Zukunft

"Metaverse": Es gibt nicht nur eins, sondern viele

Alle reden vom Meta­verse und denken dabei meist an Face­book. Doch es gibt nicht nur ein Meta­verse, sondern viele.

Für viele Markt­beob­achter ist das "Meta­verse" das nächste „große Ding“. Ange­sichts von allerlei Schlag­worten (englisch "Buzz­words") bleibt dabei oft unbe­achtet, dass die Entwick­lung längst im Gang ist und sich nicht alleine auf den Consumer-Bereich (Privat­kunden) beschränkt.

Darauf macht der Netz­werk­aus­rüster Nokia aufmerksam. Es gäbe nicht nur ein Meta­verse, sondern viele verschie­dene Meta­versen für Unter­nehmen, Orga­nisa­tionen oder Einzel­per­sonen.

Ein Themen­park im Meta­versum?

Ein Unter­hal­tungs­kon­zern könnte zum Beispiel einen virtu­ellen Meta­verse-Themen­park aufbauen, während es für die Mitar­beiter eines Unter­neh­mens ein eigenes Meta­verse gibt. Während die Anzahl dieser Meta­versen recht groß sein dürfte, werde es vermut­lich drei Kate­gorien geben: Meta­versen für die Indus­trie (Produk­tion), dann für Unter­nehmen allge­mein und schließ­lich für Endver­brau­cher.

Alle Meta­versen wären mitein­ander verbunden und würden Tech­nolo­gien, Geräte und Schnitt­stellen gemeinsam nutzen, sagt Nokia voraus. Defi­nieren würden sie sich letzt­lich durch die von ihnen enthal­tenen Anwen­dungen und die dahinter liegenden Geschäfts­modelle.

Dabei entstehen nicht alle Meta­versen gleich­zeitig, einige seien heute schon fort­geschrit­tener als andere, wenn es darum gehe, Geschäfts­modelle zu entwi­ckeln. Denn das Meta­verse soll kein großer virtu­eller Vergnü­gungs- und Spie­lepark sein. Die Branche möchte darüber am Ende Geld verdienen oder wenigs­tens anderswo Geld sparen.

Das indus­tri­elle Meta­verse

Im industriellen Metaverse werden digitale Zwillinge eine große Rolle spielen Im industriellen Metaverse werden digitale Zwillinge eine große Rolle spielen
Foto: Nokia Oy
Auch wenn der Consumer-Bereich mehr Schlag­zeilen erzeuge, sei es der indus­tri­elle Bereich, wo das Meta­verse heute schon eine trei­bende Kraft für Busi­ness-Inno­vationen darstelle. Eine Tech­nologie habe sich hier bereits durch­gesetzt: Der digi­tale Zwil­ling ("digital Twin"). Durch die Verschmel­zung digi­taler und physi­scher Reali­täten verän­dern digi­tale Twins ganze Bran­chen, stellt Nokia fest.

Häfen setzen sie ein, um Container in den Docks nach­ver­folgen zu können. Luft- und Raum­fahrt­unter­nehmen bauen Motoren und Flug­zeug­rümpfe in der digi­talen Welt, um genau zu simu­lieren, wie ein Flug­zeug fliegen wird. Viele neue Fabriken, unter anderem auch bei Nokia, exis­tieren in der digi­talen Welt genauso wie in der physi­schen und ermög­lichen die Visua­lisie­rung von Abläufen bis ins kleinste Detail. Der Charme: Virtuell können Dinge auspro­biert und getestet werden, bevor sie in die Praxis umge­setzt werden. Das vermeidet teure "Unfälle" (weil etwas nicht klappt) und spart Kosten.

Das indus­tri­elle Meta­verse führe bereits jetzt zu Kosten-, Produk­tivi­täts-, Sicher­heits- und Flexi­bili­täts­stei­gerungen, weiß Nokia. In den nächsten Jahren würden die Systeme der indus­tri­ellen Betriebs­tech­nologie (OT) mit dem Meta­verse verschmelzen.

Die Indus­trie werde das Meta­verse nicht nur für das Moni­toring und die Analyse von Abläufen nutzen, sondern auch für die direkte Steue­rung von Abläufen durch die "digi­tale Orches­trie­rung" (das Zusam­men­spiel) von Robo­tern und Maschinen umsetzen. Die Indus­trie werde so in der Lage sein, Prozesse an sich ständig wech­selnde Nach­fra­gesi­tua­tionen anzu­passen.

Das Meta­verse der Unter­nehmen

Dabei habe die Indus­trie zwar einen klaren Vorsprung beim Meta­verse, aber Nokia sieht bereits erste Anzei­chen für das Entstehen von Meta­versen für Unter­nehmen im Allge­meinen. So hat die Pandemie die Nach­frage nach besseren Kolla­bora­tions- und Kommu­nika­tions­tools ange­kur­belt, und dank der Tech­nolo­gien der erwei­terten (XR) und der virtu­ellen Realität (VR) werden viele dieser Tools dem Meta­verse zuzu­rechnen sein, findet Nokia.

Meta­versen von Unter­nehmen würden schließ­lich auch die zentralen Produk­tivi­täts­anwen­dungen umfassen, die das Funk­tio­nieren des Unter­neh­mens sicher­stellen - vom digi­talen Zeichen­tisch in Archi­tektur- und Inge­nieur­büros bis zum Meeting­raum von VR-Schu­lungen. Und schließ­lich würden Unter­neh­mens- und Indus­trie-Meta­versen mitein­ander verknüpft, indem die zentralen IT-Systeme mit den OT-Systemen in der Ferti­gung zusam­men­geführt werden.

Das Meta­verse für Verbrau­cher

Was das Meta­verse im Consumer-Bereich angeht, sind die Erwar­tungen ziem­lich hoch. Doch gibt es bislang keine wirk­lich ausge­reiften Anwen­dungen und Geschäfts­modelle. In der Gaming-Welt sieht man erste (kleine) Schritte, aber es werde noch viele Jahre dauern, bis Menschen sowohl in einer digi­talen als auch in der physi­schen Realität leben werden, sagt Nokia voraus.

Einige Hürden gelte es zu über­winden: Verbrau­cher sind sehr sensibel für Themen wie den Preis und die Benut­zer­freund­lich­keit. Auch Größe, Form und Kosten von VR-Head­sets sowie die fehlende Mobi­lität von Erwei­terter Realität (XR) behin­dern die Entwick­lung des Meta­verse im Konsu­menten-Bereich. Darüber hinaus sei es in diesem Bereich schwer, alle rele­vanten Trends vorher­zusehen und zu berück­sich­tigen - anders als im Indus­trie­bereich, wo die Profi­tabi­lität darüber entscheidet, ob sich eine neue Tech­nologie durch­setzt.

Die lange Reise ins Meta­verse

Da sich die Meta­versen zunächst viel stärker auf die Indus­trie und Unter­nehmen auswirken werden, liege hier aktuell der Schwer­punkt ("Fokus"). Netz­aus­rüster wie Nokia sehen sich dabei in einer Schlüs­sel­rolle, denn "ohne fort­schritt­liche Netze wird es kein Meta­verse geben - weder für die Indus­trie noch für Unter­nehmen oder Verbrau­cher", stellt das in Finn­land gegrün­dete Unter­nehmen fest.

Notwen­dige Grund­lagen sind für Netz­werk­aus­rüster wie geschaffen: "Spezi­fische Campus­netze, 5G-Advanced und 6G, das 'Netz der Netze' und Network-as-a-Service, Edge- und Cloud-Compu­ting, KI und Sensorik sowie Sicher­heit und Daten­schutz."

Ausge­stattet mit diesen und anderen Tech­nolo­gien werden Meta­versen von Grund auf verän­dern, wie Unter­nehmen Produkte entwi­ckeln, Dienst­leis­tungen erbringen und ihre Kunden errei­chen, sagt Nokia voraus. Außerdem werde das Indus­trie- und Unter­neh­mens-Meta­verse die Grund­lage für das kommende Consumer-Meta­verse sein. Seit der Erfin­dung des Tran­sis­tors durch Nokia Bell Labs vor 75 Jahren sei das komplexe Zusam­men­spiel von Erfin­dungen für Unter­nehmen und Verbrau­cher eine blei­bende Konstante. Auf der langen Reise in das Meta­verse werde es nicht anders sein.

Die Indus­trie werde Vorreiter sein, aber am Ende würden sich Meta­versen in vielen Berei­chen durch­setzen. Der aktu­elle Nokia CEO, Pekka Lund­mark hat einen Artikel unter dem Titel "No one can own the meta­verse: we need colla­bora­tion to build it" (in engli­scher Sprache) verfasst.

Im Smart­phone-Sektor gibt es aktuell Modelle wie das Nokia X30 5G und das G60 5G. Wir haben beide Modelle auspro­biert.

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