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Medion verwandelt WLAN-Radios in Elektronikschrott

Medion hat sein Internetradio-Portal abgeschaltet. Die WLAN-Radios sind dadurch nur noch eingeschränkt nutzbar. Wir erläutern die Hintergründe.
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WLAN-Radios sind eigentlich eine feine Sache, öffnen sie doch den Weg zu einer Programmvielfalt, wie es sie nie zuvor im Hörfunk gab. Zehntausende von Programmen aus aller Welt sind zu empfangen, die Bedienung ist fast mit der eines herkömmlichen Radios für UKW oder DAB+ identisch und in den meisten Fällen ist die Übertragungsqualität der Stationen sehr gut. So klingt selbst der Lokalsender aus Südamerika so gut wie der von der UKW-Skala bekannte Ortssender.

Was beim UKW- oder DAB+-Empfänger die Senderliste nach einem Suchlauf ist, ist beim WLAN-Radio eine Datenbank, die der jeweilige Portalbetreiber erstellt und pflegt - im besten Fall mindestens so lange, wie die Nutzer ihre Empfangsgeräte betreiben. Stellt der Betreiber jedoch seinen Betrieb ein oder schaltet er sein Portal ab, so funktioniert bei den Empfangsgeräten, die mit der jeweiligen Datenbank verbunden sind, fast nichts mehr.

Jüngstes Beispiel ist Medion, das sein Portal abgeschaltet hat. Entsprechende Hinweise wurden schon im Vorfeld der Abschaltung angezeigt. Medion-Mitarbeiter beruhigten betroffene Nutzer im Forum des Unternehmens zunächst. Das Portal sei im Grunde genommen nur eine vorgeschaltete Internetseite. Nach einem Klick auf sein Radiomodell sei eine Weiterleitung zum eigentlichen Portal erfolgt.

Medion arbeitet für die meisten Geräte mit Frontier Silicon zusammen. Doch nicht nur die Weiterleitung der Medion-Seite, sondern auch das für die Medion-Radios bestimmte Portalseite von Frontier Silicon wurde Ende April vom Netz genommen. Seitdem ist es nicht mehr möglich, Sender-Favoriten zu verwalten oder gar neue WLAN-Radios zu registrieren, wie Nutzer anmerken.

Frontier-Silicon-Portal funktioniert nach wie vor

Medion schaltet Internetradio-Portal abMedion schaltet Internetradio-Portal ab Andere Marken wie zum Beispiel Hama und Sangean werden von Frontier Silicon aber weiter versorgt. Die Geräte funktionieren uneingeschränkt, wie sich auch im kurzen Test von teltarif.de gezeigt hat. Kein Wunder, dass Käufer der Medion-Radios ungehalten sind und dies in Forenposts auch offen äußern. Zum Teil seien die Empfangsgeräte, die nun einem Großteil ihrer Funktionen beraubt wurden, erst vor einem halben Jahr gekauft worden.

Ein Ausweichen auf das Original-Frontier-Silicon-Portal ist Nutzerberichten zufolge nicht möglich. Hier werden die Medion-Radios nicht zur Favoritenverwaltung akzeptiert. Nicht betroffen sind die wenigen WLAN-Receiver von Medion, die mediaU und vTuner anstelle von Frontier Silicon als Portale nutzen. Für einen Großteil der Empfänger bedeutet die Abschaltung des Portals aber, dass die Geräte nicht mehr in vollem Umfang nutzbar sind - ein Problem, das prinzipiell mit fast jedem WLAN-Radio auftreten kann.

Als Alternative käme die Nutzung des Smartphones oder Tablets als Internetradio-Empfänger in Frage. Der Handheld kann per Audiokabel oder Bluetooth mit der HiFi-Anlage verbunden werden. Alternativ ließen sich auch GoogleCast oder AirPlay einsetzen, um die empfangenen Programme auf größeren Lautsprechern wiederzugeben. In einer weiteren Meldung haben wir weitere Tipps für den Fall gegeben, dass das Internetradio keine Webradios mehr abspielen kann.

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