Privatsender

Was macht eigentlich Media Broadcast?

Ohne Media Broadcast gäbe es vielleicht keine genaue Uhrzeit, kein DAB+-Radio oder keinen Live-Sport und vieles andere mehr. Wir waren dort.
Aus Köln berichtet
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Das digitale Fernsehen über Antenne nach dem DVB-T2-Standard feiert seinen ersten Geburtstag. Die Sender werden von der Media Broadcast betrieben, die seit zwei Jahren zum Freenet-Konzern gehört.

Media Broadcast hat eine bewegte Geschichte. Die Ursprünge lagen bei der Deutschen (Bundes-)Post. Deren Nachfolger Deutsche Telekom verkaufte das Unternehmen an die französischen Kollegen von TDF (Tele Diffusion France). In einem Überraschungscoup übernahm die durch ihre Mobilfunkaktivitäten bekannte Freenet AG (mobilcom-debitel, Talkline, Klarmobil, Freenet etc.) vor zwei Jahren für rund 295 Millionen Euro das Unternehmen.

Wolfgang Breuer: Vom Mobilfunk zum Rundfunk

Zwei Mobilfunker, die sich gut verstehen: Wolfgang Breuer (links), Geschäftsführer der Media Broadcast, und sein Chef: Christoph Vilanek, CEO der Freenet AG
Zwei Mobilfunker, die sich gut verstehen: Wolfgang Breuer (links), Geschäftsführer der Media Broadcast, und sein Chef: Christoph Vilanek, CEO der Freenet AG
Wolfgang Breuer ist Geschäftsführer Media Broadcast und seit sieben Jahren im Unternehmen. Er stammt aus dem Mobilfunk, war viele Jahre bei der damaligen T-Mobile aktiv und ging eine Zeit lang ins Ausland. In der Medienlandschaft habe Breuer vieles dazu gelernt: Der „Föderalismus“ und verschiedene „Landesmedienanstalten“: Es gebe nicht nur unterschiedliche Uniformen bei der jeweiligen Polizei eines Bundeslandes.

Werden von Facebook & Co. überholt

"Wir werden von Facebook & Co. überholt", warnte Breuer, weil hierzulande „in Mediendingen die Bundesländer zuständig sind“ und jedes Bundesland andere Vorstellungen habe.

Die Media Broadcast hat ihren Sitz in Köln. Deutschlandweit sind über 700 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, um das Netzwerk 24 Stunden und 7 Tage die Woche am Laufen zu halten. Media Broadcast verfügt über neun Satelliten-Trucks (sogenannte SNG) und betreibt bundesweit 120 DAB+ Sender, sowie über 300 DVB-T2-HD-Sender.

Service-kritische Dienstleistungen - Uhrzeit per Funk

„Unsere Dienstleistung ist extrem Service-kritisch. Wenn Radio oder Fernsehen ausfällt, reagieren Leute sehr schnell ziemlich sauer.“ Die jüngeren Zuschauer könnten sich an das „Testbild“ des Fernsehens gar nicht mehr erinnern. Man habe extrem in Redundanzen und Ausfallsicherheit investiert und doch sei sein Unternehmen außerhalb der Fachwelt ziemlich unbekannt.

Noch weniger Leute wissen, dass die genaue Uhrzeit von der Media Broadcast über einen Zeitzeichenlangwellensender (DCF 77,5) in Mainflingen bei Aschaffenburg europaweit ausgestrahlt wird. Dieses Signal wird von vielen privaten und geschäftlich genutzten Funkuhren ausgewertet. Viele Ampelanlagen in den Städten werden über Signale der Media Broadcast gesteuert. Auch bei der Seefahrt-Kommunikation von und zu Schiffen ist Media Broadcast „mit an Bord“.

Von Event-Broadcasting bis Fußball-WM

Das Portfolio reicht von Event-Broadcasting, über nicht öffentliche Live-Übertragungen aus einem Operationssaal in ein medizinisches Konferenzzentrum, wo es nicht nur auf höchstauflösende Bilder, sondern auch Ton in Echtzeit ankommt und natürlich zu Live-Sportübertragungen, wo Media Broadcast alleine oder unterstützend mit von der Partie ist (ARD, ZDF, regionale ARD-Landesanstalten), sei es Skispringen oder Fußball.

Zehn Mitarbeiter werden die Fußball-WM in Russland mit ihren Kenntnissen unterstützen. Die dritte deutsche Liga überträgt Media Broadcast selbst. Aus der Raumfahrt noch bekannt ist das Satelliten-Kontrollzentrum in Usingen. Sollte ein Sender ausfallen, sind 350 Mitarbeiter „stand-by“, „Wir haben sogar ein Schneemobil, weil wir auf den Räumservice der Straßenmeistereien nicht warten können“.

Nicht erfolgversprechend: Rundfunk über mobiles Internet

Blick auf das Hauptquartier von Media Broadcast (Eingangsbereich) in Köln
Blick auf das Hauptquartier von Media Broadcast (Eingangsbereich) in Köln
Dem aktuell diskutierten Rundfunk über 5G (FE MBMS) geben Vilanek und Breuer keine reellen Chancen, da Datenverbindungen im Mobilfunk nie unterbrechungsfrei möglich seien. Radiohörer und TV-Zuschauer erwarteten aber eine einwandfreie Übertragungsqualität, von daher müsse es auch in Zukunft „echte Broadcast-Angebote“ geben. Er kenne keinen technischen Vorstand eines Mobilfunkers, der die Zusage gebe, „wir machen Radio über 5G“. Und weiter: „Liveradio über Mobilfunk wird sehr komplex, gepufferte Musik kann man machen, aber live in Echtzeit geht das nicht. „Solange es Liveradio geben wird, wird eine Broadcast-Lösung dahinter stehen.“

Christoph Vilanek erläuterte es aus Sicht des Mobilfunkers: Das Basisnetz in Deutschland ist immer noch GSM, alles andere ein riesiger Flickenteppich. Ohne das GSM-Basisnetz gäbe es in Deutschland „Gesprächsabbrüche ohne Ende“. Ob 3G, 4G oder 5G, das seien keine flächendeckenden Netze, sie hätten nur eine bessere Latenz. In den aktuell diskutierten höheren Frequenzbereichen müssten noch viel mehr Sender als bisher aufgebaut werden. "Wollen Sie mit einem Formel-1-Auto langsam durch die Innenstadt fahren?"

Welche Chancen man bei Media Broadcast dem mobilen IP-Radio einräumt und um was es beim Streit zwischen UKW und DAB+ eigentlich geht, lesen Sie auf der zweiten Seite.

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