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Windows 10: Microsoft will die graue PC-Ära beenden

Microsoft präsentierte am 21. Januar, was Windows 10 so alles bringen könnte. Aber die Features waren nicht das Wichtigste. vielmehr zeigte der Konzern, dass er unter der Führung von Satya Nadella ganz andere Prioritäten setzt. Wir analysieren, was Microsoft für die Zukunft plant.
Von Hans-Georg Kluge
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Mehr als zwei Stunden sprachen Microsoft-Verantwortliche über Windows 10 und andere kommenden Produkte. Dabei wird deutlich: Das ist nicht mehr der Konzern von Bill Gates oder Steve Ballmer - der neue Boss Satya Nadella hat in seiner kurzen Amtszeit schon seine eigene Handschrift hinterlassen. Mehr Nutzer-Feedback, mehr Cloud, mehr Dienste - das ist offenbar die Strategie von Nadella.

HoloLens: Holografische Ergänzung der Umgebung

Microsoft-Claim: More personal computingMicrosoft-Claim: "More personal computing" Ein unerwartetes Highlight der Veranstaltung war sicher die Augmented-Reality-Brille HoloLens. Die Bezeichnung Datenbrille wird der Microsoft-Entwicklung kaum gerecht. Nichts weniger als eine Revolution ist der Plan der Entwickler. Falls Microsoft während der Veranstaltung nicht zu viel getrickst hat, könnte das sogar klappen. Allerdings wird der Konzern nachweisen müssen, dass die leistungsfähige Kopfbedeckung nicht nur im professionellen Umfeld zu gebrauchen ist. Denn wer möchte in seiner Freizeit oder zu Hause mit einem Kopfreif unterwegs sein? Zu Preisen oder Akkulaufzeiten hat sich Microsoft bislang noch nicht geäußert. Insofern ist ohnehin Abwarten angesagt, ob die HoloLens der ersten Generation viele Käufer anlocken kann.

Eine Video-Demonstration hat Microsoft auf einer speziell eingerichteten Webseite veröffentlicht.

Die enge Verknüpfung mit Windows 10 unter dem Stichwort Windows Holographic macht deutlich, was Microsoft im Schilde führt: Windows soll das spröde Image der grau-beigen PC-Kästen loswerden und stattdessen als innovative und zukunftsträchtige Plattform erscheinen.

Windows 10 ist zentrales Element der Microsoft-Strategie

Mehrfach wiesen die Sprecher während der Präsentation darauf hin, dass Nutzer-Feedback angenommen und eingearbeitet werde. Windows bald als Community-Projekt? Zumindest ein bisschen. Im Rahmen des Windows-Insider-Programms kann sich jeder Interessierte eine aktuelle Vorschau-Version der nächsten Windows-Generation herunterladen und Microsoft Rückmeldung zu Features und Problemen mit der Software geben. Auch künftig dürfte Microsoft auf dieses Entwicklungs-Modell setzen.

Die Neuerungen von Windows 10 stecken nicht nur unter der Haube. Microsoft hat alles daran gesetzt, das Design für unter­schied­liche Formfaktoren anzupassen - vom großen Fernseher über Desktop-PCs hin zu kleinen Tablets oder Smart­phones. Dennoch soll überall eine vertraute Umgebung auf den Nutzer warten. Wirklich Sinn ergibt das zum Beispiel bei leistungsfähigen Tablets wie dem Surface Pro, das sowohl einen Desktop- als auch einen Tablet-Modus aufweist.

Allerdings denkt Microsoft bei diesen Maßnahmen auch an Nutzer, die mehrere Geräte besitzen. Auch dann soll Windows 10 stets eine wiedererkennbare Be­nutzer­ober­fläche bieten. Deswegen ist es dem Konzern auch so wichtig, möglichst vielen Nutzern das Update auf Windows 10 schmackhaft zu machen. Windows 10 wird als kostenloses Update für Windows 7 und neuere Windows-Versionen erscheinen. Laut der Ankündigung allerdings nur im ersten Jahr. Ob das Update dann kostenpflichtig wird, konnte uns die Microsoft-Pressestelle auf Nachfrage nicht beantworten.

Nicht nur Marketing-Gewäsch ist der Wunsch, dass die Nutzer Windows lieben sollen. Dieser Anspruch zeigt vielmehr eine Entwicklung bei Microsoft: Windows war stets ein Werkzeug, von vielen Nutzern vielleicht eher geduldet als gemocht. Plattformen von Apple und Google haben über allgegenwärtige und persönliche Geräte wie Smart­phones und Tablets eine stärkere Bindung zu den Kunden aufbauen können. Diese Präsenz im Alltag möchte Microsoft mit Windows ebenfalls erreichen.

Cloud: Die Schaltzentrale der Microsoft-Zukunft

Entscheidend für das Gelingen von Microsofts Ideen ist die Cloud. Damit Daten auf allen Geräten des Nutzers bereit stehen, kommen die diversen Angebote des Microsoft-Kontos zum Zuge. Ob das Adressbuch, die Fotosammlung oder Office-Dokumente: Alles soll auf Microsoft-Servern liegen. Die persönliche Assistentin Cortana hat natürlich alle Informationen im Blick - dahinter stecken umfangreiche statistische Auswertungen des Nutzerverhaltens. Fraglich bleibt - wie bei vielen anderen (personalisierten) Cloud-Diensten - der Datenschutz. Wer sorgt dafür, dass die Daten wirklich privat bleiben? Wer verhindert ambitionierte kriminelle Angriffe auf die Server? Wer garantiert, dass die Daten nicht endlos ausgewertet werden, ohne dass der Nutzer dies kontrollieren könnte? All diese Fragen wird Microsoft beantworten müssen.

Wer sich auf das Cloud-Angebot einlässt, wird aber auch weitere Nachteile in Kauf nehmen müssen. Denn überall muss Microsoft-Software und Windows-Hardware zum Einsatz kommen. Umfassenden Plänen, auch auf anderen Plattformen wie iOS oder Android präsent zu sein, erteilte Satya Nadella jedenfalls eine vorsichtige Absage. Es werde Angebote geben, aber das volle Erlebnis ("experience") sei nur mit Microsoft-Produkten zu haben. Das heißt: Notebook, Tablet oder Smart­phone, Desktop-PC oder Spielekonsole - im idealen Haushalt ist Windows und Microsoft allgegenwärtig.

Hier geht Microsoft den Apple-Weg: Die Kalifornier haben ihren ganz eigenen Kosmos geschaffen, vom Macbook über das iPad hin zum iPhone - wer seinen Gerätepark nur mit Apple-Produkten zusammenstellt, sollte kaum Probleme haben, Daten intern zu übertragen oder überall auf die wichtigsten Dokumente zuzugreifen - wenngleich die iCloud-Umstellung im Zuge von iOS 8 zu einigen Irritationen geführt hat. Microsoft hat sich mittlerweile als Hardware-Hersteller bewiesen und hat für Notebooks und PCs viele Partner, die entsprechende Produkte entwickeln.

Noch dürften die Ankündigungen von Microsoft in den Chefetagen von Google und Apple nicht für Kopfschmerzen sorgen. Allerdings dürfte sich in den nächsten Jahren der Kampf um die Hoheit auf dem Betriebssystem-Markt verschärfen. Gelingt es Microsoft, genügend Nutzer von den Ideen zu überzeugen, könnte es auch für Windows auf Smart­phones und Tablets bergauf gehen. Windows 10 dürfte jedenfalls neuen Schwung in das schwächelnde Geschäft mit Lumias und Windows Phones bringen.

Alle Einzelheiten zu Microsofts Neuerungen erfahren Sie in unserer Meldung zum kostenlosen Update auf Windows 10.

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