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Meego 1.1 für's Netbook: blitzschnell und leicht zu bedienen

Von Falko Benthin
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Mitte dieser Woche veröffentlichte das aus dem Zusammenschluss von Moblin und Maemo hervorgegangene Meego-Projekt die Version 1.1 seines Betriebssystems für Netbooks, Smartphones, Auto-Unterhaltungssysteme und Fernseher. Meego ist ein auf Geräte mit Atom- und ARMv7-Prozessoren optimiertes Betriebssystem, das neben einer hohen Performance auch eine einfach bedienbare Oberfläche und eine Anbindung an mehrere soziale Netzwerke mitbringen soll. Mobicroco hat den Netbook-Zweig der aktuellen Meego-Version getestet.

Installation

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meego_13 Die Installation gestaltet sich wie bei vielen anderen Systemen auch recht einfach. Nach dem Herunterladen wird das Meego-Images entweder über den Umweg eines Hilfsprogrammes wie den Win32DiskImager [Link entfernt] oder Image Writer [Link entfernt] (Linux) oder direkt mittels "dd if=meego-netbook-ia32-1.1.img of=/dev/sdb bs=4096" auf einen USB-Stick übertragen, von dem anschließend das Netbook gebootet wird. An der Download der am längsten dauernde Vorgang in dem Prozedre ist, empfiehlt sich der Einsatz eines modernen Downloadmanagers wie Aria2, der die Bandbreite über mehrere parallele Kanäle ausnutzt.

meego_11 Meego läuft als Live-System, der Bootvorgang vom USB-Stick war auf einem nicht mehr ganz taufrischen Eee PC 901 nach 26 Sekunden abgeschlossen. Läuft das System zufriedenstellend, ist eine Installation auf Festplatte oder SSD empfehlenswert, ein entsprechender Punkt findet sich im Bootmenu. Sofern die vorgegebenen Optionen übernommen werden, ist die Installation nach ungefähr drei Minuten Geschichte und Meego kann von der Festplatte gestartet werden. Beim ersten Start sind noch einige Einstellungen für Sprache, Tastatur, Zeitzone und Nutzer vorzunehmen, danach spurtet das System in weniger als 15 Sekunden bis zur Meego-Oberfläche.

Betrieb

meego_15 Wie auch schon bei den Vorgängerversionen erlaubt die Oberfläche eine intuitive Bedienung. Die Oberfläche ist in zehn Bereiche unterteilt: MyZone, Zonen, Anwendungen, Status, Leute, Internet, Media, Geräte, Bluetooth und Netzwerk. Erstere zeigt anstehende Termine, Aufgaben, ungelesene Nachrichten und zuletzt besuchte Webseiten, die Zonen bieten eine gesammtelte Übersicht über aktuell geöffnete Anwendungen. In den Anwendungen finden Nutzer ihre installierten Programme säuberlich gruppiert, Status zeigt, was in sozialen Netzwerken angesagt ist. Internet listet beliebte Webseiten auf und Media zeigt auf dem System vorgefundene Multimediadateien an. Hinter Geräte, Bluetooth und Netzwerk verbirgt sich, zumindest teilweise, was der Name suggeriert.

meego_14 Meego 1.1 basiert auf einem Kernel 2.6.35.3 und verwendet das Dateisystem Btrfs, so dass es durchaus als topaktuell betrachtet werden kann. Um Netzwerkverbindungen kümmert sich Connman, irritierend ist, dass das Wlan-Interface im grafischen Dialog der Meego-Oberfläche nicht auftaucht und anscheinend nur über die Kommandozeile konfiguriert werden kann. Falls das die Regel ist, ist das nicht gerade anfängerfreundlich, aber wenigstens sind alle Programme wie die iw-Tools und wpa_supplicant bereits installiert. Weiterhin sind in Meego standardmäßig Googles Browser Chromium, die PIM-Anwendung Evolution, der Multimessenger-Client Empathy und der Musikplayer Banshee enthalten. Darüber hinaus bieten die Anwendungsgruppierungen noch schnellen Zugriff auf die Webcam-Applikation Cheese, die Bildbetrachter Eye of Gnome (EOG) und Gthumb, eine Reihe kleiner, aber witziger Spiele (etwa Neverputt, Frozen Bubble, Minesweeper, Solitaire und Neverball), sowie eine Anzahl nützlicher System- und Hilfsprogramme.

meego_10 Als besonderes Schmankerl kann Tracker erwähnt werden, eine Desktop-Suchmaschine, die aus dem von der EU finanzierten Projekt Nepomuk hervorgegangen ist und neben einer Volltextsuche innerhalb der Systemdateien auch mit Stemming und, dank Einbeziehung des DBus, mit automatischer Updatefunktion aufwarten kann. Eine Softwareverwaltung (Gnome Paketmanager) unterstützt Anwender bei der Suche nach fehlender Software wie Office-Programmen, weiteren Spielen oder Mediaplayern. An den noch recht kleinen Paket-Repositories ist erkennbar, dass es sich bei Meego um eine junge Distribution handelt.

meego_12 Für Anwender, die auf der Suche nach frischer Software nicht in der Paketverwaltung fündig wurden, kann sich ein Blick in die sich noch im Bau befindliche Meego-Garage lohnen. In der Garage haben Entwickler bereits einige zusätzliche Programme aus verschiedenen Kategorien geparkt, die das Begehren etlicher Anwender wecken könnten, etwa den Mozilla als Ersatz für Evolution Mail oder die Google-Earth-Alternative Marble.

Fazit

meego_9 Mit dem neuen Meego ist den Entwicklern ein großer Wurf gelungen, vor allem die Performance spricht für das Betriebssystem. Die Oberfläche ist übersichtlich, das System läuft stabil. Einige Ecken und Kanten hat das neue Meego noch, beispielsweise die hakelige Wlan-Integration, die gering gefüllten Software-Repositories, die teilweise sehr individuellen Icons, die sich mitunter schwer mit bekannten Programmen in Verbindung bringen lassen oder das momentan nur die sozialen Netzwerke Twitter und last.fm unterstützt werden. Diese werden vermutlich in der für April 2010 angekündigten Version 1.2 zu einem großen Teil abgeschliffen sein. In Kürze möchte das Meego-Projekt ein eigenes SDK veröffentlichen, das Entwickler bei der Erstellung spezieller Meego-Anwendungen unterstützen soll, so dass sich auch im Bereich Meego-Apps einiges tun wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Meego für all diejenigen einen Blick wert ist, die mit ihrem momentanten Betriebssystem auf dem Netbook nicht ganz zufrieden sind.

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