MeeGo

Plattform MeeGo: Gute Idee, die noch einige Hürden nehmen muss

Nokia und Intel arbeiten zielstrebig an der Umsetzung des Systems
Von Rita Deutschbein
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Pünktlich zu Beginn des Mobile World Congress in Barcelona präsentierten Nokia und Intel ihre gemeinsame Plattform MeeGo. Das auf Linux basierende System ist eine Verbindung aus dem Handy-Betriebssystem Maemo und der Netbook-Plattform Moblin. Die Grundidee ist es, ein Universal-System zu entwickeln, das die Technologien von Smartphones und Netbooks zusammenführt.

"Intel und Nokia vereinen Moblin und Maemo zu MeeGo, einer Linux-basierten Software Plattform, die zahlreiche Hardware-Architekturen über viele Gerätesegmente hinweg unterstützt. Dazu gehören Mobilcomputer für die Westentasche, Netbooks, Tablet PCs, Media Phones, interaktives Fernsehen und Unterhaltungs- und Navigationssysteme im Auto", so Nokia. Für die beiden Unternehmen hat Linux als Kern des Systems einen hohen Stellenwert. Maemo und Moblin zusammengenommen bieten laut den Unternehmen eine hohe Flexibilität und eine uneingeschränkte Wiedergabe von aktuellen Web-Technologien wie beispielsweise Flash.

Ein zentraler Appstore ist zunächst nicht geplant

MeeGo soll schon bald für Entwickler bereitgestellt werden. Intel und Nokia laden ausdrücklich dazu ein, an der Weitentwicklung der Plattform mitzuwirken. Um das System richtig ausschöpfen zu können, sollte es z.B. einen Appstore geben, der gute und günstige Apps zur Verfügung stellt. Beide Unternehmen äußern sich zu diesem Thema allerdings etwas zurückhaltend. MeeGo biete die Qt Entwicklungsumgebung und setze auf die Leistungsfähigkeit und die Anwendungsmöglichkeiten des Moblin Kern-Betriebssystems. "Durch Qt können Entwickler für eine Vielfalt von Geräten und Plattformen einmal Applikationen schreiben und sie über Nokias Ovi Store und das Intel AppUp Center vermarkten", so die Unternehmen.

Janne HeikkinenDirector Product Planning Maemo Devices bei Nokia, Janne Heikkinen Janne Heikkinen, Director Product Planning Maemo Devices/Family, teilte dem Tech-Blog mobicroco gegenüber mit, dass erst einmal sowohl der Ovi-Store als auch das Intel AppUp Center bestehen bleiben sollen. Allerdings wird es eine Synchronisation der beiden Stores geben, soweit die Apps beide Plattformen unterstützen. Potenzielle App-Entwickler können selbst entscheiden, für welchen Store sie eine Applikation anbieten wollen. Allerdings sollte bei der Entwicklung beachtet werden, dass die Vorgaben für die Programmierung identisch sind. Vermutlich wird MeeGo bis zum zweiten Halbjahr 2010 fertig gestellt sein - Moblin soll dann bereits ab der Version 2.2 MeeGo heißen.

Noch alles offen in Sachen Hardware

Die Tatsache, dass verschiedene Technologietypen das selbe System bekommen sollen, könnte jedoch auch zu Schwierigkeiten führen. Aus diesem Grund muss vor allem die Bedienung sehr flexibel sein. So müssen Eingaben per Maus, Tastatur, Touchscreen, Fernbedienung und eventuell sogar per Voice möglich gemacht werden.

Fest steht bereits, dass nicht alle MeeGo-Geräte auf Intel-Basis auf den Markt kommen werden. Auch der finnische Mobilfunk-Hersteller hat bisher offenbar noch keine Smartphones mit Intel-Chips in Planung. Der Erfolg des Systems hängt vor allem davon ab, ob die verschiedenen Unternehmen die neue Plattform annehmen und zukünftig auch die anvisierten Gerätetypen mit dieser Technologie auf den Markt bringen. Sowohl Nokia als auch Intel sehen der Sache jedoch positiv entgegen und rechnen mit Zuspruch.

In Sachen Hardware kündigte Nokia bereits an, dass sie auch weiterhin den Handys treu bleiben, jedoch durchaus auch die Entwicklung von anderen Geräten ins Auge fassen würden. So brachte der finnische Hersteller bereits im letzten Jahr sein erstes eigenes Netbook, das Nokia Booklet 3G, heraus. Möglich wäre es, selbiges mit dem neuen System auszurüsten oder komplett neue Geräte zu entwickeln.

Als vorläufiges Fazit gilt, dass MeeGo eine durchaus gute Entwicklung ist, die allerdings noch einige Arbeitsschritte in Anspruch nehmen wird. Die Baustellen sind vor allem die noch durchzuführende Synchronisation der Appstores und die Planung sowie Herstellung der eigentlichen Endgeräte. Nokia möchte MeeGo parallel zum mobilen Betriebssystem Symbian laufen lassen und auch weiterhin Smartphones mit unterschiedlichen Systemen heraus bringen. Was die Zukunft für MeeGo bringt, bleibt also abzuwarten.

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