Alte Hüte

CeBIT oder CEBIT - das ist hier die Frage

Aus der Hannover Messe entstand einst die CeBIT. Immer wieder wird experimentiert. Am neuen Konzept ist vor allen Dingen der Termin neu. Inhaltlich könnte vieles gleich bleiben.
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Eine erfolgreiche Messe ist schon immer ein Treffpunkt zum Meinungs und Erfahrungsaustausch und zum BestellenEine erfolgreiche Messe ist schon immer ein Treffpunkt zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch und Bestellen Es war mal eine Zeit, da gab es nur die Hannover Messe. Darin wurde als Unterausstellung in der riesigen Halle 1 ein "Centrum für Büro und Informationstechnik" (kurz CeBIT, mit der typischen Schreibweise mit kleinem "e") geschaffen, woraus sich später eine eigene Messe entwickelt hat. Diese CeBIT war einst die deutschlandweite, wenn nicht europa- oder sogar weltweite Leitmesse für Telekommunikation. Es war für Hersteller, Anbieter und Fachbesucher absolute Pflicht, dabei zu sein. Lange ist's her.

Auf der Suche nach dem richtigen Konzept

Immer wieder schwankte der Veranstalter, die Messe Hannover, ob sie eine Messe auch oder alleine für engagierte und interessierte Endkunden machen sollte. Ein Experiment blieb die "CeBIT Home". Sie wurde eingestellt, weil die auf Verkaufen eingestellten Firmenvertreter von jugendlichen Fachbesuchern auf einmal zu knackigen technischen Detailthemen der ausgestellten Produkte befragt wurden, was beiderseits für Enttäuschung sorgte. Man versuchte, durch gezieltes "Verschenken" von Tickets auch private, gut vernetzte Multiplikator-Kunden nach Hannover zu holen. Dann überlegten sich die Ausrichter wieder, ob sie sich über sehr hohe Eintrittspreise nicht doch rein auf Business-to-Business-Kunden (B2B) konzentrieren ("fokussieren") wollten. Immer mehr Aussteller fanden mit der Zeit, dass die Messe immer uninteressanter werde und blieben fern.

Im letzten Jahr tauchten sogar Gerüchte auf, dass die Deutsche Telekom nicht mehr kommen wolle, einzig ein Anruf von Kanzlerin Merkel habe den Bonner Konzern noch umgestimmt.

Zurück zu einer Hannover Messe?

Seit der Ausgründung der Hannover Messe CeBIT gibt es zwei Messen: Die Hannover Messe Industrie, welche dieses Jahr vom 23. bis zum 27. April in Hannover stattfindet. Dort wird die Deutsche Telekom mit einem umfangreichen Stand zu Industrie und Profi-Themen der IT und Telekommunikation vertreten sein. Von daher hätte man die CeBIT also sanft entschlafen lassen können. Wollte man aber dann doch nicht.

Aus der CeBIT wird die CEBIT

Für in die Jahre gekommene CeBIT hat sich die Messe wieder einmal ein neues Konzept mit Konferenz und Diskussionsveranstaltungen ausgedacht. "CeBIT" schreibt man jetzt "CEBIT" und als Termin wurde der 11.-15. Juni 2018 ausgetüftelt, fast genau zu dem Zeitpunkt, wo die aufstrebende neue Leitmesse für digitale Kommunikation und Inhalte "Angacom" in Köln stattfindet (vom 12.-14. Juni).

Der Messe Hannover ist es gelungen, auch dieses Jahr die Deutsche Telekom wieder zu übereden, an der neu geschaffenen Konferenz-Plattform "d!talk" und auf "das pulsierende Herz der neuen CEBIT", den "d!campus" zu kommen. "T-Systems" und "Telekom Deutschland" werden als "Messe-Highlight" am 14. Juni 2018 auf der "Grand Central Stage" in Halle 27 ganztägig den "Digitalisierungstag" ausrichten. Außerdem will sich die Telekom den Fachbesuchern mit Sicherheitslösungen der "Magenta Security" auf dem "d!campus" über die gesamte CEBIT-Woche präsentieren.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

In diesem Messehochhaus werden die Konzepte für die Messen in Hannover ausgetüfteltIn diesem Messehochhaus werden die Konzepte für die Messen in Hannover ausgetüftelt Das neue Konzept der CEBIT setzt im Kern auf die "emotionale Verbindung von Messe zur Geschäftsanbahnung, Konferenz und Networking". Das neue Konzept ist eigentlich ein uraltes. "Die Telekom begleitet den Prozess der Neupositionierung der CEBIT weiter konstruktiv", hieß es dazu vielsagend aus Bonn.

Natürlich freut sich der Gastgeber Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG: "Damit starten wir inhaltlich sehr stark in die neue CEBIT. Wir freuen uns sehr, dass auch die Deutsche Telekom für die Fachbesucher sichtbar auf der neuen CEBIT vertreten sein wird und unseren Weg hin zu Europas führendem Business-Festival für Innovation und Digitalisierung aktiv unterstützt." Im Marketing-Sprech sprechen die Veranstalter von "Business, Leads und Ideen", welcher den 360-Grad-Blick auf die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft erlauben soll.

Wie führend die neue CEBIT sein wird, stellt sich am letzten Tag heraus, wenn die Besucherzahlen vorliegen.

CEBIT: Der neue Terminplan

Der erste Tag der neuen CEBIT, der Montag, der 11. Juni wurde jetzt "Take-Off-Monday" getauft, als Konferenz- und vor allen Dingen traditioneller Presse- und Medientag. Gelegenheit für den neuen CEO der Industrie- und Großkunden-Sparte der Deutschen Telekom, T-Systems, Adel B. Al-Saleh, sich dem Publikum vorzustellen. Vorher spricht die sogenannte "Virtual-Reality-Ikone" Jaron Lanier.

Für Besucher öffnet die Messe mit ihren vier Plattformen "d!conomy", "d!tec", "d!talk" und "d!campus" dann am Dienstag, den 12. Juni.

Die Messeplattform "d!conomy" richtet sich an IT-Spezialisten und Entscheider aus Unternehmen, dem öffentlichem Sektor und dem Handel, also alles, was für die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung notwendig ist.

Beim Messeformat "d!tec" geht es um Entwickler: Startups zeigen ihre "disruptiven Geschäftsmodelle" und Forscher stellen die Technologien von "morgen und übermorgen" vor.

Auf den Konferenz-Bühnen von "d!talk" sollen "Visionäre, Querdenker, Kreative und Experten aus aller Welt" sprechen.

Das "emotionale Herzstück" der neuen CEBIT soll "d!campus" mit Platz zum Netzwerken in Lounge-Atmosphäre, für Streetfood und Livemusik werden.

Die Messehallen sind von Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, der d!campus sogar bis 23 Uhr. Der CEBIT-Freitag geht von 10 bis 17 Uhr.

Festival der Marketing-Strategen

Die CEBIT möchte die "Digitale Transformation neu inszenieren", aber dabei soll um "Business und Leads, Leads, Leads" gehen. "Leads" sind im Business-Jargon die verbindlichen Bestellungen und Aufträge. Nur haben sich die Zeiten gewandelt. Viel findet längst im Internet statt.

Von allem ein bisschen?

Die neue CEBIT zusammengefasst: Von allem also ein bisschen, aber nichts Genaues.

Von Vorteil für die Veranstalter dürfte das vermutlich bessere Wetter im Juni sein. Bei vielen Messebesuchern war die bisherige Messe gerne als "Schneebit" verspottet worden - von entscheidendem Nachteil dürfte die parallel verlaufende Messe Angacom sein, welche wichtige Fachbesucher und Austeller aus der TK- und Medienbranche von Hannover fernhalten könnte.

Der interessierte Fachbesucher wird sich eine Liste machen: Sind meine Lieferanten noch oder wieder vor Ort? Ist meine Fachsparte ausreichend vertreten? Finde ich die wichtigen Ansprechpartner vor Ort, die mich fachkundig beraten oder bei denen ich verbindliche Preis- und Lieferbedingungen aushandeln kann? Oder treffe ich nur "Dampfplauderer", die mir meine Zeit rauben und mich ratloser heimkehren lassen, als ich es vorher bin?

Digitalisierung bedeutet vor allen Dingen schnelle Netze bis vor die Haustür. Und die baut mir eine Messe auch nicht unbedingt. Dazu muss ich mit dem Anbieter reden, der bei mir vor Ort vielleicht bauen kann oder will, wenn man ihn lässt. Ist der in Hannover oder Köln oder weder noch? Aus dem Terminkalender für Tarife und Innovationen kann man die CeBIT streichen. Im Privatkundensektor wird das wieder die IFA in Berlin sein, im Geschäftskundensektor vielleicht die Hannover Messe Industrie, eher Veranstaltungen wie der Mobile World Congress oder vielleicht auch die CES Show in Las Vegas, USA. Falls es solche kalendarischen Termine für die Branche überhaupt noch gibt.

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