Bestandsaufnahme

Telefónica-Chef: "Wir haben nicht das schnellste Netz, aber es ist stabil"

Telefónica-Chef Markus Haas setzt auf die Einführung der eSIM und auf höhere Preise nach dem 5G-Start. Defizite beim Service sollen mit eigenen Mitarbeitern ausgeglichen werden.
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Markus Haas ist seit eineinhalb Monaten Chef des Münchner Mobilfunk-Netzbetreibers Telefónica, nachdem sein Vorgänger Thorsten Dirks das Unternehmen überraschend verlassen hatte. Kam Dirks von der E-Plus Gruppe, die 2014 von Telefónica übernommen wurde, so ist Haas ein Viag-Interkom-Urgestein. 1998 war Viag Interkom als Vorgänger von o2 gestartet, das heute zu Telefónica gehört. Die Süddeutsche Zeitung interviewte Haas nach den ersten sechs Wochen als CEO des nach Kundenzahlen größten deutschen Mobilfunk-Netzbetreibers.

Als wichtigste Aufgabe für die nächste Zukunft sieht Haas die Stabilität bei den Mobilfunkangeboten. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder negative Berichte zu Netzproblemen und Komplikationen nach der Übernahme früherer E-Plus- und BASE-Verträge auf die o2-Plattform. Dennoch zeigt sich Haas im Interview stolz das intern K2 genannte Projekt (in Anlehnung an den zweithöchsten Gipfel der Welt, dessen Besteigung als schwieriger als die Besteigung des Mount Everest gilt) in kürzester Zeit geschafft zu haben. Während der Fusionsphase seit Anfang 2015 habe Telefónica unter dem Strich sogar zwei Millionen Kunden hinzugewonnen.

Telefónica setzt auf die eSIM

Markus Haas ist seit Januar Telefonica-CEOMarkus Haas ist seit Januar Telefonica-CEO Haas zeigte sich überzeugt, dass die klassische SIM-Karte perspektivisch durch die fest in Endgeräte integrierte eSIMs abgelöst wird. Der Telefónica-Chef setzt zudem auf eine einheitliche Nutzeroberfläche und ein einheitliches Nutzungserlebnis für die verschiedenen Endgeräte, die in Zukunft virtuell miteinander verbunden seien. Auf Shop-Mitarbeiter und Service-Mitarbeiter kämen im digitalen Zeitalter neue Aufgaben zu. Allerdings setze Telefónica verstärkt auf Service. An andere Unternehmen ausgelagerte Dienste habe man in den Konzern zurückgeholt. Im Hinblick auf die zuletzt kaum noch erreichbare Kundenbetreuung zeigte sich Haas überzeugt, mit der "eigenen Mannschaft die Probleme schnell wieder bewältigen" zu können.

Auf die Frage nach der gegenüber den Mitbewerbern schlechteren Netzqualität konterte der Telefónica-CEO: "Einen Netzumbau in dieser Dimension wie bei uns hat noch niemand gemacht. Wir bieten etwa der Hälfte der privaten Nutzer in Deutschland jeden Tag eine gute und solide Datenversorgung. Aber es ist klar: Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir haben das größte und ein sehr stabiles Netz, aber nicht das schnellste Netz. Wir sind Vollversorger und erfüllen alle Anforderungen an den Nutzungsalltag unserer Kunden."

Haas sieht den Rückstand der Telefónica beim LTE-Ausbau auch als Chance. Bei der Zusammenführung der Netze von E-Plus und o2 müsse jede Antenne angefasst und so das modernste Netz aufgebaut werden. Dieses ließe sich so schon für künftige Technologien vorbereiten. Im vergangenen Jahr sei erneut viel Geld ins Netz investiert worden. Dabei räumte Haas ein Problem ein, das auch die Mitbewerber haben: "Man will in Deutschland die beste Versorgung haben und überall, auch im ländlichen Raum, 100 MBit/s in der Luft. Wenn ich alle drei, vier Jahre Funkfrequenzen ersteigern muss, sofort dafür bezahlen muss und dann noch eine Infrastruktur dafür aufbauen soll, müssen sich alle Beteiligten schon überlegen, wie das finanziert werden soll."

Haas will mehr Leistung für mehr Geld verkaufen

Eine Perspektive sieht der Telefónica-Chef in der neuen Mobilfunkgeneration 5G, die noch höhere Datenraten ermöglicht. Hier will Haas das Mehr an Leistung zu höheren Preisen verkaufen. Der Kunde entscheide schlussendlich, ob er bereit ist, dafür entsprechend zu zahlen. Für die Zukunft sieht Haas eine "Always-on-Gesellschaft", bei der Datendienste ständig genutzt werden. Bislang hinke Deutschland bei der mobilen Internet-Nutzung anderen Ländern hinterher. Die Nutzung werde aber steigen.

Schlussendlich ging Markus Haas im SZ-Interview auch auf die Auswertung großer Datenmengen ein: "Die vielen Daten, die wir erzeugen, bieten einen Mehrwert, den Verbrauchern, aber auch anderen Unternehmen. Wir haben dafür in Abstimmung mit den deutschen Behörden Regeln für den Datenschutz entwickelt, das war wichtig für die Akzeptanz. Das zweite große Feld ist das Internet der Dinge. Dafür haben wir eine Plattform geschaffen, über die wir möglichst viele Dinge miteinander verbinden wollen, zum Beispiel Sensoren. Die liefern dann wieder weitere Daten." Zur Auswertung der eingehenden Informationen sei in Berlin die Telefónica Next gegründet worden. Der Netzbetreiber sei aber auch offen für Partnerschaften.

Mehr über den aktuellen Stand der Netzkonsolidierung haben wir in einer aktuellen Meldung zusammengestellt.

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