Widerspruch

Bing Streetside: Microsoft ermöglicht befristeten Vorabwiderspruch

Geplanter Zeitraum für die Einreichung des Widerspruchs ist August bis September
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa

Bing Streetside: Microsoft ermöglicht befristeten Vorabwiderspruch Neuer Panorama-Kartendienst ab Herbst:
Bing Streetside
Bild: Microsoft / Montage: teltarif.de
Microsoft lenkt hinsichtlich der Kritik der Datenschützer am geplanten Kartendienst Bing Streetside ein und ermöglicht den Nutzern nun doch eine befristete Vorab-Widerspruchsmöglichkeit. Der geplante Zeitraum für die Einreichung eines Vorab-Widerspruchs ist von August bis September 2011. Die Datenschutzaufsichtsbehörde und Microsoft bitten die Bürger darum, Widerspruchsanträge nur in diesem Zeitraum zu stellen, da diese sonst nicht bearbeitet werden können. Details hierzu werden rechtzeitig im Vorfeld der Veröffentlichungsdaten bekannt gegeben. Mit dem Beschluss solle der gesellschaftlichen Diskussion um die Geodatendienste Rechnung getragen werden, teilte das zuständige Landesamt für die Datenschutzaufsicht heute in Ansbach mit.

Bing Streetside: Microsoft ermöglicht befristeten Vorabwiderspruch Neuer Panorama-Kartendienst ab Herbst:
Bing Streetside
Bild: Microsoft / Montage: teltarif.de
Im Streit um den Panorama-Kartendienst wurde von den Datenschützern ein Mitspracherecht der Bürger über die Veröffentlichung und Nutzung der Fotos verlangt. Für den Dienst, dessen Start für diesen Herbst angesetzt ist, ist wie bei Konkurrent Google Street View der Einsatz von Kamerafahrzeugen nötig, die Fotos von Straßenzügen und Häuserfassaden aufnehmen, um diese dann an entsprechender Stelle bei Streetside einzubinden. Die Fahrten der Kamerafahrzeuge begannen am 23. März in Nürnberg, Fürth und Erlangen und sollen insgesamt 60 deutsche Städte abdecken. Microsoft lehnte Einwände für die Einbindung der Aufnahmen mit dem Verweis auf einen Kodex des Branchenverbandes BITKOM zunächst ab. Inhalt des Kodex ist die Einigung verschiedener Unternehmen, Nutzern erst nach der Publikation der Daten zu ermöglichen, diejenigen zu löschen, die sie persönlich berühren. Zudem verwies Microsoft auf die ausführliche Widerspruchsmöglichkeiten direkt in Streetside.

Microsoft hält am Prinzip der Datensparsamkeit fest

"Wir sind bereit, auf die Datenschützer zuzugehen", sagte Ralph Haupter, Chef von Microsoft Deutschland, nun nach der Bekanntgabe des neuen Entschlusses. Jedoch halte Microsoft eine politische Regelung für dringend notwendig und den Geodatenkodex inklusive der Selbstverpflichtungserklärung der Industrie für einen wesentlichen Maßstab. Einer der Haupteinwände des Unternehmens gegen eine Vorab-Widerspruchsfrist war der hohe Aufwand sowie große Menge an zu bearbeitenden Daten, die ein solcher Prozess nach sich ziehen würde. Denn um einen Vorabwiderspruch effizient bearbeiten zu können, benötigen die Anbieter von den Bürgern weitaus mehr Daten als bei einem Widerspruch nach Veröffentlichung, da die betroffenen Objekte eindeutig identifiziert werden müssen. "Wir wollen die Bedenken aber ernst nehmen", so Haupter nun.

Vor wenigen Wochen hatte Microsoft damit begonnen, die Straßen in deutschen Städten für den Geodatendienst zu befahren und Aufnahmen zu machen. Nach der Debatte um den Kartendienst des Konkurrenten Google hatte sich Microsoft bewusst mit dem Start seines eigenen Angebots Zeit gelassen. "Wir hatten bereits zwölf Monate gewartet, weil wir es besser machen wollen und die Interessen der Verbraucher und Datenschützer ernst nehmen", sagte Haupter. In Microsofts Streetside können Nutzer auch unmittelbar nach der Einstellung der Panoramaaufnahmen jederzeit gegen die Veröffentlichung widersprechen.