumia-Reihe anzukündigen, sondern nutze die Chance auch, um einige neue Funktionen des kommenden Betriebssystems Windows 10 für Smartphones vorzustellen. Dazu gehört beispielsweise auch der mit Spannung erwartet neue Internet-Browser des Systems, der unter dem Namen "Project Spartan" entwickelt wird.

Project Spartan - Microsofts neuer, universeller Browser

Stephen Elop präsentiert in Barcelona Windows 10Stephen Elop präsentiert in Barcelona Windows 10 Bislang war von dem neuen Browser noch nicht viel zu sehen, zwar kann die Engine, die Website darstellt, mit einigen Tricks bereits in den technischen Vorschauen von Windows 10 eingeschaltet werden, weitere Funktionen waren aber bislang noch nicht zu sehen. Auch in der Vorschau-Version für Smartphones war der neue Browser bisher noch nicht zu sehen. Heute nun erlaubte Microsoft einen - wenn auch sehr kurzen - Blick auf Project Spartan.

Auf der Pressekonferenz fielen vor allem optische Unterschiede auf: Während beim Browser von Windows Phone 8.1 die Adressleiste noch am unteren Bildschirmrand residiert, befindet sie sich beim neuen Browser nun an der oberen Kante des Displays. Dies könnte gerade bei größeren Displays zu Problemen bei der Bedienung führen, andererseits setzen auch Android und iOS auf diese Position. Der Verbreitung der Systeme schadet dies dabei nicht. Neben optischen Änderungen und der neuen Rendering-Engine stellte Microsoft auch eine neue Funktion mit dem Namen "Reading List" vor. Diese erlaubt es Internetseiten, die beispielsweise auf dem PC oder Tablet geöffnet sind auch mit dem Handy zu synchronisieren. Android- und iOS-Nutzer kennen dieses Feature von ihren Systemen schon seit längerem.

Cortana in der Wolke: Microsoft setzt auf die totale Synchronisation

Das Unternehmen zeigte heute zudem einige neue Fähigkeiten der digitalen Assistentin Cortana. Mit Windows 10 ist sie nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf dem Tablet oder Desktop-PC verfügbar. Um den Wechsel zwischen den einzelnen Geräten noch weiter zu vereinfachen, kann Cortana nun quasi mit sich selbst reden. So werden beispielsweise Alarme, die der Nutzer mit Hilfe von Cortana am PC eingestellt hat, sofort auch auf das Handy übertragen.

Wem also im Büro einfällt, dass er seiner Freundin besser noch Blumen mitbringt, kann künftig Cortana am PC damit beauftragen, eine Erinnerung anzulegen. Auf dem Heimweg weist das Smartphone den Nutzer dann darauf hin, dass er noch schnell einen Stopp am Blumenladen einlegen wollte. Mit Windows 10 können künftig aber nicht nur Alarme übertragen werden, auch Interessen (also beispielsweise verschiedene Nachrichten-Kategorien) synchronisieren sich künftig automatisch.

Auch die neue, universelle Karten-App synchronisiert getätigte Suchen und gespeicherte Orte künftig automatisch. Zudem werden dem Nutzer künftig Bewertungen von beispielsweise Restaurants direkt in der App angezeigt. Auch eine Routennavigation ist dabei wie bisher integriert.

Outlook als E-Mail-App auf dem Smartphone und weitere Details zu Office

Windows 10 auf dem SmartphoneWindows 10 auf dem Smartphone Im Januar zeigte Microsoft erstmals auch die neue Outlook-App, die künftig als Standard-E-Mail-App auf Windows-10-Geräten installiert sein soll. Heute nun demonstrierte der Konzern weitere Funktionen. So können Nutzer künftig auf Formatierungshilfen zurückgreifen, wie man sie zum Beispiel aus Word kennt. Innerhalb einer E-Mail können beispielsweise Schriftgröße, -Farbe und Hintergrundfarbe direkt bearbeitet werden. Mit der App eingeführt werden auch neue Bedienweisen. So kann der Nutzer nun eine E-Mail nach rechts beziehungsweise links wischen, um sie zu löschen oder als besonders wichtig zu markieren. Die Belegung dieser Wischgesten kann aber über die Einstellungen geändert werden. Künftig können Nutzer auch direkt aus Outlook heraus in die Kalender-App wechseln. Von Funktionen der Kalenderapp Sunrise, die Microsoft vor kurzem aufgekauft hat, war noch nichts zu sehen.

Gezeigt wurde zudem auch eine mobile Version von Excel, die es zum Beispiel erlaubt, Tabellen unterwegs zu bearbeiten. So können beispielsweise Formeln mobil bearbeitet oder neu angelegt werden. Laut eigener Aussage hat der Konzern dabei besonderen Wert auf die einfache Bedienung durch Touchgesten geachtet. Ein künftiges Hands-On wird zeigen müssen, wie einfach dies tatsächlich gelingt.

Universelle Apps und neue Kachelgrößen

Wer derzeit die Vorschau der Smartphone-Version von Windows 10 installiert, findet vor allem optische Änderungen. Die Frage, woran der Konzern in den letzten zwei Jahren gearbeitet hat, mag dem einen oder anderen dabei durchaus berechtigt erscheinen. Die Antwort darauf heißt "Universial App". Programme, die künftig für Windows 10 entwickelt werden, können - sofern vom Entwickler gewünscht - über alle Geräteklassen hinweg auf Windows installiert werden.

Die oben erwähnte Kartenapp teilt sich also auf allen Hardware-Plattformen den gleichen Quellcode. Dies gilt ebenfalls für den neuen Browser von Microsoft, der anders als der Internet Explorer nun als Applikation konzeptioniert ist und somit einfacher als bisher unabhängig vom Betriebssystem aktualisiert werden kann. Das universelle Konzept hat zudem den Vorteil, dass der Nutzer sich nicht auf eine unterschiedliche Bedienung auf dem PC und Smartphone einstellen muss. Auch das viel kritisierte Einstellungsmenü wird derzeit systemweit vereinheitlicht.

Mit der neuen Version für Smartphones führt der Konzern aus Redmond auch neue Kachelgrößen ein. Sofern vom Entwickler gewünscht, können Kacheln nun also den Platz von zwei großen Kacheln vertikal oder bis zu vier großen Kacheln vertikal und horizontal (in zwei Reihen) einnehmen. Ansonsten kündigte das Unternehmen an, künftig weitere Funktionen in das System integrieren. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die Veröffentlichungen in einem monatlichen Rhythmus erfolgen wird - ähnlich wie bei der Vorschau für den Computer. Wann die Vorschau für Telefone auch für andere Geräte als derzeit verfügbar sein wird, war den Mitarbeitern jedoch nicht zu entlocken.

Gerade zur Microsoft-eigenen Entwicklerkonferenz Build im April sind dabei jedoch einige neue Funktionen zu erwarten. Die finale Version des Betriebssystems wird vermutlich im Herbst erscheinen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Konzern laut Aussage von Stephen Elop auch neue Flaggschiffe veröffentlichen.

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