Holodeck

Metaversum: "Second Life 3D" hierzulande kaum bekannt

Social Media ist in der Gesell­schaft ange­kommen. Meist ein- oder zwei­dimen­sional. Eine drei­dimen­sio­nale Welt kennen Raum­schiff-Enter­prise-Fans als "Holo­deck". Der Begriff „Meta­versum“ ist noch weithin unbe­kannt.

Wer regel­mäßig Raum­schiff Enter­prise geschaut hat, kennt die "Holo­decks", in denen sich die Raum­schiff­besat­zung in eine künst­liche, durch Holo­grafie erzeugte "Realität" begeben, entweder um sich zu entspannen oder größere Opera­tionen durch­zuspielen.

Das Meta­verse kommt diesem Prinzip in etwa nahe, ist aber durch die fehlenden physi­schen Einflüsse nicht 4D, wie es beim Holo­deck der Fall wäre. Das Meta­versum ist aktuell eher mit der virtu­ellen Welt "Second Life" vergleichbar, ergänzt um eine dritte Dimen­sion, durch die sich der Nutzer selbst und eben nicht nur per Mouse oder Joystick am PC-Monitor bewegen kann. Das wiederum bietet einige Möglich­keiten: Beruf­liche Meetings könnten in der virtu­ellen Realität statt klas­sisch per Video­kon­ferenz geplant werden. Wer sich neue Kleider kaufen möchte, könnte diese in digi­talen 3D-Läden anpro­bieren, statt im herkömm­lichen Online-Shop auf Verdacht anhand unklarer Fotos sicher­heits­halber zwei Größen bestellen.

Virtu­elle Welten entde­cken

Das Metaversum wird uns virtuelle Welten bescheren, in denen wir leben, spielen, einkaufen, Kontakte knüpfen und vieles mehr können. Das Metaversum wird uns virtuelle Welten bescheren, in denen wir leben, spielen, einkaufen, Kontakte knüpfen und vieles mehr können.
Foto/Grafik: Picture-Alliance/ dpa
Mit Metwa­verse könnten virtu­elle Zeit­reisen 150 Millionen Jahre in die Vergan­gen­heit unter­nommen werden, um zwischen gigan­tischen Brachio­sau­riern umher zu spazieren. So könnte die Zukunft des Inter­nets aussehen, das soge­nannte Meta­versum. Und es exis­tiert bereits in ersten Ansätzen und ist ein gemein­samer virtu­eller Raum, der das heutige Internet erwei­tert und durch den sich die Nutze­rinnen und Nutzer etwa mit Avataren bewegen können.

Thema kommt langsam an

Bei den Menschen in Deutsch­land kommt das Thema mitt­ler­weile an, hat der Bran­chen­ver­band Bitkom heraus­gefunden: Bereits jeder und jede Sechste (17 Prozent) hat vom Meta­versum gehört oder gelesen. 9 Prozent wissen dabei aller­dings nicht genau, was es ist. 5 Prozent wissen in etwa, was es bedeutet. Und 3 Prozent könnten nach eigenen Angaben bereits gut erklären, was man darunter versteht. Das ist das Ergebnis einer reprä­sen­tativen Befra­gung unter 1.005 Menschen in Deutsch­land ab 16 Jahren, die im Januar 2022 durch­geführt wurde. Demnach sagen auch 74 Prozent, sie hätten bislang noch nie vom Meta­versum bzw. Meta­verse gelesen oder gehört.

Span­nende Vision

„Das Meta­versum ist eine der span­nendsten Visionen unserer Zeit“, sagt Bitkom-Präsi­dent Achim Berg. „Schon heute stellen erste Firmen ihre Produkte im Meta­versum vor und virtu­elle Grund­stücke wech­seln dort für Millio­nen­beträge den Eigen­tümer.“ Beim Meta­versum soll die bishe­rige Tren­nung zwischen realer Welt und virtu­eller Welt aufge­hoben werden. In einem ersten Schritt geschieht dies bereits in Browser-Anwen­dungen oder mit Virtual-Reality-Brillen, künftig voraus­sicht­lich auch verstärkt per erwei­terter Realität (Augmented Reality) und durch digi­tale Zwil­linge.

Grund­sätz­liche Neugier

Ein Drittel der Deut­schen ist grund­sätz­lich neugierig auf das Meta­versum. Nach einer kurzen Erläu­terung zum Thema im Zuge der Befra­gung gaben 34 Prozent an, das Konzept grund­sätz­lich span­nend zu finden. 37 Prozent würden eine Virtual-Reality-Brille verwenden, um in das Meta­versum einzu­tau­chen, ein Viertel (24 Prozent) denkt, dass sich künftig weite Teile des privaten und beruf­lichen Lebens dort abspielen werden. Und ein Fünftel (19 Prozent) glaubt auch, dass das Meta­versum Menschen näher zusam­men­bringt.

Gleich­wohl ist für die breite Mehr­heit der Bevöl­kerung (81 Prozent) das Meta­versum noch weit entfernte Zukunfts­musik. 42 Prozent halten es für einen Hype, der bald vorbei sein wird. „Auch, wenn noch viele Fragen offen sind: Das Meta­versum hat das Poten­zial, das Internet, wie wir es heute kennen, funda­mental zu verän­dern“, betont Bitkom-Präsi­dent Berg. „Und es kann große Chancen für die Gesell­schaft und auch für die Wirt­schaft mit sich bringen. Auf jeden Fall ist es eine Gestal­tungs­auf­gabe.“

Meta­verse Forum gegründet

Um das Meta­versum und seine Poten­ziale in Deutsch­land zu erschließen, hat der Bran­chen­ver­band Bitkom ein „Meta­verse Forum“ ins Leben gerufen. Hier sollen die wich­tigsten Player des Meta­ver­sums zusam­men­gebracht werden. Es soll gezeigt werden, was das Meta­verse ist und welche Chancen es für Gesell­schaft, Wirt­schaft und Politik bietet. Auf die Teil­nehmer warten Vorträge und Experten-Diskus­sionen.

Beim ersten Meta­verse-Forum des Bitkom sollen Aspekte von AR (Augmented Reality) & VR (Virtual Reality), Block­chain (Sicher­heit, dass die verwen­deten Daten nicht unter­wegs verfälscht, verloren oder gestohlen wurden), Intel­lec­tual Property (Urhe­ber­rechte) & Digital Content (digi­tale Inhalte zum Kaufen oder Leihen oder Weiter­geben) sowie Marke­ting im Mittel­punkt.

Wer wurde was gefragt?

Die Zahlen des Bitkom stammen aus einer Umfrage, die im Januar 2022 wurden unter dabei 1.005 Personen in Deutsch­land ab 16 Jahren tele­fonisch durch­geführt wurde. Die Frage­stel­lung lautete: „Haben Sie schon einmal von dem Begriff „Meta­versum“ bzw. „Meta­verse“ gelesen oder gehört?“ und „Ich lese Ihnen nur einige Aussagen zum Meta­versum vor. Bitte beur­teilen Sie, inwie­weit Sie den folgenden Aussagen zustimmen."

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Wenn neue Dinge auf der Szene auftau­chen, ist nicht gleich klar, ob das nur ein vorüber­gehender Hype ist oder ob sich das länger­fristig hält. Als die ersten mobilen Tele­fonierer mit Schuh­karton-großen Kisten in der Öffent­lich­keit auftauchten, wurden sie als Spinner belä­chelt, ein Büro daheim oder im Grünen dank mobilem Internet schien völlig unvor­stellbar.

Social Media gehört heute zum Alltag, doch das findet aktuell noch ein- oder zwei­dimen­sional statt. Sobald es tech­nisch möglich ist, wird irgend­jemand mit diesen 3D-Welten, pardon dem Meta­versum, anfangen, ob wir das gut finden oder nicht. Da ist es sinn­voll, sich von Anfang an umzu­schauen und die Entwick­lung von Anfang an mitzu­ver­folgen. Was es für das MetaVers braucht, sind flächen­deckende sehr schnelle Netze und Endge­räte mit viel opti­scher und digi­taler Rechen­power. Viele Smart­phones können da schon mithalten.

Und eins ist auch klar: Große Unter­nehmen wittern das Mega-Geschäft. Sie möchten uns die Nutzung des Meta­verse am liebsten teuer verkaufen, wie damals zu Beginn des Inter­nets, als man noch pro Minute zur Kasse gebeten wurde. Und selbst wenn das Meta­verse zunächst kostenlos sein sollte, wird es an jeder Ecke Einla­dungen zum (kosten­pflich­tigen?) Konsum geben. Bis zu einem gewissen Grade ist das auch ok. Was draus wird, hängt von uns allen ab.

Am nächsten Montag öffnet der Mobile World Congress in Barce­lona wieder seine Türen für reale und virtu­elle Besu­cher. Das Meta­verse wird dort - beispiels­weise am Stand von Telefónica - eine große Rolle spielen. teltarif.de ist für Sie vor Ort und wird berichten.