Statement

Matthias Kurth: Briefporto wurde erhöht, aber Internet-Preise sinken

Kabelnetzbetreiber haben laut Ex-Regulierer Matthias Kurth gute Chancen, Breitband schneller zum Kunden zu bringen als kupferbasierte Netzbetreiber. Gleichzeitig wunderte er sich, dass Internet-Tarife stets billiger werden, während das Briefporto steigt.
Vom Ultra-Broadband Forum in Frankfurt berichtet
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Auf dem momentan in Frankfurt stattfindenden Ultra-Broadand Forum tauchte als Sprecher ein alter Bekannter auf: Matthias Kurth, ehemaliger Chef der Bundes­netz­agentur.

Kurth rühmte zu Beginn seiner Keynote die Bemühungen der deutschen Bundes­regierung, durch frühzeitige Frequenz­ver­steigerungen über die Bundes­netz­agentur mobiles Breitband in die Fläche bringen. Kurth unterstrich erneut, dass es notwendig sei, den Netzbetreibern konkrete Aus­bau­ver­pflichtungen zusammen mit den Frequenzen zu geben, damit die Nutzer möglichst bald vom mobilen Breitband profitieren. Deutschland sei beispielsweise ein Vorreiter beim Mobilfunk-Netzausbau auf 700 MHz.

Deutschland hinkt bei Glasfaser hinterher

Matthias Kurth auf dem Ultra-Broadband Forum in FrankfurtMatthias Kurth auf dem Ultra-Broadband Forum in Frankfurt Anschließend sprach Kurth allerdings in seiner jetzigen Funktion als Chef des europäischen Kabelverbands "Cable Europe". Europa sei ein sehr heterogener Markt im Bereich der TV-Kabelnetze, manche Staaten wie Italien hätten beispielsweise gar kein Kabelnetz. Ein Kabelnetzbetreiber sei ursprünglich immer gegründet worden, um den Menschen lineares Fernsehen zu bringen - doch nun müssten die Netzbetreiber die Chance auch nutzen, die Kunden schnell mit Breitband zu versorgen.

Kurth führte aus, vor welchen Herausforderungen, aber auch Chancen, die Kabelnetzbetreiber stehen, wenn es darum geht, die Breitbandziele der Bundesregierung oder der Europäischen Union zu erreichen.

Von 217 Millionen Haushalten in der EU hätten bereits 119 Millionen Zugang zu einem TV-Kabelnetz. Kurth legte dar, dass zwar überall über FTTH, also Glasfaser bis ins Haus des Kunden, gesprochen werde. Doch insbesondere Deutschland sei ein sehr schlechtes Beispiel dafür, weil hier überwiegend Kupfer bis in die Haushalte liege. Immerhin könne mit G.fast aus der Kupferleitung geschwindigkeitstechnisch noch etwas herausgeholt werden.

Matthias Kurth betonte, er sei grundsätzlich nicht für oder gegen eine spezielle Breitband-Technologie. Doch insbesondere die TV-Kabelnetzbetreiber hätten mit ihren bereits bestehenden Netzen eine gute Chance, Gigabit-Speed viel schneller in die Häuser zu bringen als die kupferbasierten Netzbetreiber.

Wettbewerb und höhere Preise fördern Investitionen in Netze

Wer als Kabelnetzbetreiber frühzeitig in sein Netz investiere, würde auch schneller wieder Gewinn damit machen und könne den Gewinn wieder investieren, legte Kurth dar. Dafür gebe es viele Beispiele bei europäischen Kabelnetzbetreibern.

Wichtig sei dabei allerdings eine investitionsfreundliche Regulierung durch die Staaten. Auch der Wettbewerb zwischen verschiedenen Technologien würde den Breitbandausbau fördern. Beispiel Italien: Dadurch, dass es dort kein TV-Kabelnetz gibt, hätten auch die restlichen Netzbetreiber mit anderen Techniken keinen Grund gesehen, in ihre Netze zu investieren. So kann laut Kurth der Netzausbau nicht funktionieren.

Kurth schimpfte darüber, dass die Netzbetreiber ihre Kunden regelrecht zu einer Billig-Mentalität erzogen hätten. Wer beispielsweise ein Haus baue, solle doch dazu ermutigt werden, gleich eine Breitband-Leitung direkt ins Haus zu legen und dafür auch zu bezahlen. Zum Schluss seiner Keynote folgte ein letzter Seitenhieb gegen die Regulierungspraxis in Deutschland: Die Bundesnetzagentur habe schließlich nach ihm auch mehrfach eine Erhöhung des Briefportos genehmigt, ohne dass es von den Bürgern dagegen einen messbaren Widerstand gegeben habe. Darum sei es nicht einzusehen, auch für Breitband nur Discount-Preise zu verlangen.

Auf dem Ultra-Broadband Forum stellte Huawei übrigens eine interessante These auf: Staaten sollten Mobilfunk-Frequenzen verschenken.

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