Digitalradio

Privatradios zu DAB+: Verzichtbare Brückentechnologie?

In Zeiten der digitalen Revolution mutet das UKW-Radio an wie ein Dinosaurier. Doch die Menschen halten an der Technik fest - auch weil sie verunsichert sind, ob sich DAB+ überhaupt durchsetzt. Das war auch der Tenor eines Panels auf den Medientagen Mitteldeutschland.
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Diskussion auf den Medientagen MitteldeutschlandDiskussion auf den Medientagen Mitteldeutschland In Zeiten der digitalen Revolution mutet das UKW-Radio an wie ein Dinosaurier. Doch die Menschen halten an der Technik fest, nicht nur aus Bequemlichkeit oder weil sie die Anschaffung eines digitalen Empfangsgeräts aus Kostengründen scheuen, sondern auch darum, weil längst nicht ausgemacht ist, welche Technik denn sein Nachfolger werden wird.

Möglicherweise setzt sich statt DAB+ nämlich immer mehr IP-Radio durch, vor allem der neue Mobilfunk-Standard 5G wird als Hoffnungsträger für die Hörfunkbranche gesehen, da hierüber auch neue Geschäftsmodelle mit Personalisierung, Rückkanal und individueller Werbung möglich sind. Das wurde auch wieder auf einem Panel deutlich.

In der Diskussion auf den Medientagen Mitteldeutschland bezeichnet die Moderatorin Inge Seibel die DAB+-Technik als "immer noch ungeliebtes Kind", obwohl mittlerweile immerhin 23 Prozent der sächsischen Haushalte über einen entsprechenden Empfänger verfügten.

Regiocast: Immer noch weit über 90 Prozent der Umsätze mit UKW

Nico Nickel vom Radio-Unternehmen Regiocast hält fest: DAB+ war zunächst und vor allem politisch gewollt, deshalb sei eine staatliche Förderung für den technischen Umstieg gerechtfertigt. Die Unternehmen seien durchaus bereit, einen Anteil der Investitionen aufzubringen, nur sei das Umfeld eben sehr unsicher, denn niemand wisse, ob sich DAB+ wirklich durchsetze oder ob es schließlich eine Brückentechnologie sei. Nach wie vor erwirtschafte sein Unternehmen "weit über 90 Prozent der Umsätze" mit UKW.

Professor Stephan Ory von der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk ist sich sicher, dass schließlich der Markt "auspendeln" wird, ob die Menschen in Zukunft DAB+ nutzen werden, oder Alexa oder Apps. Die Diskussion sei müßig. Die Forderung der privaten Rundfunkanbieter nach Fördermitteln für den Umstieg zu DAB+ – vergleichbar mit den Förderungen, die die Öffentlich-Rechtlichen erhielten – bezeichnet Ory als klug und berechtigt.

Langfristiges Nebeneinander von UKW und DAB+ nicht zumutbar

Jochen Fasco von der Thüringer Landesmedienanstalt pflichtet ihm bei: Ohne Förderung bewegt sich kaum etwas. Die Thüringer Radiosender seien eher konservativ in der Frage des Digitalradios, man müsse sie, wenn es politisch gewollt wäre, in Richtung der Umstellung "führen". Die Aufgabe seiner Landesmedienanstalt beschreibt er darin, auf Weisung der Landesregierung „Vielfalt ins Land zu bringen“. Das bedeute im Moment eine Simultanität von UKW- und Digitalradio, was dem Steuerzahler langfristig sicher nicht zuzumuten sei.

Wer aber kann, wer wird schließlich eine Entscheidung treffen? Darüber herrscht bei der Diskussion Unstimmigkeit. Manche erwarten diese Entscheidung von der KEF, die aber nicht für die Privatradios zuständig sei, sagt Ory. Martin Deitenbeck (SLM) hält dagegen: Eine Entscheidung für die Öffentlich-Rechtlichen würde faktisch die Privaten zwingen mitzuziehen.

Wenn die KEF aber nicht entscheidet – und im Moment spricht nicht viel dafür –, hänge letztlich alles davon ab, wie sich die Nutzer und Nutzerinnen entscheiden. Die Zahl der Geräte in den Haushalten sei für die Unternehmen die entscheidende Größe. Die Moderatorin Seibel fasst zusammen: Wir müssen es abwarten.

Staatsministerin: Umstieg auf DAB+ losgelöst von aktuellem UKW-Streit

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, möchte unterdessen die aktuellen Probleme beim UKW-Hörfunk nicht mit einem Umstieg zu DAB+ in Verbindung bringen. "Die Diskussion über UKW ist losgelöst von unseren Planungen bei DAB+", sagte sie in einem Interview mit dem "Meinungsbarometer". "Wir halten daran fest, auch den Hörfunk in die digitale Welt mitzunehmen, hier gibt es kein Zurück".

Das erfordere ein aktives Zusammenwirken der Marktbeteiligten, wie im Aktionsplan beschrieben. "Ich habe in der Vergangenheit dabei aber auch immer wieder deutlich gemacht, dass wir eine Blockadehaltung nicht tolerieren werden." Im Mittelpunkt werde die Frage stehen, wann genügend Hörerinnen und Hörer Radio digital hören, damit ein Umstieg möglich ist. "Soweit auch eine regulatorische Unterstützung durch die Länder und den Bund notwendig ist, werden wir diese erarbeiten müssen."

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