Interview

Generation "Kopf unten": Machen Smart­phone und Tablet wirklich einsam?

Schon fast 30 Millionen Internetnutzer haben ein Video angeklickt, das vor Ver­ein­samung durch den ständigen Blick auf Smartphone, Tablet und PC warnt. Eine Wissen­schaftlerin erklärt in einem Interview, dass sie die Sache lockerer sieht.
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Digitale Kommunikations­angebote können eine Bereicherung seinFührt der ständige Blick zum Smartphone zur Vereinsamung? Der Videoclip Look up (siehe unten) hat im Netz eine Debatte über die "Generation Kopf unten" ausgelöst. Der ständige Blick aufs Smart­phone - führt er zur all­gemeinen Ver­ein­samung? Ulrike Wagner, Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in München, glaubt das nicht. Ihr Fachgebiet ist der mediale Wandel aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen.

Wie finden Sie das Video?

Ulrike Wagner: Es ist ein sehr professionell gemachtes Video, das auf Emotion pur setzt, All­tags­situationen geschickt in­szeniert und dadurch seine Wirkung entfaltet. Gleich­zeitig wird in einem sehr schlichten Entweder-Oder argumentiert: Direkte soziale Kontakte sind den medialen vor­zu­ziehen und früher ist alles besser gewesen.

Ganz offenbar trifft das Video aber doch einen Nerv bei sehr vielen Leuten.

Ulrike Wagner: Die Tatsache, dass dieses Video viele Millionen Klicks bekommt, beweist die Qualitäten des Produzenten. Er versteht es, Auf­merk­samkeit auf sich zu ziehen. Dabei bedient er sich sehr geschickt der Mechanismen, die er selbst kritisiert: die ständige Verfüg­bar­keit digitaler Kommunikations­kanäle.

Ist es denn wirklich so wie hier geschildert? Verkümmern die direkten Kontakte, weil alle nur noch virtuell kommunizieren?

Ulrike Wagner: Man kann eine lange Liste mit Gegen­argumenten dazu anlegen: Es ist einfacher, seine Ver­abredungen zu organisieren; man kann alte Freund­schaften pflegen, auch wenn man an unter­schied­lichen Orten lebt. Und auch familiäre Kontakte auf Distanz werden erleichtert über Smart­phone, Skype oder ähnliche Kommunikations­kanäle etc. ...

Sie sind also nicht überzeugt?

Ulrike Wagner: Ein schlichtes "Früher-war-alles-besser" verklärt den Blick und lässt außer Acht, welche Potenziale diese neuen Medien mit sich bringen. Das wird deutlich in der Verfügbarkeit von Informationen über Repression und Machtausübung in weniger demokratischen Staaten.

Ist dieses Phänomen denn wirklich neu? In den 70er Jahren hat man zum Beispiel oft gehört: "Die Kinder hängen nur noch vor der Glotze, spielen gar nicht mehr mit den anderen draußen."

Ulrike Wagner: Die Beispiele der "schlechten Medien" kann man noch weiter zurückverfolgen. So waren auch Bücher nicht zu jeder Zeit ein Bildungsgut, sondern oft auch umstritten. Die Debatten über Medien sind zumeist ein Aus­handlungs­prozess zwischen den Jüngeren und den Älteren. Bei Eltern überwiegt häufig die Sorge über ein Zuviel an Medien, da sie mit den neuen Medien weniger anfangen können.

Also nichts Neues unter der Sonne?

Ulrike Wagner: Ein Aspekt wäre mir schon noch sehr wichtig: Für den Chef jederzeit erreichbar zu sein, ist heute für viele ein Muss und auf Dienst­reisen online zu arbeiten eine Selbst­verständ­lich­keit. Es prägen also auch wirt­schaft­liche Zwänge unsere sozialen Beziehungen, und das halte ich für entscheidend. Wir müssen alle lernen, diese digitalen Kommunikations­angebote in unser Leben so zu integrieren, dass sie es bereichern und damit auch das soziale Miteinander befördern und nicht isolieren.

Handyfasten als Ausgleich

Dennoch gibt es viele Handy-Nutzer, die auch gerne einige Tage ihr Mobiltelefon beiseite legen, um zu überprüfen, ob sie noch hierauf verzichten können. Wie das Handyfasten funktioniert, erklären wir Ihnen in einer gesonderten Meldung. Hier können Sie den videoclip in voller Länge sehen:

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