Hands-On

Mixed-Reality: HoloLens mit Windows 10 ausprobiert

Im Rahmen eines Microsoft-Events konnten wir uns selbst einen ersten Eindruck von der Windows-10-Datenbrille HoloLens machen.
Vom Microsoft-Event in Hamburg berichtet
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Auf der HoloLens läuft eine angepasste Windows-10-VersionAuf der HoloLens läuft eine angepasste Windows-10-Version Microsoft hatte zu einer Veranstaltung unter dem Motto Windows-10-Devices nach Hamburg geladen. Neben neuen Geräten mit dem aktuellen Microsoft-OS der Drittanbieter zeigte der IT-Konzern deutschen Presse­vertretern erstmals offiziell seine Datenbrille HoloLens und lud zu einer Ausprobier-Session ein. Welche Eindrücke wird dabei gesammelt haben und ob unsere Erwartungen erfüllt wurden, lesen Sie in diesem Hands-On-Bericht.

Vor wenigen Wochen hatte Microsoft die Vorbestellung für die HoloLens in Deutschland gestartet. Interessierte Entwickler können die Datenbrille für rund 3300 Euro erwerben, die Variante für den kommerziellen Einsatz schlägt mit 5489 Euro zu Buche. Ende des Monats soll HoloLens an die Kunden ausgeliefert werden. In einer viertelstündigen Demonstration konnten wir uns bereits vorab einen Eindruck machen.

Im Unterschied zu einer VR-Brille blickt der Nutzer bei der HoloLens in die Echtwelt, wobei virtuelle Objekte hineinprojiziert werden. So kann etwa eine Anwendung und der App-Store gestartet und mit einer entsprechenden Fingergeste an der Wand platziert werden. Da in der HoloLens bereits ausreichend Rechenkraft verbaut ist, müssen Anwender nicht zusätzlich ein Smartphone oder einen PC anschließen.

Erste Erfahrungen mit der Brille

Das Abtauchen in die sogenannte Mixed-Reality geht denkbar einfach: Wir setzten die Brille auf und blickten in den quadratisch geschnitten Demonstrationsraum. Auch als Brillenträger lässt sich die HoloLens problemlos tragen, so zumindest unsere Erfahrung. Die 3D-Brille wird dabei einfach über die herkömmliche Sehhilfe gezogen. Über eine Arretierung lässt sich festlegen, wie stark der Halt sein soll. Nach dem Aufsetzen der Datenbrille sahen wir uns in dem Raum genauer um. An der Wand zu unserer linken wurde ein 3D-Modell eines Astronauten und eines Space Shuttles eingeblendet. Wir erhielten von einem Mitarbeiter die Anweisung, den Astronauten mit einer mausähnlichen Geste auszuwählen und anschließend dessen Skalierung zu verändern. Zunächst vergrößerten wir den Raumfahrer, indem wir eine Geste auf eine Ecke mit dem Vergrößerungsbutton ausführten. Nachdem wir den Astronauten auf die für uns passende Größe skaliert hatten, platzierten wir diesen an einem bestimmten Fleck im Raum, indem wir die Häkchen-Schaltfläche aktivierten. Fortan wurde der Mondfahrer dauerhaft an der festgelegten Position angezeigt.

Blumengeste statt Klick auf Windows-Startbutton

Blumengeste öffnet StartmenüBlumengeste öffnet Startmenü Um eine neue Apps zu starten führt der Nutzer eine Blumengeste aus. Dazu wird die Hand zunächst zu einer Faust geballt und anschließend geöffnet. Wichtig ist dabei, dass die in der 3D-Brille verbaute Kamera die Geste vollständig erfasst. Nach einigen Fehlschlägen wurden wir im Umgang mit der Gestenerkennung sicherer und starten das angepasste Windows-10-Startmenü der HoloLens. Vor dem Benutzer wird anschließend ein Menü angezeigt, welches aus mehreren Kacheln besteht. Anwender können häufig genutzte Anwendungen anpinnen, um darauf schneller zugreifen zu können. Weiterhin lässt sich über das Startmenü auch auf den Windows-App-Store zugreifen. Um einen besseren Eindruck der HoloLens-Funktionalitäten zu erhalten, sollten wir die Galaxy-Explorer-App starten, die dem Nutzer Zugriff auf eine virtuelles Sonnensystem ermöglicht. Dabei kann sich der Anwender dabei frei im Raum bewegen und per Mausgeste einzelne Planeten anwählen.

Menschliches Auge im 3D-Raum erkunden

Bei einer anderen App liegt der Fokus auf dem Erkunden unseres Sehorgans: Wer schon immer einmal einen Blick ins Innere des menschlichen Auges werfen wollte, wird mit einer Anwendung eines Studenten der Hochschule Furtwangen abgeholt. Vor dem Sichtfeld des Nutzers wird ein 3D-Auge eingeblendet. Der Anwender kann sich um das Auge herumbewegen und auch einen Blick ins Innere werfen, indem er sich im Raum bewegt. Im Unterschied zu einer Abbildung eines Auges auf einem 2D-Bildschirm ist der Eindruck wesentlich plastischer und man bekommt ein Gefühl für den Aufbau des Objekts.

Blick in den App-Store

Die neue HoloLens von Microsoft Die neue HoloLens von Microsoft Abschließend wollten wir noch wissen, wie der App-Store bei der HoloLens aussieht. Zunächst führten wir daher die Blumengeste aus, um ins Startmenü zu gelangen und wählten anschließend die Store-Kachel aus. Nun öffnete sich ein 2D-Fenster, welches wir im Raum platzieren konnten. Auf der Startseite werden ausgewählte UWP-Anwendungen angepriesen. Entweder der Nutzer entscheidet sich für eine der Anwendungen oder er wählt das Suchfeld an und tippt einen App-Name ein. Wie uns gesagt wurde, lässt sich für die Eingabe von Texten auch eine Bluetooth-Tastatur mit der HoloLens verbinden. Leider konnten wir uns selbst keinen Eindruck machen. Hat sich der Anwender für eine Applikation entschieden und diese mit einer Klickgeste angewählt, öffnet sich wie vom Windows-Store gewohnt die App-Detailseite und der Download kann gestartet werden.

Fazit und Ausblick

Vor der Demonstration waren wir gespannt, ob Microsofts neue 3D-Brille punkten kann und wie gut die Bedienung funktioniert. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die HoloLens trotz der noch recht neuen Technologie größtenteils gut funktioniert. Besonders positiv ist uns der Tragekomfort aufgefallen, selbst mit Sehhilfe haben wir das HoloLens-Gestell als kaum belastend wahrgenommen. Die Gestensteuerung ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da der Nutzer stets darauf achten muss, dass die Bewegungen von der Kamera erfasst werden. Allerdings muss fairerweise der kurze Testzeitraum von nur 15 Minuten berücksichtigt werden. Somit konnten wir auch nicht feststellen, wie lange der verbaute Akku die HoloLens antreibt. Wer übrigens bei der HoloLens auf ein großes Sichtfeld gehofft hat, wird enttäuscht: Die Einblendung der Hologramme findet auf einer begrenzten Fläche statt, während der restliche Sichtbereich nicht für die Hologramm-Darstellung genutzt wird. Bei den getesteten Apps ist uns dieser Faktor allerdings nicht wirklich störend aufgefallen. Zu hoffen bleibt allerdings, dass Microsoft bei der kommenden Generation der HoloLens an dieser Stelle nachbessert.

Doch vielleicht müssen Interessenten gar nicht so lange darauf warten. Schließlich sollen bald HoloLens-Derivate von Drittanbietern auf den Markt kommen. Preislich soll die günstigste Variante bei nur 299 Dollar liegen. Im Unterschied zum Microsoft-Original werden Nutzer die OEM-Hardware allerdings mit einem leistungsfähigen Windows-10-PC verbinden müssen, der die Berechnungen der Hologramme übernimmt.

Durch den wesentlich geringeren Preispunkt bei den Hologramm-Brillen der Drittanbieter dürfte die Verbreitung im Consumerbereich stark zunehmen und auch die Bereitschaft der App-Entwickler steigen, ihre Windows-10-UWP-Apps für die HoloLens-Plattform zu optimieren.

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