Kritik an Microsoft

OneDrive und die NTFS-Einschränkung

In der vergangenen Woche hatten einige Nutzer von Microsofts Cloudspeicher OneDrive mit Problemen zu kämpfen. Alles was nicht NTFS-formatiert war, wurde nicht mehr synchronisiert. Nun kam heraus: Es war alles mit Absicht geplant.
Von Stefan Kirchner
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Microsoft OneDriveMit dem Update von OneDrive bezüglich NTFS-Laufwerke hätte Microsoft kommunikativer vorgehen müssen Für Cloudspeicher gibt es etliche Anbieter, die sich vornehmlich durch Leistung, Preise und unterstützte Betriebs­systeme für ihre Client-Software unterscheiden. Einer dieser Anbieter ist Microsoft mit der OneDrive-Plattform, die unter anderem auch fester Bestand­teil von Windows 10 ist. Allerdings sorgte der in Redmond beheimatete Konzern diese Woche für einigen Ärger.

Am vergangenen Wochenende verteilte Microsoft ein Update für die Client-Software, die eine kleine aber dafür umso folgen­reichere Änderung enthielt. Wechsel­daten­träger und Fest­platten, die mit einem anderen Datei­system als NTFS formatiert wurden, konnten nicht mehr mit OneDrive synchronisiert werden. Bei reddit gibt es einige solcher Berichte. Selbst das mit Windows 8 und Windows Server 2012 eingeführte neue Datei­system ReFS (Resilient File System, zu deutsch: Robustes Datei­system), dass sich noch in der Entwicklung befindet, wird nicht mehr von Microsoft unterstützt.

Auch wenn die Zahl der Betroffenen tendenziell eher kleiner ausgefallen sein dürfte, sorgte der Aufschrei für umso mehr Aufmerksamkeit.

Es ist alles gewollt

Gegenüber NeoWin hat sich Microsoft nun offiziell zu der Sache geäußert und gesagt, dass die Änderung tatsächlich gewollt und kein Fehler ist. Konkret erklärte der Konzern, dass man die bestmögliche Nutzer­erfahrung bei der Synchronisation der Cloud-Daten bieten möchte und das geht nur mit einem Industrie­standard wie NTFS als Datei­system. Was Microsoft jedoch einräumte, ist die fehlende Kommunikation über die nicht unerhebliche Änderung im Vorfeld des Updates.

Ins Rollen brachte den Stein der Aufregung ein Windows-10-Nutzer, dessen Synchronisation nach dem letzten OneDrive-Update urplötzlich aus heiterem Himmel nicht mehr funktionierte. Stattdessen erschien eine Warn­meldung, dass der gewählte Ordner­pfad für die Synchronisation nicht gültig sei. Besagtes Szenario scheint bevorzugt bei Geräten wie 2-in-1-Notebooks ähnlich dem Microsoft Surface Pro auf­zutreten, wo eine microSD-Speicherkarte als kosten­günstige Speicher­erweiterung für die interne SSD genutzt wird.

Die Aufregung kann man schon alleine dadurch nach­vollziehen, dass die Nutzer in dem erwähnten reddit-Thread auf das ReFS-Dateisystem für ihre externen Backup-Speicher nutzen. Aufgrund der verbesserten Eigenschaften im Hinblick auf Daten­integrität und selbstständiger Reparatur bei Datei­system­fehler, hat sich ReFS zu einer gewissen Beliebtheit entwickelt. Warum also Microsoft ausgerechnet für sein eigenes proprietäres Datei­system die Unterstützung einstellt, ist unklar. Höchst­wahrscheinlich liegt der Grund in der noch andauernden Entwicklung des Datei­systems, bis das Feature-Set von NTFS erreicht wurde. Außerdem wird ReFS bisher nur dann überhaupt in Erwägung gezogen, wenn man mehrere Daten­träger und sehr große Daten­mengen speichern will oder muss.

Die Änderung hat ihren Grund

So sehr man den Ärger auch verstehen kann, aber die Änderung passiert nicht von ungefähr. Bekanntlich will Microsoft in Kürze OneDrive mit einer Offline-Funktion namens "File on Demand" ausstatten, die unter anderem mit dem kommenden Fall Creators Update für Windows 10 verteilt werden soll. Diese macht von der Sparsefile-Funktion des NTFS-Dateisystems Gebrauch, die mit FAT und exFAT nicht unterstützt wird. Insofern ist die neue Richt­linie mit den unterstützten Datei­systemen nur eine Frage der Zeit gewesen.

Auch wenn die gestrichene Unterstützung für exFAT, FAT und ReFS sehr ärgerlich ist, liegt der Kern der Aufregung ganz woanders: Der Kommunikation. Es ist nicht das erste Mal, dass Microsoft eine durchaus fundamental weit­reichende Änderung in seiner Software ohne Ankündigung im Vorfeld veröffentlicht, und so seine Nutzer verärgert. Erschwerend kommt hinzu, dass der Punkt mit dem NTFS-Zwang nicht einmal in der offiziellen Dokumentation auftauchte.

Immerhin gelobt Microsoft Besserung in diesem Aspekt, auch wenn das nur wenig Trost bringt für die betroffenen Nutzer. Schließlich wäre eine mögliche Lösung gewesen, die Daten der Nicht-NTFS-formatierten Daten­träger woanders zwischen­zulagern, den Daten­träger auf das NTFS-Dateisystem zu formatieren und die Daten wieder zurück­zukopieren. Bei etlichen GB an Daten im oberen zwei­stelligen Bereich braucht das nicht nur Zeit, sondern auch entsprechende Daten­träger zum temporären zwischen­speichern.

Wenn auch Sie nicht auf exFAT verzichten können, ist eventuell der Wechsel zu einem anderen Anbieter für Cloud­speicher sinnvoll. Unser Vergleich der verschiedenen Online-Speicher Anbieter hilft Ihnen weiter.

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