IAA

Merkel will schnellen Ausbau der Netze für neue Mobilität

Inmitten von Kritik von Klima­schüt­zern sucht die Auto-Indus­trie den Weg in die Mobi­lität der Zukunft. Die Kanz­lerin sprach sich bei der Eröff­nung der IAA für eine bessere Infra­struktur aus. Es kam zu Protesten.
Von dpa /
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Bundes­kanz­lerin Angela Merkel (CDU) hat sich zur Eröff­nung der Inter­natio­nalen Auto­mobil­ausstel­lung IAA für einen schnellen Ausbau der Infra­struktur ausge­spro­chen. Der Umbruch in der Mobi­lität sei eine "Herku­lesauf­gabe" für Staat und Indus­trie glei­cher­maßen, bei der eng zusam­menge­arbeitet werden müsse, sagte sie heute in Frank­furt. Die Verläss­lich­keit der Ladein­frastruktur sei für den Erfolg der Elek­tromo­bilität von größter Bedeu­tung. 20 000 Lade­punkte seien noch lange nicht ausrei­chend.

"Wir können das schaffen, als Deutsch­land vorne mit dabei zu sein", sagte Merkel. Die Kanz­lerin kündigte an, dass bis 2022 entlang aller Auto­bahnen der neue Mobil­funk­stan­dard 5G zur Verfü­gung stehen werde, und zwei Jahre später auch entlang der Bundes­straßen. Die Tech­nologie ist wichtig für neue digi­tale Funk­tionen in den Autos.

Bundeskanzlerin Merkel auf der IAA bei Volkswagen
Bundeskanzlerin Merkel auf der IAA bei Volkswagen

"Pseu­dore­ligiöse Heils­gewiss­heiten" bringen nichts

Bern­hard Mattes, Präsi­dent des Verbandes der Auto­mobil­indus­trie, wandte sich gegen eine Verschär­fung der bereits geltenden Klima­ziele. Zunächst müsse das erle­digt werden, was verein­bart worden sei. Während die Indus­trie Tech­nolo­gien zur Verfü­gung stelle, halte die notwen­dige Infra­struktur für alter­native Antriebe nicht mit. Mattes nannte den Ausbau der erneu­erbaren Ener­gien, die Lade-Infra­struktur und den Netz­ausbau als Beispiele.

"Pseu­dore­ligiöse Heils­gewiss­heiten" brächten die Diskus­sion um Mobi­lität nicht weiter, meinte Hessens Minis­terprä­sident Volker Bouf­fier (CDU). Er betonte die Weiter­entwick­lung der IAA, die zu einem Ort geworden sei, an dem über verschie­dene Mobi­litäts­konzepte gespro­chen werden könne. Es komme auf den Ausgleich der Inter­essen an. "In der Fläche wird indi­vidu­elle Mobi­lität ohne Auto nach meiner Auffas­sung eine Illu­sion bleiben."

IAA: Die Messe verän­dert sich

Inmitten wach­sender Konjunk­tursorgen bei Herstel­lern und Zulie­ferern steht die Inter­natio­nale Auto­mobil­ausstel­lung zuneh­mend in der Kritik. Klima­schützer werfen der Auto­indus­trie vor, den Wandel zu emis­sions­freier Elek­tromo­bilität nicht entschlossen genug voran­zutreiben und weiter auf klima­schäd­liche Stadt­gelän­dewagen (SUVs) zu setzen. Am Ausstel­lungs­stand von Volks­wagen klet­terten heute zwei Akti­vistinnen auf Autos und hielten Plakate mit der Aufschrift "Klima­killer" hoch. Während Merkel den BMW-Stand besuchte, wurde zudem ein heran­nahender Protestler vom Sicher­heits­dienst abge­fangen und abge­führt. Für das Wochen­ende sind große Demons­trationen ange­kündigt.

Zudem ist die Fort­setzung der IAA am Messe­standort Frank­furt frag­lich. Der veran­stal­tende VDA will mit seinen Mitglie­dern heute über mögliche Alter­nativen oder auch eine Fort­führung in Frank­furt in verän­derter Form spre­chen. Mit Ergeb­nissen sei noch nicht zu rechnen. Der VDA hat bereits versucht, dem Ereignis mit zusätz­lichen Kongress­formaten mehr inhalt­liche Tiefe zu geben.

Viele Redner zeigen sich kritisch

Nach einem Messe­besuch urteilte Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: "Die IAA 2019 ist ein großer Rein­fall. Sie ist ein trau­riger Schatten ihrer selbst. Eine IAA 2021 wird es nicht geben." Die Messe zeige zu viele Autos und bilde nicht die gesamte Branche ab, begrün­dete er seine Enttäu­schung.

Im Vorfeld der Eröff­nungs­feier hatte es Ärger um den Frank­furter Ober­bürger­meister Peter Feld­mann (SPD) gegeben, der anders als in den Vorjahren nicht spre­chen sollte. Feld­mann habe nie auf der Redner­liste gestanden, erklärte ein Spre­cher des VDA. Der Kommu­nalpo­litiker sei daher auch nicht ausge­laden worden, schon gar nicht wegen mögli­cher kriti­scher Inhalte in seiner Rede.

Am Nach­mittag wird Grünen-Chef Robert Habeck auf der IAA erwartet. Er soll dort an einer Diskus­sion mit Daimler-Chef Ola Källe­nius teil­nehmen. Im Vorfeld hat Habeck ein grund­legendes Umsteuern in der Politik verlangt.

Es ist der erste von zwei Fach­besu­cher­tagen, am Samstag kann dann auch das breite Publikum die Neuheiten auf der größten Auto­messe der Welt sehen.

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