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Fiberdays: "Digital-Strategie des Bundes wird sichtbar"

Vor drei Jahren fand die letzte Fiber­days Messe in Wies­baden statt. Bis 2025 soll die Zahl der Anschlüsse verdrei­facht und bis 2030 flächen­deckend sein.
Von den BREKO Fiberdays in Wiesbaden berichtet

Vor zwei Jahren mussten die "fiber­days" auf Grund der Pandemie kurz­fristig abge­sagt werden. Nun ist größte Spezi­almesse für Glas­faser (Fiber­glas) zurück. Sie wurde heute als Kongress- und Mess­event rund um Digi­tali­sie­rung, digi­tale Infra­struktur und Glas­faser­ausbau vom Führungs­team des Bundes­ver­bands Breit­band­kom­muni­kation (BREKO) sowie den Digi­tal­poli­tike­rinnen Daniela Kluckert, Parla­men­tari­sche Staats­sekre­tärin beim Bundes­minister für Digi­tales und Verkehr und der hessi­schen Digi­tal­minis­terin Prof. Dr. Kris­tina Sinemus eröffnet.

Von 3000 auf über 5000 Fach­besu­cher

Eröffnen die Fiberdays in Wiesbaden: v.l.n.r Prof.Jens Böcker, Dr. Stephan Albers (BREKO), Ministerin Sinemus, Herbert Bockers (abl), Norbert Westfal (BREKO) Eröffnen die Fiberdays in Wiesbaden: v.l.n.r Prof.Jens Böcker, Dr. Stephan Albers (BREKO), Ministerin Sinemus, Herbert Bockers (abl), Norbert Westfal (BREKO)
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Diesmal hatten sich 5000 Fach­besu­cher und 230 Aussteller ange­meldet, berich­tete Prof. Dr. Jens Böcker von der Hoch­schule Rhein-Sieg. „Es wird soviel Glas­faser verlegt, wie nie zuvor, aber die Kupfer reicht nicht. Das Daten­wachstum beträgt 40 Prozent pro Jahr und Telekom, Voda­fone oder Telefónica schaffen das nicht alleine.“

BREKO Präsi­dent Norbert Westfal ist glück­lich, nach drei Jahren wieder bekannte Gesichter zu sehen. Man habe sich gefreut, zu Digital-Minister Wissing einge­laden zu werden. Das Ziel "Glas­faser flächen­deckend bis 2030" sei richtig. Nun müsse es noch einfa­chere Geneh­migungs­ver­fahren geben.

Angst vor zu viel Förde­rung

Nach wie vor befürchtet der Verband, dass eine über­mäßige Förde­rung den Ausbau eher verzö­gern könnte. Er fordert eine Gleich­ver­tei­lung des Ausbaus - dosiert über die nächsten Jahre.

Verti­kale Messe

Zwar hatte Glas­faser bei Video­kon­ferenzen gute Dienste geleistet, aber Vertrauen lassen sich nur in realen Treffen aufbauen. Die fiber­days sind eine „verti­kale Messe“, d.h. es werden alle Produkte und Dienst­leis­tungen rund um den Netz­ausbau gezeigt. BREKO-Geschäfts­führer Dr. Stephan Albers brachte es auf den Punkt: „Es wird höchste Zeit“, nicht ohne den Mitglie­dern, Ausstel­lern und Spon­soren für ihre Soli­darität in den letzen drei Jahren zu danken. Über 230 Netz­betreiber sind Mitglied im BREKO-Verband.

Prof. Sinemus erklärt hessi­sches Konzept

Prof. Dr. Kris­tina Sinemus, „Deutsch­lands erste Digi­tal­minis­terin“ war vor drei Jahren das letztes Mal „analog“ dabei, sonst habe sie immer nur an der „Kachel­gemein­schaft“ teil­genommen (gemeint sind die vielen Kachel­bilder bei Video­kon­ferenzen). Sinemus erklärte die hessi­schen Ausbau­ziele: Noch dieses Jahr sollen alle Schulen, Gewer­bebe­triebe und Kran­ken­häuser per Glas­faser erreichbar sein. In 12 Monaten will die Minis­terin 530.000 Haus­halte mit Glas­faser ausge­baut haben, bis 2025 sollen die meisten Anschlüsse giga­bit­fähig sein, bis 2030 flächen­deckend.

Sinemus betonte, dass der „eigen­wirt­schaft­liche“ Ausbau im Vorder­grund stehen solle, eine Substi­tuie­rung solle es nur dort geben, „wo es nicht reicht“. Das Minis­terium habe eine Poten­zial-Analyse ange­schoben, um zu schauen, wo es noch fehlt.

Förde­rung alter­nativer Verle­geme­thoden

Die hessi­sche Landes­regie­rung setze sich dafür ein, dass alter­native Verle­gever­fahren (z.B. Tren­ching) möglich werden und die Antrags­ver­fahren einfa­cher und schneller werden könnten. Glas­faser leiste einen Beitrag zur Nach­hal­tig­keit, denn die Netze brau­chen weniger Strom. Das Land werde sich genau anschauen, ob die verspro­chenen Ausbauten auch statt­finden. Der Glas­faser-Ausbau belebe die Wirt­schaft und erlaube beispiels­weise Star­tups im länd­lichen Raum, z.B. eHealth im Oden­wald.

Digital-Stra­tegie des Bundes wird erkennbar

Per Video zugeschaltet: Daniela Kluckert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr Per Video zugeschaltet: Daniela Kluckert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Staats­sekre­tärin Daniele Kluckert (BMDV) begrüßte, dass die TK-Indus­trie 50 Milli­arden Euro inves­tiert. Bis 2025 solle es eine „Verdrei­fachung“ aller Glas­faser-Anschlüsse im Land geben, was 50 Prozent aller Haus­halte entspreche. Berlin plane eine „Rahmen­zustim­mung für größere Baumaß­nahmen“, d.h. mit einer Geneh­migung könne ein Baupro­jekt weit­gehend geneh­migt werden. Wie in Hessen will sie bundes­weit Tren­ching und über­irdi­sche Verle­gung fördern und die Stan­dar­disie­rung und Normung voran­bringen.

Es solle ein Fonds für Haftungs­schäden aufge­legt werden, woraus die Kosten für spätere Repa­raturen bezahlt werden könnten, wenn in einer Straße Wasser, Abwasser, Gaslei­tungen oder Strom verlegt werden sollten und beim späteren Aufgeben die Glas­faser „leiden“ sollte.

Kluckert erwähnte auch das Gigabit-Grund­buch, wo man genau nach­lesen können solle, an welchem Ort mit welchen Internet-Anschlüssen und -Geschwin­dig­keiten zu rechnen ist. Die Daten sollen an einer Stelle gesam­melt werden.

Die Förder­kulisse sei Daseins­vor­sorge und müsse „minimal invasiv“ vergeben werden, die Förder­pro­zesse sollten digi­taler und schneller werden.

Mobil­funk wird weiter ausge­baut

Für das "Minis­terium für Digi­tales und Verkehr (BMDV) ist - Stand Ende 2022 - etwa 98 Prozent des Landes mit 100 MBit/s über Mobil­funk versorgt. Die Mobil­funkin­fra­struktur Behörde MIG soll unter­stützt und mehr sichtbar werden. Durch die Vorgabe, nur noch „stör­festes GSM-R“ als Zugbahn­funk einzu­setzen, sollen die Mobil­funk­fre­quenzen an Bahn­linien besser genutzt werden können.

In der Digital-Stra­tegie des Bundes stehen die Themen Gesund­heit, Fami­lien, Bundes­wehr, zentrale digi­tale Infra­struktur, Smart Farming und Digi­tale Iden­tität ganz oben. Digi­tale Iden­tität spiele im Verhältnis zwischen Staat und Bürger eine große Rolle.

Was möglich ist, hat sich Kluckert auf dem MWC in Barce­lona zeigen lassen. Für Deutsch­land fordert sie den Mut, analoge Systeme abzu­schalten. Als Beispiel nannte sie den Omnibus, wo man jetzt wieder zeit­rau­bend und umständ­lich bar bezahlen könne.

Tech-Konzerne wie Netflix oder YouTube sorgen mit ihren Diensten für hohen Internet-Daten­ver­kehr. Für diese Daten-Umsätze könnten sie in der EU bald zur Kasse gebeten werden.

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